Wie kriegen wir ein Konto bei einer Bank

1998 – Johnson City, Tennessee

Ein kleiner Rückblick

Dieser Eintrag soll mit einem Rückblick beginnen. Ein junger unverbrauchter aber auch sehr naiver Junge wurde von seiner Firma 1998 für 6 Monate nach Johnson City, Tennessee geschickt. Damals mit Traveller Cheques über immerhin $200 in der Tasche stand er dann da bei dem Versuch sich eine Wohnung oder ein Häuschen zu mieten. Was er schon gelernt hatte: Ohne Bankkonto kein Mietvertrag. So suchte er sich eine Bank und stellte dort schnell fest. Ohne Social Security Nummer und feste Adresse kein Konto. Und um den Hexenkreislauf voll zu machen: Natürlich auch ohne feste Wohnadresse keine Social Security Number. Klein Clever-Tom lies sich damals ein Schreiben von seinem Chef aushändigen, was er doch für ein toller Hecht sei, sooooo vertrauenswürdig und überhaupt. Damit ging er dann zu den Vermietern, die einwilligten einen Mietvertrag zu unterzeichnen, wenn sie schon mal die Kaution erhalten würden.

Von den $200 Traveller Cheques war immerhing schon die Hälfte für die Häuschensuche draufgegangen. O-Ton deutsches Delegationcenter: „Sie kriegen in USA gleich einen Vorschuss, wenn sie den brauchen, das ist viel einfacher als Geld mit rübernehmen“ – was natürlich jenseits jeglicher für mich erreichbarer Realität war. So hob ich damals mit immensen Gebühren von meiner Visa-Karte Geld ab. Die Nummer hatte ich immerhin dabei. $900 brauchte ich. Nach $500 Dollar war Schluss. Ein Telefonat mit der Bank in Deutschland macht klar: mit den $500 Dollar war das Wochenlimit erreicht, nächste Woche nächstes Glück. Also musste ich die Vermieter überreden erst mal mit den $500 zufrieden zu sein. Ein herzallerliebstes älteres Ehepaar, die das sogar mitgemacht haben. Dadurch hatte ich aber eine feste Adresse und konnte versuchen mein Konto zu eröffnen. „Social Security Number is not urgently needed“. So kriegte ich dann das Konto auch hin, bis als allerletztes doch die Frage nach meiner SSN aufkam. Ein „Sie meinten doch, das sei nicht so wichtig“ half da auch nicht weiter und so musste ich erst meine SSN beantragen. Immerhin war das zufällig im selben Gebäude – und NEIN, obwohl Johnson City eher die Provinz ist, ist nicht ALLES im selben Gebäude. So kriegt ich eine vorläufige Nummer innerhalb von 2 Tagen, mit der dann auch das Eröffnen meines Bank accounts geklappt hat. Natürlich nur für eine Debit Card, denn für eine Credit Card fehlte mir ja die Vertrauenswürdigkeit, also meine „Credit history“, die ich ja nicht vorzuweisen hatte. In Deutschland ist man kreditwürdig, wenn man am besten gar keine Schulden hat. In USA zählt das gar nichts, sondern nur, wenn man Schulden hat und auch beweisen kann dass man diese regelmäßig zurückzahlen kann

2010 – (noch) Nürnberg

So lief es diesmal

Wir sind diesmal ja viel schlauer. UND Tom besitzt bereits eine Social Security Nummer – ein kleiner aber feiner Unterschied.

Wir wollen also (mal) wieder ein Konto eröffnen. Doch wir wissen ja, wie das laufen kann und so kommt uns sehr gelegen, dass wir bei dieser Delegation ein „Relocation Package“ bekommen, d.h. eine Firma soll uns bei den wichtigen Dingen unterstützen, Auto kaufen oder leasen, Bankkonto eröffnen, Wohnung finden, …

Welche Bank nehmen wir nur?

Bankkonto eröffnen klingt doch schon mal sehr gut, insbesondere weil zwei Banken mittlerweile auch geschnallt haben, dass man mit diesen Expats (Ausländer die zum Arbeiten ins Land kommen) Geld verdienen kann. So haben wir sogar die Auswahl, ob wir unser Konto bei Wells Fargo (bei mir vor allem für seine Postkutschen in den Western bekannt) oder HSBC eröffnen wollen. Und beide bieten uns eine Kreditkarte an, auch ohne Credit history.

