05.02.11 – Entdeckungsfahrt nach Milwaukee, Wisconsin

Es ist Samstag und nach so einer anstrengenden Arbeitswoche für Tom 😉 ist Entspannung angesagt. Gut, wir haben ja auch ohne Arbeit viel erledigt und nach der endlosen Bürokratie ist echt Zerstreuung angesagt. Ein Ausflug! Abenteuer! Entdeckergeist! Da Gabi am Montag eh’ nach Chicago reinfahren will, um bei der Botschaft die telefonisch nicht erlangte Auskunft zu erhalten (Buchbinder hat natürlich NICHT zurückgerufen) entscheiden wir uns, das erste Mal das ja schon so vertraute Illinois zu verlassen (jetzt, wo ich das Wort schreiben kann…) und Milwaukee, im Reiseführer „German Town“ genannt, zu entdecken. Dort sollen rund 50 % Deutschstämmige leben und es gibt ECHTE DEUTSCHE METZGÈR! Bratwurst wir kommen….

Impression während der Fahrt: Tom:„Achtung, da kommt ein riesiger Schriftzug auf der Straße“ Gabi: „Hä? Neee!“. Tom: Was, nicht, schau doch mal aufs Navi!“. So ist das, wenn man – statt in der Gegend rumzuschauen, die sich sehr schön ländlich gibt und überall Farmen zeigt – voll auf das neue Hightech-Navigationsgerät fixiert ist und die Beschriftung der Straße wie das 8. Weltwunder anhimmelt…

Milwaukee hat, zumindest an einem sonnigen, kalten Wintersamstag, einen leicht verschlafenen, aber sehr entspannten Charme. Easy going hier. Am im Reiseführer gerühmten Shopping-Center bewundern wir nur die Architektur. Schnell weiter zur Old World Third Street, die sich neben gepflasterten! Fußgängerüberwegen durch ein Münchner Hofbräuhaus auszeichnet. Die wirkliche Attraktion ist jedoch die Usinger-Metzgerei (www.usinger.com) mit deutschen Wurstwaren und Wurstmalereien an den Wänden. Ich sage nur „Schöne Wirklichkeit“ 😉 Nachdem unsere Wartenummer! aufgerufen wird, probieren wir uns durch die Salami und können auch bei Leberkäse und Wienerle nicht widerstehen. Die nicht durch übermäßige Schnelligkeit glänzende Verkäuferin merkt aber gleich, dass wir aus Deutschland kommen. Vielleicht durch die kaum vorhandene Sprachbarriere, nachdem Tom jetzt immer Gabi zum Bestellen vorschickt? Hm… Gabi kann ihr auf Bitte zumindest das deutsche Wort für „Welcome“ beibringen. Willkommen schreibt sie sich dann „wil comin“ auf. Naja, das Verkaufspersonal hätte nur nach Gegenüber gehen müssen. So wie wir. Dort ist nämlich das deutsche Wirtshaus „Mader“. Und „Willkommen“ steht über der Eingangstür. Das Interieur ist deutscher als vermutlich jede Wirtschaft in Franken. Dunkles Holz und viele Bilder und Schnitzereien. Die Leuchter an der Decke mit Geweihen geschmückt. Echte Tischdecken und Servietten (in Amerika NICHT jeden Tag zu erleben!). Die Bedienungen tragen natürlich Dirndl. Und es gibt deutsche Weine. Bier haben wir leider nicht probiert, die Salami hat zu viel Durschd verursacht, da wäre Gabi danach beschwipst gewesen….

Kaum sind wir eine Woche im Land, sitzen wir (Tom besteht auf den Zusatz: auf Gabis Wunsch) schon im deutschen Lokal und essen Gulasch und „Bayerische Platte mit Bratwurst, Kassler, Knacker, Senf und Sauerkraut“?. Ist das ein schlechtes Zeichen? Wollen wir uns nicht integrieren? Gabi meint: „Nein! Doch wenn wir schon mal hier sind… Wer weiß wann ich wieder a gscheid’s Gulasch krieg! (Zuletzt koch ich es noch selbst…)“. Es ist einfach witzig, zu hören wie der Kellner „Wiener Schnitzel“ und „Spätzle“ ausspricht, den Unterschied zwischen „Rheinischem Sauerbraten“ und „Kassler Rippchen“ erklärt und statt von Klößen von den „Potato Dumplings“ schwärmt… Aber da sind wir uns ja net mal in Franken einig, denn es gibt ja auch dort neben der Kloß- die Knödelfraktion. Wir genießen jedenfalls auch Salat mit Räucherbauchknusperlis und eine super cremige Karotten-Kokosmilchsuppe mit Mandelsplittern. Dafür muss dann mal wieder der „Doggy bag“ herhalten, sprich: Wir packen die Reste ein, weil wir unser Essen nicht schaffen… (www.madersrestaurant.com)

In gleicher Straße liegt auch eine Gewürzhandlung, die wir anschließend heimsuchen. Tom kriegt sich gar nicht mehr ein ob der Vielfalt, die hier geboten wird. Wieder eine Befürchtung weniger, wir finden sogar Paprikapulver, ungarisch süß. Und wieder eine Überraschung: Der Verkäufer, vom Aussehen eher Bob Marley als Hans Anders, hat norddeutsche Wurzeln und spricht ein erstaunlich gutes Deutsch. Und weiß, wo Nürnberg liegt! Den „Freunden“, das sind wir, gibt er 15% Rabatt. Und wir versprechen begeistert, wieder zu kommen!

Wir schlendern den Riverwalk am Milwaukee-River entlang und fahren durch den Historic Third Ward, ein liebevoll restaurierter Stadtteil. Wir entschließen uns, im Sommer nochmals herzukommen. Denn heute folgen wir einem Tipp aus dem Visitor Center (wenn Gabi den Mitarbeiter richtig verstanden hat…) und nehmen eine weitere halbe Stunde Autofahrt zum Lake Geneva auf uns für ein „Winterfest“ mit Eisskulpturen. Genfer See, München und Milwaukee an einem Tag! Nicht schlecht, oder? An New Berlin fahren wir leider vorbei 😉

Das Festchen ist klein, doch die Skulpturen sind toll und wir genießen den Spaziergang am See und im altmodischen, aber schönen Stadtkern. Dieser Ort (namensgleich mit dem See, lt. Schild am Ortseingang 7126 Einwohner) HAT zumindest einen Stadtkern!

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2 Antworten zu 05.02.11 – Entdeckungsfahrt nach Milwaukee, Wisconsin

  1. islayfan schreibt:

    Klingt nach einem tollen Ausflug. 🙂 Bin auch froh, dass ihr in der Ferne trotzdem gscheide Woschd bekommt. 🙂

    Viele liebe Grüße
    Tanja

  2. Armin H schreibt:

    Danke für den sehr schönen Bericht! Apropos „Germantown“: Meine ausgewanderten Verwandten sind auch über Milwaukee gereist. Bis Ende der 90er wohnte dort noch mein Groß-Großonkel (oder so). Leider war ich nie dort…

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