Freitag 28.01.2011 – Wohnungsübergabe

Aufstehen um 6.15h – Toms Papa hat verstanden, er solle zu dieser Zeit da sein. Er hat also die Ehre, seiner Schwiegertochter im Schlafanzug mit verwuscheltem Haar und totem Blick zu begegnen. Tom, den das laute Klingeln aus dem vollen Schlummer reißt, hat gleich Herzrasen. Hart im Nehmen wie er ist, schmiert Eb schon Löcher zu, während wir noch Frühstücken. Kalten Kaffee und Müsli. Aber ohne Frühstück…. Ihr wisst ja, halber Mensch und so…. Tom holt bei einer Autovermietung den bestellten Kastenwagen, um Bett, Biergarnitur etc. sowie einen Teil unseres Gepäcks zu meinen Eltern zu bringen. Eberhard fährt mit. Zeit für letzte Vater-Sohn-Gespräche… Zumindest stelle ich mir das vor, während ich die letzten Zimmer und den Westbalkon auf Glanz bringe und die letzten Handgriffe vorbereite. Den Wohnungsübergabetermin hab ich schon auf 10.15 h vorverlegt, nachdem wir dank Eberhard wesentlich schneller fertig sind als im minutiös terminierten Zeitplan vorgesehen. Auch die E-Mail-Probleme bei der Kämmerei lösen sich mit einem Telefonanruf – und als auch noch Stephan glücklich ist, das witzige, eigens für Tom bestickte „ESV-Member“-Sportshirt (ein Geburtstagsgeschenk) bei mir abliefern zu können (und natürlich mich ein letztes Mal zu drücken, versteht sich 😉 ) denke ich ans sprichwörtliche Schnürchen. Genauso läuft auch die Wohnungsübergabe, wenn wir auch noch Türen nachputzen und Toms! Haare aus der Badewanne entfernen müssen. Mein Gott ist die pingelig, die Hausmeisterin!!! Doch dann haben wir es geschafft, kaum mehr Schlüssel in der Tasche und ein überschäumendes Gefühl der Erleichterung und Freiheit. Auch für meine A-Klasse, die nach jahrelangem Vorsichhindrecken zur Feier des Tages in die Waschstraße geschickt wird 😉 Blöd, dass die Straßen nach Wilhermsdorf danach doch nicht so trocken sind und das Auto gleich wieder eine leichte Salzschicht bekommt… Hier der Spruch des Tages auf die Frage, ob ich das 4,95 € – Waschangebot genutzt habe: „Wieso, ich hatte doch deinen Geldbeutel, du hast gezahlt. Es ist die teuerste Premium-Plus-Wäsche geworden!“ 😉 Tom beschwert sich, nachdem er meine Aussage verdaut hat, weiter: Nun, nachdem wir das Auto zwischenlagern, würde es geputzt und wie es käme, dass er die ganzen Lackkratzer noch nie vorher entdeckt hätte. O Mann, meine Prioritäten liegen halt anderswo! Z. B. darin, Freundinnen letzte Grüße vor die Wohnungstür zu stellen 😉 Gut, bei den Nachbarn macht der Pitu auf dem Abstreifer jetzt vielleicht nicht den besten Eindruck – aber Nadine verträgt das schon! Ein Dankschön nochmal an Kristin! Wobei ich über Folgendes schon nachgedacht habe: Die Fränkin schickt eine Kuckucksuhr aus München nach Nürnberg, damit diese über München in die Vereinigten Staaten eingeführt wird und dort die Klischees aller Amis, die uns besuchen, erfüllen kann. Berfegd 😉

Wir bekommen für die letzte Nacht Asyl bei meinen Eltern, und so rast unser Nachmittag in Wilhermsdorf vorbei und ist ausgefüllt mit Gesprächen mit den Eltern und den Riedls (meine Schwester mit Familie). Tom installiert die ersetzte Webcam und erklärt geduldig die Tücken von Skype und co. Schließlich sind wir ja up to date und wollen uns auch aus der Ferne sehen! Abends wird nochmal so richtig gevespert mit gutem Brot, Semmeln und Gelb-/Stadtwoschd. Eher weniger fränkische scharfe Oliven und leckeren Käse verachten wir auch nicht, wer weiß was für gefärbtes Zeug wir nächste Woche essen…

Anne, mein Patenkind, kämpft mit den Tränen beim Abschied. Wir werde chatten Süße! Und außerdem kommen die Riedls ja im Sommer schon zu uns. Wir freuen uns!

Am Abend muss Tom im Bett auf mich verzichten, weil ich mit meinen Eltern nochmal einen Fernsehschlafabend im elterlichen Wohnzimmer verbringe. Er hat mich ja die nächsten 3 Jahre ganz für sich allein… Doch gegen elf Uhr verdrehe auch ich die Augen und kann den Stories meiner Mum nicht mehr folgen. Wir wackeln ins Bett, gute Nacht Deutschland! Alles wird gut.