Ihr könnt ja mal selbst entscheiden, welche ihr nehmen würdet:

  • HSBC schreibt eine nette „Hallo, wir sind HSBC“-EMail und fragen, wann sie denn mal anrufen dürften um zu erklären, um was es bei ihrem Angebot geht. Das Angebot angenommen erfährt man in einem kurzen Gespräch die wesentlichen Eckpfosten des Angebots. Und wir haben die Wahl: Man schickt und die Unterlagen zu oder wir telefonieren nochmal 20-25 Minuten und die Unterlagen werden im Rahmen dieses Gesprächs für uns ausgefüllt.
  • Wells Fargo schreibt auch eine EMail ohne großen Inhalt mit viel Seitenlangen Formularen, die alle gleich unverständlich aussehen, gespickt mit Fachwörtern und nachdem Tom auf ein erklärendes Gespräch gebeten hat (wo wir erfahren, dass die angebotene Leistung kaum von HSBC abweicht) und Tom sich erdreistet hat zu fragen, ob vielleicht jemand bei den Formularen helfen könnte, erhalten wir die Antwort „Tom, seriously, we are a bank.“. Immerhin würde man, wenn ich mit den Formularen fertig bin nochmal drüber schauen und mir Hinweise zur Korrektur (was auch immer das sein mag) geben.

Wen würdet ihr nehmen? Wir haben uns völlig überraschend für HSBC entschieden, die zwar keine volle Filiale in unserer Nähe haben, aber dies durch 3 kostenlose Abbuchungen an jedem beliebigen Bankautomaten wettmachen. Wells Fargo hat in unserer Nähe auch keine Filiale, die nächste ich 10 Meilen weg, aber bietet dieses Service nicht.

Ohne Formulare kommen wir wohl doch nicht aus

Jedenfalls findet irgendwann das versprochene Telefonat statt. Die Fragen sind verständlich formuliert und immer wenn ich nicht weiter weiß, hilft die HSBC Angegestellte auf der anderen Seite weiter. Soweit ein echter Spaziergang. Dann erhalten ich aber doch noch 3 Formulare per EMail und eine Liste von Dokumenten, die ich gescannt schicken soll. Zu den 3 Formularen, die jedes nur jeweils eine Seite sind, gibt es eine ausführliche Schrittweise Beschreibung, was ich wo ausfüllen soll. Einfach. Kriege ich hin und schicke sie noch am gleichen Tag zurück. Problematischer sind da schon die zu liefernden Dokumente.

  • Scans von Reisepässen und einem zweiten Dokument das uns identifiziert. Kriegen wir hin
  • Ein Brief, auf dem unsere aktuelle Wohnadresse zu sehen ist, z.B. eine Utility Bill. Warum das wird uns durch Nachdenken klar. Die Amis haben keine Meldepflicht und damit auch kein offizielles Dokument, dass ihre aktuelle Adresse nachweisen könnte. So zieht man sich auf Briefe zurück – völlig fälschungssicher – die eine Adresse zeigen. Tom denkt: Was ist offizieller als ein Schreiben vom Finanzamt, doch das fällt ja gleich mal völlig bei Sachbearbeiter durch. Er wünscht sich z.B. eine Kreditkartenabrechnung. Kriegt er.
  • Ein Nachweis der Transaktionen der letzten drei Monate eines meiner Konten. Kein Problem: Ein Ausdruck aus StarMoney liefert das gleich im richtigen PDF Format. Doch das fällt mal gleich ganz durch, weil es nicht meinen Namen zeigt. Also bemühe ich meinen Vater die Kontoauszüge der letzten drei Monate von meinem Girokonto einzuscannen (meine Eltern holen die immer schön brav ab und heften sie ab, obwohl ich immer sage: Ich sehe doch alles Online. So sind sie eben und behalten damit jetzt Recht). Dieses Dokument schicke ich also an den Sachberarbeiter, nur hat sich der jetzt auf meine Kreditkartenabrechnungen eingeschossen und will stattdessen die Abrechnungen der letzten drei Monate der Krediktkartenabrechnungen. Also scannen wir diese auch noch ein und schicken Sie. Dann erkennt er aber: Die sind ja von der Firmenkreditkarte und bringen im gar nichts. Er bräuchte was anderes. Dies ist der Zeitpunkt wo wir verzweifeln, denn wir haben ihm ja was anderes schon längst geschickt. Also wie macht man das höflich? Keine Ahnung, ist Tom zu dem Zeitpunkt auch gerade egal. Er macht das auf die auch für Dumme verständliche Art. Er nimmt das PDF mit den gescannten Kontoauszügen und holt sich mit SnagIt einen Screenshot eines Auszuges und markiert dort farbig seinen Namen, den Namen der Bank und die IBAN und BIC. Neben jeden dieser markierten Bereiche schreibt er nochmal, was man denn dort finden könne, also „Name of me“, „Name of my bank“, „IBAN and BIC of my bank“. Und das wirkt doch tatsächlich. Er hätte meinen Namen auf dem Auszügen nicht gefunden. OK, Right. Ich habe ja auch immer Probleme die Einladungsschreiben für meine chinesischen Arbeitsvisen zu lesen (weil alles auf chinesisch), doch selbst da fällt „Thomas Jachmann“ auf. Und auf meinen Kontoauszügen fällt das durchaus auch auf. Ist nicht etwa versteckt in einem Wortsuche-Feld, wie man es von Neun Live kennt.

