Visa werden eingeweiht

Dank Toms Eltern kommen wir entspannt am Flughafen in Nürnberg an und träumen uns durch den Flug nach Frankfurt. Richtig wach wird Gabi ja eh erst nach dem 1. Kaffee. Beim Einchecken in den Flieger nach Chicago die freudige Überraschung: Kostenloses Upgrade in Business Class! Das 1. Mal für Gabi!!! Zur Begrüßung wird Champagner gereicht! 

Gabi - zum ersten Mal in der Business Class - hat noch nicht mitbekommen, dass sie hier ihr Nackenkissen eigentlich nicht benötigt (es stört doch nur beim Champagnerschlürfen)

Kann eine Orientierungsreise besser beginnen?! Nein! Gabi ist vom medialen und sonstigen Angebot total begeistert. Der Sitz lässt sich in eine konfortable Liegeposition stellen. Der blonde Schnösel-Steward legt ein weißes Tischdeckchen auf den ausgeklappten Tisch. Alles klar;-) Es gibt ein leckeres Dreigänge-Menü (je 3 Gerichte zur Wahl) und wirklich STÄNDIG fahren die Alkohol-Wägelchen durch die Gänge. Da der Magen von Gabi noch immer nicht so ganz i. O. ist, darf es auch mal ein Verdauungsschnäpschen sein – und Tom gönnt sich einen Baileys on the rocks. Ein paar Stunden Schlaf und 2 Filme später sind wir auch schon da.

Gabi geht mit den Augen eines nichtenglisch-sprechenden Besuchers durch die Sicherheitskontrollen – immer der Menge nach und schauen, was die Leute vor einem machen. Die nette Dame bei der Visa-Kontrolle hat auch keine Probleme mit uns – unsere Visas mit den Verbrecherbildern schrecken also doch nicht ab? Warum Gabi alle 10 Fingerabdrücke abliefern darf (die schon für das Visum abgegeben wurden) und Tom nur 4 Finger der rechten Hand – wir fragen einfach nicht nach…

Mit dem Shuttlebus geht’s zum Mietwagenverleihservice. Doch so einfach ist das hier nicht, denn die Ausschilderung zu den Shuttlebussen ist spärlich, eigentlich kaum vorhanden und die Busse selbst fahren – positiv ausgedrückt – selten. So stehen hier viele verwirrte Leute in der Kälte und Tom muss einige beruhigen, dass die Shuttles schon kommen, auch wenn es länger dauert, als die Aufmerksamkeits- oder Wartefähigkeit eines Durchschnittsamis anhält. Immerhin gibt es kleine Wartehäuschen, die vor dem doch kühlen Wind etwas schützen.

Unmengen an RentalCar Shuttlebussen drängen sich zur Abholung der wartenden Passagiere

Kalter Wind pfeift hier durch Chicago

Bei der Autovermietung haben wir die Wahl zwischen einem Chevy Kobalt in Blau und einem Chevy Kobalt in Schwarz. Super Auswahl. Wir können uns fast nicht entscheiden… Dann geht’s ab erst mal zum Hotel. Kaum haben wir die kostenpflichtige Autobahn verlassen (1 Dollar), weist Tom Gabi andauernd auf die kleinen netten Teiche hin, die auf beiden Seiten der Straße auftauchen. Gabi unterdrückt die Gegendarstellung, sie müsse in ein Sumpfgebiet ziehen – und ob Tom schon mal an die Milliarden Sommermücken gedacht hat?

Das Hotel – immerhin ein Marriott, wenn auch die günstige Variante (Couryard) – ist OK, selbst mit Gabis strengen Augen gesehen: Da wir die ersten 2 Wochen im Februar vermutlich hier stationiert sein werden, hängt die Messlatte natürlich entsprechend hoch 😉 Der Platz wird reichen, es gibt einen Schreibtisch, ein Sofa, Waschbecken/Bad getrennt. Passt scho. Tom ist damit noch nicht zufrieden und will versuchen im angrenzenden Marriott unterzukommen, wenn es die Delegationserstattungsrichtlinien erlauben.

