Das US-Visum: Eine längere Geschichte…

Nicht nur, um den ersten Eintrag nicht ganz alleine dastehen zu lassen, sondern weil es meiner Meinung nach wirklich Wert ist mal über den Visumsprozess zu schreiben, solange das Ganze noch frisch im Gedächtnis ist. Also hier unser Weg zum E1 Treaty/Trader-Visum, dass wir gestern früh letztlich erhalten haben – wenn wir auch unsere Pässe damit erst nächste Woche zurückbekommen sollen.

Um sich in den USA für ein Visum zu bewerben mussten wir ein Formular ausfüllen. Klar eigentlich. Dieses harmlos klingende Ding hat den sprechenden Namen DS-160 und ich möchte gar nicht so genau wissen, wer die anderen 159 davor ausfüllen muss. Wir jedenfalls brauchen ja nur das eine. Und das geht sogar noch ganz komfortabel im Internet. Nur der mehrfach ausgesprochene und auch noch schriftlich wiederholte Hinweis des Delegation Centers „Speichern Sie unbedingt regelmäßig ab“ macht uns etwas stutzig, denn zum Einen impliziert dies ja eine gewissen Länge des Formulars und dazu auch wohl offensichtlich eine hohe Instabilität der Web-Anwendung. Aber wir leben im Jahre 2010, wo doch eigentlich mit Web 2.0 und nach dem 15ten Jubiläum des Internets (für die Öffentlichkeit), da wird es doch nicht schwer sein, eine Webapplikation dieser einfachen Art zu programmieren, oder?

Nun, Tom jedenfalls ist schon beeindruckt von der Menge an Fragen die gestellt werden. Und dies Seite für Seite. Immerhin hat die Webapplikation eine große Neuerung erfahren, sie speichert jetzt bei jedem Seitenwechsel selbständig die Daten ab. Doch hätte man dieses Geld nicht besser in die Stabilisierung der Applikation stecken sollen, denn es ist wirklich unglaublich aggressionsverstärkend, wenn man z.B. ALLE Schulen seit der Grundschule mit Namen, voller Adresse und Zeiten sowie Abschlüssen eintippen darf und danach auf einen Fehler in der Applikation hingewiesen wird, der leider erzwingt alle diese eingegebenen Daten nochmal einzugeben. Und speichern, solange eine Seite nicht vollständig ausgefüllt ist, geht auch nicht (nur um Besserwissern vorzubeugen).

Also der Umfang der Fragenliste ist sensationell. Beruf, Aufgaben, Lebenslauf, Schule, Eltern, Famile, Fragenlisten etc. und immer wieder tauchen dieselben Fragen auf, als hätte jede Seite ein anderer sich ausgedacht und dann nie abgeglichen. Meinen Chef in USA gebe ich ca. 10x ein. Genauso wie die Adresse des Büros in USA. Aber dann werde ich das wenigsten nicht mehr auf dem Konsult gefragt – haha. weit gefehlt.

Genial ist auch, dass man detailliert seine derzeitige und zukünftige Tätigkeit beschreiben soll. Dazu musste ich erst mal einen Lebenslauf erstellen, der dann mit dem Delegation Center in Erlangen abgestimmt werden musste. Die wussten schon warum, denn dieser Lebenslauf ist an machen Stellen superdetailliert zu halten und muss selbst Dinge wie meinen aktuellen Rang bei der Bundeswehr enthalten. Zum Glück konnte ich dazu meinen bereits vorhandenen CV nur abspecken und ein bisschen umschreiben. Sonst wäre alleine das schon eine Mörderarbeit.

Doch wie kriegt man jetzt die aktuelle und die zukünftige Jobbeschreibung in dieses Webformular? Die Helden haben tatsächlich das Kopieren mittels Zwischenablage blockiert. So dass man die entsprechenden Teile des Lebenslaufes noch einmal von Hand in das Formular abtippen darf. Schweißtreibend, nervig und unglaublich dämlich.

Und für den Antrag braucht man ja auch Passbilder. Das ist ja nichts Neues, denn den braucht man auch für Indien, China etc. Aber die Amerikaner haben sich natürlich etwas besonderes ausgedacht. 50×50 Millimeter mit einer Kopfhöhe von 25-35 mm auf weißen Hintergrund mit beiden Ohren zu sehen. Schnallt Euch fest und sperrt die Kinder weg. Es ist Grußeltime:

Mr. Zombie

Mrs. Zombie sieht dagegen ja noch richtig Normal aus…

Zurück zum Formular. Wüsstet ihr noch alle Aufenthalte in den USA der letzten 5 Jahre? Einreisezeitpunkt und Länge? Gott sei dank, werfen wir ja nix weg.

Und dann kommen Seitenweise Fragen. Hier ein Ausschnitt…

  • Waren wir schon jemals Beteiligter eine Deportationsanhörung? Nein.
  • Bin ich Mitglied einer terroristischen Vereinigung? Mit Sicherheit nicht.
  • Habe ich jemals zugegeben, in Auftrag gegeben, aufgehetzt zu, assistiert oder anderweitig an Foltern teilgenommen? Wenn singen am Morgen nicht dazuzählt, dann nicht, doch sehe ich da jetzt möglicherweise schwarz für manche US-Ex-Präsidenten ein Visum zu erhalten..
  • War ich nach 1996 an einer Grund- oder Hauptschule teilgenommen, ohne dafür das Schulgeld zu zahlen? Schluck. Zum Glück nicht, aber scheinbar hat das ähnliches Niveau wie Spionage oder Sabotage…
  • Und dann mein Favorit: Habe ich jemals überlegt mir oder anderen unerlaubt ein Visum zu verschaffen? Also nur zu Klarstellung: Nicht: Habe ich ich es getan. Sondern: Habe ich darüber nachgedacht. Ich kann hier klar sagen: Darauf wäre ich bis jetzt nie gekommen, aber stellen wir uns das mal anders vor: „Haben Sie jemals darüber nachgedacht den Nachbarn unter Ihnen umzubringen, der regelmäßig seinen Hund 18 Stunden am Tag dauerkläffen lässt? In 18 Stunden täglich hat man so manche Gedanken, wenn man krank im Bett liegt… (aber zum Glück wurde das ja nicht gefragt).

Dieses Visumsmonster auszufüllen dauert dann doch schon 2-3 Stunden – wenn man alle notwendigen Infos besitzt, denn zum DS-160 gehört auch noch ein DS-156, dass vom Arbeitgeber kommen muss, wo Gehalt, Jobtitel und Arbeitsbeschreibung drin steht. Und auf dieses mussten wir ziemlich lange warten, bis wir endlich weitermachen konnten…

Doch das Formular mal abgeschlossen kann man immerhin auf einen Knopf drücken und einige der Informationen werden in das Formular von Gabi übernommen – das unfairerweise auch noch viel kürzer ist als Toms. So kriegen wir das innerhalb einer halben Stunde hin. Wir werden richtig fit im Webapplikation neu starten und die Daten der letzten Seite wieder eingeben.

Ist man mal mit dem Eingeben der Daten fertig kommt die zweite Hürde: Der Konsulatsbesuch in Frankfurt. Doch dazu im nächsten Eintrag…

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