Wie sicher ist SICHER-SICHER?

Jetzt scheint dann ja alles ganz schnell zu gehen, denn schon am nächsten Tag habe ich eine Mail im Posteingang, dass mein Konto eröffnet sei, aus Sicherheitsgründen die Nummer aber nicht verraten würde – zumindest nicht per EMail. So telefonieren wir also wiedermal mit HSBC. Ich erwarte jetzt, dass er mir einfach meine Kontonummer durchgibt, doch weit gefehlt, denn ich könnte ja schließlich irgendjemand sein, der hier anruft. Er müsse mir noch ein paar Sicherheitsfragen stellen. OK. Sicher ist ja wahrscheinlich gut, also sind wir mal gewappnet auf die üblichen Fragen. Und ein paar davon kommen ja immerhin auch – denn er stellt VIELE Sicherheitsfragen. Geburtsdatum. Adresse, Geburtsname der Mutter und dann WIRKLICH SICHERE Sicherheitsfragen: Seit wann denn der Account eröffnet sei. Mein: „Das müsse doch er wissen“, quittiert er mit „steht doch in der Mail“. Aha. Gut, also lesen wir mal die Mail quer und finden überraschenderweise „Today“. Bingo! Warum das jetzt eine Sicherheitsfrage ist, ist mir aber unklar, denn das könnte JEDER beantworten, der die Mail hat. Auch die Frage bei welcher Bank sie denn eröffnet wurde. Jaja, steht in der Mail… und so geht es dann weiter, bis er endlich glaubt, dass ich zumindest in der Lage bin Emails zu lesen.

Nur stellt sich plötzlich die Frage: Ist er das auch? Denn plötzlich stockt er, denn die Routing Nummer (bei uns Bankleitzahl) die ich aus der Mail vorgelesen habe, scheint im selbst nicht geheuer. Und er stellt fest: Ich bin zwar ich, doch mein Konto sei bei der falschen Filiale eröffnet worden. Und damit wären die Abbuchen im Monat nicht kostenlos. Und eigentlich müsse er jetzt erst mal in sich gehen und dann zu seinem Chef um zu klären, was man da jetzt machen könne… Aber die Kontonummern wären ja zumindest schon mal richtig übermittelt…

Offen – oder doch nicht?

Am nächsten Tag flattert mir eine neue Mail ins Postfach, die besagt, dass das jetzt alles gefixt wäre und alles passen würde. Meine Routing ID hätte sich dadurch nur geändert – immerhin jetzt einfach merkbar: 022 000 020.

Na, das war doch gar nicht so schwer, oder? Jetzt bleibt es nur noch an uns einen Brief mit den Original Master Deposit Agreements in die USA loszuschicken und zu warten, bis das Welcome Package sowie ein Brief mit meinem Online-Passwort eintrudelt.

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