Jachmanns Orientierungsreise 2011 (Lessons for Runaways)

Erste Shopping Malls in der GurneeMill verbringen wir den Samstag Nachmittag. Sie liegt ca. 30 Autominuten entfernt und ist GROSS. Es gibt sowohl kleine Boutiquen als auch Megastores. Wir brauchen 5 Minuten, um in einem Outdoorriesen am Angelrutenangebot vorbeizulaufen. Das beeindruckt schon. Auch wenn ich keine Waffe kaufen will und auch nicht vorhabe, Eisfischen zu gehen – wer weiß, vielleicht will ich das ja nächsten Winter??? Neben Marken, die ich nicht kenne, gibt es auch Ralf Lauren, GAP, Tommy Hilfiger und H&M. Mindestens in jedem Trakt 1x finden wir Abercrombie und Fitch und Yankee-Candle. Bei den Kerzen werden wir dann auch schwach. Der Nach-Weihnachts-Sale lockt zu sehr und bringt Tom auch noch Winterschuhe ein. In einem Laden, der alle 10 Minuten ein neues Rabatt-Angebot ausruft. Tom greift zu als es „10 $ less for the fist pair“ heißt. Und da Shopping Freizeitvertreib ist, gibt es in der Mall auch eine Eislaufbahn, Kinos, eine große Spielhalle (auch für Kinder), Fahrgeschäfte und einen Modellwettbewerb (allerdings bezweifeln wir, dass hier das nächste Gisele Bündchen gefunden wird, eher Gisele Bündchen)

Am Montag entdecken wir dann, dass kaum ne viertel Autostunde vom Hotel ebenfalls Betonburgen alias Einkaufszentren stehen. Die sind immer in die Breite gebaut und nehmen daher riesige Flächen ein. Diesmal 2stöckig und etwas neuer als Gurnee, mit mehr Niveau. Davor natürlich Platz für Tausende von Fords.

Die Eindrücke der Gegend: Derzeit Präriefarben braun, viele kahle Bäume, im Sommer sicher toll. Die Vororte gehen in einander über und die Hauptverkehrsstraßen sind kerzengerade, gehen Dutzende von Meilen lang. (Gabi: Relativ gut erhalten, auch die „Gemeindestraßen“. Jedenfalls dafür, dass wirklich JEDE Straße, natürlich auch die Verbindungsstraßen und Parkplätze zwischen verschiedenen Läden parallel zur Straße, geteert ist (Tom: Ähhh. Wie sonst? Teer besteht ja auch zu Teilen aus Öl und dafür erobern die Amis doch sogar Länder). Und alles 2 Nummern breiter und großzügiger ist als in Deutschland.)

Die Bebauung kommt Gabi erst flächendeckend vor, aber später entdecken wir, dass es tatsächlich auch Wiesen und Felder gibt – wir sind halt die ersten Tage immer im Kreis gefahren wegen der in Frage kommenden Mietobjekte – und irgendwie gibt es hier außer Wassertürme keine herausragenden landschaftlichen Merkmale, an denen sich man bzw. nicht aufs Navi-starrende Frau orientieren kann. Tom: Anders ausgedrückt: Gabi hat meist keinen Plan wo wir sind, so dass einige „Und noch ein …“ sich häufig auf denselben Laden bezieht 🙂

Ständig sind an den Straßenseiten Shoppingkomplexe, mal größer, mal kleiner, aber IMMER stehen Autos davor. Relativ wenig Leerstand, aber viele Ketten, vor allem die zahlreich vorhandenen Fastfood-Läden, wiederholen sich. Ein Paradies für kleine blonde Nichten, die gerne Dunkin’ Donuts mögen 😉 – auch wenn wir hiervon natürlich keine erblickt haben (die Finger hinter dem Rücken kreuz)

Einwurf Tom: Blindheit oder Tunnelblick. Bei meinem Vorstellungsgespräch bin ich ja auch in der Gegend herumgefahren, habe mich mit dem Auto treiben lassen, um einen Eindruck von der Gegend zu bekommen. Und ich habe wirklich FAST KEINE Einkaufmöglichkeit gesehen. So an allem vorbeizuschrammen ist wie Schiffe-versenken wo man alle Wasserfelder erwischt hat, nur nie ein Boot… wir werden mal darüber meditieren.

Wenn es keine Läden sind, sieht man Gewerbe (z. B. so eine Fa. S…, die sich am Deerfield Pkwy. ziemlich breit macht) oder Wohngebiete. Und Schulen.

Apropos Schulen. Eines lernen wir schnell: Wenn die Schulbusse, die hier wirklich so wie in den Filmen sind: Gelb, lang und wunderschön altmodisch (Bilder folgen später mal von der gelangweilten Hausfrau) zum Schulschluss starten – ist die Hölle los. Da fahren nicht mal 6 oder 7 Busse wie im beschaulichen Landkreis Fürth. Nein! Dutzende Busse, oft nur mit ein paar Schülern besetzt, verstopfen die Straße. Die Kids sitzen ziemlich erschöpft drin und die meisten hatten die Köpfe gesenkt. Ob mit Blick auf Nintendo und co.oder eingepennt – wir können es nicht erkennen. Und vorm Bahnübergang bremsen die Busse rapide ab, es wird mit Schildern am Bus sogar darauf hingewiesen. Wir vermuten, das Heck des Busses knallt sonst auf der Fahrbahn auf, denn die Achsen sind etwas ungünstig zur Wagenmitte hin formiert. Warum auch immer 😉 Tom meint dazu: Wenn Justin Bieber hinter so einem Bus herfahren würde, und alle Kiddies nach hinten stürmen, dann kippt der um (nicht Justin. Der vielleicht auch – sondern der Bus).