Tom stellt jetzt gerade erst fest, dass die Navigationssoftware auf seinem PC den Geist aufgegeben hat, und nach der Installations-DVD schreit, die natürlich daheim liegt. So kriegen wir auch nicht mehr raus, wo er bei seinem letzten Aufenthalt für das Vorstellungsgespräch entlanggefahren ist. Zum Glück geht der Trend zum Zweitnavi und wir haben mit dem PDA ein solches zufälligerweise dabei. Dieses muss jetzt seinen Härtetest bestehen – und tut dies auch (bis auf leichte Probleme mit dem Ladekabel) sehr souverän. So suchen wir die Adressen von den Whole Food Markets und Farmer Markets der Umgebung heraus, auch schaut Tom auf den Online-Karten nach, wo denn das große Einrichtungshaus, das er das letzte Mal zufällig entdeckt hat, sein könnte und findet eine Stelle, die genau danach aussieht. Dort angekommen finden wir aber nur einen großen Einkaufsladen, in dem wir kurzerhand uns eindecken, denn hier sieht es auch sehr lecker aus. Gabi kauft sich ein Brot, das so nahe an deutsches Vollkornbaguette wie nur möglich herankommt. Wir sind einer Furcht mehr beraubt, dass wir gar kein Brot in der Nähe finden werden, das Gabi schmeckt. Auch die Käse- und Wurstauswahl ist sehr groß, viel größer als befürchtet, auch wenn uns noch Biggis Worte im Ohr klingen „sieht alles toll aus, schmeckt aber vieles nicht wie erwartet“. Wir werden sehen.

Ein Teil der Käseauswahl im Domminicks verspricht Einiges

Doch jetzt zum eigentlichen Grund unseres Aufenthalts: Der Suche nach einer Unterkunft für die nächsten drei Jahre. Die Alternative „unter der Brücke schlafen“ haben wir zwar kurzfristig in Betracht gezogen, aber nachdem wir dadurch keine „Utility bill“, d.h. eine Nebenkostenabrechnung an eine „Brückenadresse“ erhalten würden, scheidet das aus. Warum diese „utility bill“ so wichtig ist, wird klar, wenn man weiß, dass es in USA keine Meldepflicht gibt und damit keine einfache Möglichkeit seinen Wohnsitz bzw. dessen Adresse nachzuweisen. So ziehen sich die Amis auf den Standpunkt zurück, dass, wenn einer eine Nebenkostenabrechnung an eine Adresse erhält, er dort wohl auch wohnt. Sonderbar, aber war.

Zurück zum Thema. Brücke scheidet also aus. (Gabi: Der eigentliche Grund ist doch, dass die um diese Jahreszeit alle besetzt sind), deshalb gibt es ja auch ein Relocation Package, das uns über Toms Firma bei der Unterkunftssuche behilflich ist. Uns hilft die Firma Graebel und hat die Aufgabe in Chicago an eine Subfirma Comcast weitergeben, die wiederum eine lokale Maklerin der Firma Dynaconnections beauftragt hat. Andrea von Comcast und Pamela von Dynaconnections sind aber scheinbar schon ein eingespieltes Team, denn die eine darf keine Häuser zeigen und die Andere darf keine Empfehlungen geben, weil sie sonst ihre Lizenz verlieren würde. So zeigt die eine und die andere kommentiert. 2 hübsche Damen zum Preis von einer 🙂 Und so sieht Haussuche heutzutage aus: Man bekommt in einer Webapplikation schon frühzeitig mögliche Objekte mit detaillierten Informationen, Bildergalerien und vor allem mit der Möglichkeit über Online-Karten, Satellitenbilder und Bilder des Anwesens und der Umgebung aus einer Flugzeugperspektive sich genau anzuschauen, wie das Anwesen aussieht und wo es liegt. Für Tom besonders wichtig: Wie weit ist die nächste Lärmquelle wie vierspurige Straße, Bahnlinie, Firma mit LKW-Anlieferverkehr etc. entfernt. So fallen schon mal viele Angebote raus, weil schlecht gelegen oder optisch nicht ansprechend. Andere aufgrund der Beschreibung. Wir dachten am Anfang dass wir kaum oder keine Auswahl haben werden (auch geschürt von Kommentaren von Freunden, dass die Amis nicht mieten, sondern kaufen). Doch haben unsere beiden Damen den Umkreis um Toms Geschäftsadresse schon auf 4 Meilen einschränken müssen, weil die Anzahl der Möglichkeiten sonst explodiert wäre.