Die restliche letzte Woche im Zeitraffer:

Am Montag die Fingerfood-Party mit unseren Kollegen. Die Knorrs aus Vach (in ihrer Kulturscheune haben wir schon an unserer Hochzeit geschlemmt) zaubern wieder leckere Häppchen. Ich bin gerührt ob der sehr netten Rede meines Chefchefs. Irgendwie beneiden mich die meisten KollegInnen. Doch Abschied nehmen ist auch nicht leicht, vor allem, wenn man seinen Job gerne gemacht hat…  Am Abend steht ein letztes Mal die Bohne mit Kerstin und Nadine auf dem Programm und ein Best-Of unserer schlechtesten Männergeschichten 😉 Ich werde die zwei sowas von vermissen. Die Abende in Fürth sind für mich immer ein Highlight im Alltag gewesen – und im Moment zweifle ich noch an der ausgeprägten Kneipenkultur in den nördlichen Vorstädten von Chicago. Ich lasse mich da aber sehr gern eines Besseren belehren.

Am Dienstag telefoniere ich mit meiner Nachfolgerin. Komisches Gefühl, auch wenn ich die Kollegin gut kenne und schätze. Trotzdem ist der investive Bereich in den letzten Jahren MEIN Steckenpferd gewesen. Doch wie heißt es so schön: Loslassen können…… Ein letztes Treffen mit Tanja R., deren gute Laune, Witz, Pragmatismus und allzeit verständnisvolles Zuhören ich jetzt übers Internet erhoffe. Umgekehrt ist es immer spitze, dass das „ganz normale Gabiversum kurz erklärt“ bei einem anderen Menschen soviel Heiterkeit hervorrufen kann. Die Pingpong-Mails werden hoffentlich jetzt durchs Chatten ersetzt…

Am Mittwoch lasse ich dann los: Die letzten Dokumente und Aufgaben werden übergeben, die Abschiedsmail an die KollegInnen der anderen Dienststellen wird abgesendet, die letzte Runde durch die Amtsflure und der Aufzug schließt sich. Bevor ich sentimental werden kann, erwartet mich schon Kerstin P., für einen vorerst letzten MiPa-Spaziergang! Auch jemand und etwas, den/was ich vermissen werde. Schnief! Vorher versichern mir noch meine SKN-Kollegen, die von mir (eigentlich im Namen der Stadtkämmerei) geforderten Sortiermerkmale in der neuen Bauinvestitions-Controlling-Software werden weiter „Jachmann-Status“ heißen. Sie vergessen mich nicht! 😉

Nach letzten Besorgungen heißt es daheim alles vorzubereiten für den Abtransport der Möbel und Gegenstände, die drei Jahre ins Dauerlager gehen. Die Sachen, die wir brauchen und im Koffer nach Chicago bringen möchten, bringen wir alle ins Wohnzimmer. So mein kongenialer Plan. Was zu einem unglaublichen Chaos in diesem „Wohn“zimmer führt, als wir uns um neun Uhr abends  totmüde in die Dusche quälen.

Am Donnerstag rücken drei Umzugsspezialisten von team alliance an, um auch die restlichen Zimmer in größtmögliche Unordnung zu stürzen. Ich verkrieche mich in das Chaos, für das ICH mich verantwortlich erklärt habe (Tom: „Wir kriegen das NIE in fünf Koffer“. Ich: „Ich habe ja noch keine Magie verwendet bisher. Lass mich und meine weiblichen Energieströme mal machen – das geht schon“.)  Um es kurz zu machen: Yep. Bis auf das Nackenstützkissen (haben wir mit in den Flieger genommen) und ein Handtuch (wartet in Wilhermsdorf geduldig auf uns) hab ich alles reingequetscht in unsere Gepäckstücke! Ach ja, und ich habe auf die Ledermappe für meine Dokumente verzichtet. DIE werde ich sicher bei meinem ersten Vorstellungsgespräch brauchen und bitter vermissen…. Oder ich geh vorher einfach mal Shoppen… 😉

Am Abend eine letzte Pizza von Pizza Max für Tom und asiatisch vom Thai Food für mich. Nach diesem Tag mehr als verdienter Seelentrost. Lauwarmer Kaffee aus dem Plastikteller! (Küche und Wasserkocher sind weg) rundet für mich das königliche Mahl ab. Die Wohnung ist nun bis aufs Bett und das Wohnzimmer mit Bierzeltgarnitur, dem Gepäck und dem Putz- und Malerzeug vollkommen leer und wir gehen um 20.30 h ins Bett. Zu erschöpft, um noch was zu unternehmen. Zu wach, um zu schlafen, lesen wir etwas und träumen von den glorreichen Zeiten, die vor uns liegen….

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