Sowas wie ein historischer Ortskern wird stets dramatisch angekündigt, aber selbst der von Deerfield unterscheidet sich nur vom Rest der Stadt dadurch, dass die Gebäude nicht von der Straße weg nach hinten versetzt angeordnet sind.

Shoppen ist jedenfalls Volkssport, und wenn Sonntagnachmittag tatsächlich mal das eine oder andere Geschäft geschlossen hat, stürmt man halt in die anderen, offenen. Noch nie haben wir einen Biomarkt – zumindest glauben wir, dass „Whole Food“ einer ist, die Preise sind ebl-orientiert – so voll gesehen. Aber er führt Vollkornbrot, Brot in „old-world-style“ (das ist die Gegend der Welt, die gemäß so manchem Ami weder Strom noch fließend Wasser hat) und Müsli. Nach langem Suchen kann Gabi aufatmen: auch Müsli OHNE Zusatz von Zucker oder Rübensaft. Und das in nicht mal 15 Autominuten von unserem Häuschen entfernt. Das spart ne Menge Porto 😉

Außerdem sehen wir eine große Auswahl von frischen Bratwürsten. Viele sind „Italien Style“. Mkay?!? Wir werden berichten, ob unsere Gaumen vor Freude jubilieren. Wir sind ja experimentierfreudig 😉

Ansonsten entdecken wir noch 2 weitere Läden in Fahrradreichweite, die uns beruhigt Good-old-Germany verlassen lassen werden. Einen Metzger, der auch frisches, angeblich ohne Antibiotika behandeltes Geflügel und Fisch sowie Salate führt. Und einen Lebensmittelmarkt namens „Fresh Market“, von dem Tom bereits nach seiner 1. Reise begeistert erzählt hatte. Gabi stellt fest, dass dieser Markt für Polen oder Osteuropäer 1. Anlaufstelle ist, denn die dort verkauften Zeitschriften sind alle osteuropäisch. Doch der Markt führt Pumpernickel-Vollkornbrot, Wurst (sogar Gelbwurst und Leberwurst) und viele deutsche Produkte. Und Lindt-Schokolade. Ach ja, sowie ein super Obst-/Gemüseangebot! Wer will aber Gemüse, wenn es Lindt-Schoki gibt 😉 Naja, wir würden uns vielleicht sogar auf frische Ananas herunterhandeln lassen, aber nur, wenn sie mit Lindt-Schokolade überzogen ist 🙂

Gabi denkt, dieser Markt (auch eine Kette) ist deckungsgleich mit dem von Biggis Erzählung. Die Verkuppel;-)-Freundin/Arbeitskollegin, die vor einigen Jahren ein Jahr in Chicago gelebt hat, fiebert mit uns mit und versorgt uns mit wertvollen Tipps und ist fast ein bisschen neidisch;-) Aber unser Haus ist ja auch für die frisch gebackene Dreierfamilie offen! Und mit Markus hätten wir auch schon einen Kandidaten fürs Eisfischen!

Tipps holen wir uns auch von unserer Relocation-Service-Ansprechpartnerin Andrea und selbst von der Maklerin unseres Vermieters Barbara. Alle beantworten ausführlichst und super freundlich unsere Fragen nach Handyanbietern, Restaurants oder dem richtigen Ort für Einkäufe wie Wasserkocher, Kaffeemaschine, Sodamaker, Radio und co. Typisch amerikanisch ist alles „perfect, wonderful and the best shop/salad/coffee – I love it!“. Selbst Gabi merkt langsam, dass man einfach fünf Begeisterungspunkte abziehen muss, um auf die fränkisch-nüchterne Realität zu kommen. Hald a salod mid Knusbersdüggli drin. Bassd scho.

Jedenfalls machen die kurzen Tage – abends holt uns der Jetlag immer ein und wir fallen totmüde ins Bett – Lust auf mehr. Gabi sinniert, in amerikanischen Filmen wären die doch deutlichen Unterschiede im Umgang mit Superlativen und Ernstnehmen von Aussagen (auf die man sich ja evtl. verlassen könnte) nicht merkbar. Es wird spannend, Leute näher kennen zu lernen. Und bald ist es so weit!!!

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2 Antworten zu Jachmanns Orientierungsreise 2011 (Lessons for Runaways)

  1. beate15 schreibt:

    Äähh……. Tom,

    ICH glaube, ihr habt das falsche Haus ausgesucht…… mal schauen, wie gut Deine Kombinationsgabe ist´:
    1. VIELE Schränke vorhanden
    2. GUTE Shoppingmöglichkeiten (für Deine Gattin)
    3. VIEL Zeit (ebenfalls Deine Gattin)
    …….dämmert Dir da leise was? Ich würd auf jeden Fall schon jetzt mindestens 2 Container für eure Rückumsiedelung bestellen!!!

    LG
    Beate

    • jachmanns schreibt:

      Ist mir schon bewusst, aber wo in USA wäre ich davor sicher? Und sie zeigt in letzter Zeit sehr sonderbare Anwandlungen mit Aussagen wie „Shopping langweilt“ und so. Alles nur Tarnung? LG Tom

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