So konnten wir schon in Deutschland die Anzahl von 33 auf 13 reduzieren, wobei wir dabei 8 auf „interested“ und 5 weitere auf „maybe“ einsortieren konnten. Mehr brauchten wir in Deutschland nicht zu machen. Eine „wir treffen uns dann am Donnerstag in der Lobby unseres Hotels“ sollte reichen, dass wir Flüge buchen und in die USA fliegen. Im festen Glauben alles würde gut gehen und die beiden Damen auch wirklich pünktlich auftauchen. Wie sollte es anders kommen, war es natürlich auch genau so – um genau zu sein, haben die Damen schon auf uns gewartet, als wir 10 Minuten vor der vereinbarten Zeit in der Lobby eintrudeln. Und sie sind gut vorbereitet. Sie haben offensichtlich mit allen „interested“-Häusern (bis auf eines) einen Besichtigungstermin vereinbaren können. Schnell wird klar: Das geht hier ganz einfach, denn die Schlüssel für die Häuser hängen an kleinen Boxen mit Zahlenschlössern an deren Türen und die eigentlichen Maklerfirmen mit denen der Besichtigungstermin vereinbart wird, stellen nur die Zahlenschlossnummer zur Verfügung. Sonst gilt: Hilf Dir selbst.

Die große Heulnummer gleich zu Anfang. Toms Topfavorit – die Südstaatenvilla mit Kamin wurde leider VERKAUFT. Und so stand sie uns nicht mehr zum Mieten zur Verfügung. Was für ein Jammer und wir Klagen doch sehr Weh. Aber damit müssen wir wohl jetzt fertig werden. Wir haben ja drei Jahre Zeit, den Käufer zu vergraulen und dann selbst einzuziehen 🙂

Das erste Haus, das wir uns wirklich anschauen ist jenes, das Gabi schon vorher ausgeschlossen hatte „Zu einsam“ (obwohl ja im Radius von 4 Meilen um den neuen Nabel unserer Welt gelegen :-)) Das Haus ist wunderschön in einem Waldgebiet gleich neben wahnsinnigen Villen gelegen… und das ist auch schon alles, was an diesem Haus wunderschön ist. Wir denken, sich im Glanze der Nachbarn zu sonnen ist nicht unser Ding. Klein, alt und heruntergekommen sind wir selbst, da brauchen wir nicht noch so einen Klotz am Bein 🙂 – in einer Minute wieder draußen, das geht schnell bei Jachmanns. Selbst die Amis staunen ob unserer Geschwindigkeit.

Das nächste Haus („Kildeer Lane“) ist dann gleich Toms zweiter Favorit. Mit einer großen Holzveranda mit Blick auf einen nicht zu kleinen See und einer Trauerweide. Kanadagänse setzen dem Ganzen noch das i-Tüpfelchen auf.

Der Blick von der Terasse von Kildeer Lane

Wir überspringen mal einige Häuser, die in die Kategorien „hier haben die Katzen reingepisst“, „der Blick auf den Gemeinschaftspool in 1m Entfernung ist bestimmt nicht ruhig“, „Vermutlich wollen die Fußballer vom 2 Meter entfernten Fußballfeld bei uns aufs Klo“, „Häßlich und klein“, „Alt und versifft“ usw. eingeteilt werden können.

Übrig bleiben noch zwei bis drei andere Häuser in der engsten Wahl (je nachdem wen von uns ihr fragt).

Der Reihe nach:

„Sutton Circle“: Ein nettes Reihen-Häuschen, wieder mit See und schöner Veranda. Nett ausgestatteter Küche und einer großen Freitreppe in den zweiten Stock, die locker mal 40% des Hausvolumens einnimmt. Großer Nachteil: Auf der anderen Seite des Sees, also keine 60 Meter entfernt ist der Gemeinschaftspool und damit nicht genug, auch der große Kinderspielplatz. Gostenhof’s Geräuschkulisse lässt grüßen. Tom, gebranntmarkt, schüttelt den Kopf, Gabi findet die Lage schön. Wir einigen uns auf „Option 4“.

„Parker Lane“: Der amerikanische Traum. Eine Bungalow im Ranch-Stil mit Doppelgarage und 7 Zimmern. Dazu zählt eine Gourmet-Kitchen, eine Küche eines Hobbykochs mit 2 Bratröhren und allem (inkl. Extra Weinkühlschrank), was man sich wünschen kann. Ein rießiges Wohnzimmer mit Gaskamin, drei Schlafzimmer und zwei Bäder. Der Garten wirkt etwas verwahrlost, bietet aber nicht nur eine Feuerstelle, sondern auch noch viele Möglichkeiten eine Kindertagesstätte zu eröffnen, denn die Besitzer haben Kinderschaukel und Sandkasten zurückgelassen. Haben wir den tollen Parkettboden schon erwähnt? Wir sind beeindruckt aber auch hin- und hergerissen, denn einiges wäre hier noch auszubessern… und das für unser gesetztes oberes Preislimit ohne Butler, oder andere Diensleistungen wie Schneeentfernung oder Rasenmähen.

Ein Ausschnitt der Nobelküche von Parker Lane... (der Weinkühlschrank ist nicht im Bild)

„Fabish Drive“: Sehr vergleichbar mit „Kildeer Lane“, auch ein Reihenhaus in einer superruhigen Gemeinde. Ein Haus, das liebevoll auf den neuen Stand gehalten wurde. Das Haus ist licht-durchflutet und bietet zwei Schlafzimmer im Obergeschoss mit vielen Kleiderschränken und zwei vollständigen Bädern (leider ohne Fenster). Unten gibt es ein großes Wohnzimmer, eine mit neuen Geräten ausgestattete Küche und einen schnuckeligen Essplatz. Nicht zu vergessen eine Walk-In-Garage, von dessen Boden man essen könnte und einer kleinen Toilette. Die Terrasse ist zwar winzig, geht aber in eine große gemeinsam mit den Nachbarn nutzbare Rasenfläche über. Kirschbäume versprechen einen wunderschön grünen Anblick. Gabi mag vor allem die Liebe zum Detail, wie ein extra Waschbecken in der Garage, Platz für Mülltonnen und überall Ablagemöglichkeiten. Leider hat die Wohnung gegen unseren Wunsch überall Teppich, der sieht allerdings flauschig aus und frisch gereinigt.

Wie können wir uns entscheiden? Wir fahren am Abend noch mal zu Fabish Drive und Parker Lane und laufen dort in der klirrenden Kälte durch die Nachbarschaft. Urteil: Sympathischer ist es in Fabish Drive und bei Parker Lane hört man doch stark die benachbarte Hauptstraße. Währendessen verhandeln unsere Damen mit den verschiedenen Vermietern und klären deren finanziellen Verhältnisse auf „Red Flags“ ab. Auch noch so ein Punkt, an den wir selbst nie gedacht hätten.

Am nächsten Morgen wird klar: „Kildeer Lane“ gestaltet sich schwierig. Denn es stellt sich dummerweise eine Pattsituation ein. Unsere Maklerinnen wollen unbedingt eine „Vorherkündigungsklausel“ in den Vertrag aufnehmen lassen (gut so) und nachdem der Besitzer ebenfalls auf Delegation ist (nur eben im außeramerikanischen, d.h. unzivilisierten Teil der Welt), will er eine „Vorherrausschmeißklausel“ einbringen. Lange Verhandlungen später hätte er unsere Klausel akzeptiert, und seine zurückgezogen, aber dafür plötzlich 300$ mehr Monatsmiete verlangen wollen – wir spielen nicht mit.

„Parker Lane“ ist über Nacht aufgrund unserer Unsicherheiten und des Verkehrslärms auf Platz 3 abgerutscht. Auch wenn wir grünes Licht für alle Reparaturen bekommen haben stellt sich heraus: Dieser ist auch auch 3 Jahre weg und würde uns nur 2.5 Jahre garantieren wollen, dass wir nicht gekündigt werden. Das ist uns zu wenig.

„Fabish Drive“ wird immer sympathischer. Wir haben ein Treffen mit dem Vermieter (der uns kennenlernen will) für Freitagmittag vereinbart. Dieser stellt sich als Glücksfall heraus. Engagiert, nett und entgegenkommend werden wir uns schnell einig. Wir haben unser Häuschen gefunden und er unterschreibt sofort den Mietvertrag. Wir nicht. Wir wurden geheißen erst mal den Mietvertrag auf Probleme scannen zu lassen, bevor wir zuschlagen. Erfreulicherweise ist der Mietpreis sogar im Mittelbereich des uns selbst gesetzten Budgets angesiedelt und enthält alle Servicedienstleistungen wie Rasenmähen, Schneeräumen usw. Auch stellt sich heraus, dass das Haus gerade neu gedämmt wurde und mit einer effizienten Heizung ausgestattet ist. Haben wir schon Pool und Whirlpool erwähnt, der (etwas abgelegen aber doch gut erreichbar) uns auch zur Verfügung steht?

Damit genug für Heute. Wir sagen nur: Fabish Drive, Buffalo Grove, Illinois.

Die Geschichte zur Odyssee mit der Bank und dem Bargeld gibt es morgen.

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