Endlich ein echtes menschliches Wesen

Kennt Ihr den: „Herr Doktor, Herr Doktor, ich werde von Niemandem beachtet“. Der Doktor: „Der Nächste bitte“.  So fühlen wir uns. Wir sind Menschen zweiter Klasse. Irgendwo zwischen nichtexistent und gerade mal geduldet. Ausleihen eines Buches in einer Bücherei? Ausgeschlossen. Mitglied werden in einem Sportverein? Vergiss es. Was wir meinen? Die Entscheidung zwischen Wohl und Wehe in den USA hat Scheckkartenformat und kostet schlappe 30 Dollar: Der amerikanische Führerschein. Jeder über 16 besitzt ihn, denn es ist die einzige Ausweismöglichkeit der Amis. Es gibt hier keinen Personalausweis und nur ein Bruchteil hat einen Reisepass. Tom ist am Donnerstag aus dem Sumpf der Fastnichtmenschen aufgestiegen in die Elite. Er hat seinen Führerschein erhalten. Und das war ganz einfach. O.k., gelogen. Die Vorgeschichte haben wir ja im Blog schon erzählt. Kurz gefasst:  Uns wird erzählt, für den Führerschein brauchen wir einen Wisch vom in Chicago ansässigen Konsulat. Die Internetseite des Konsulats drückt sich unklar aus. Die automatische Ansage vom Band des Konsulats kann zwar deutsch ENGLISCH, Zurückrufen kann sie aber nicht. Und wenn der Anrufbeantworter dort abgerufen wird – interessiert es wohl niemanden. Jedenfalls: Zurückgerufen werden wir nicht.  Daher ist Gabi in die Puschen gekommen, und mit der Metra nach Chicago reingedüst. Mitten in der Magnificent Mile gelegen, wird das Konsulat mit Wachleuten abgesichert, nur damit Gabi dann feststellt, dass sie gar nicht in das Büro des Konsulats reinkommt. Statt dessen wird sie (als wäre sie unrein, oder hochgefährlich) in einem Art vorgelagerten Glaskäfig nach dem Anliegen gefragt: „Wir wollen amerikanische Führerscheine beantragen“. Kaum ist man knapp 60 Dollar los und wartet ne halbe Stunde, kriegt man eine Bestätigung darüber, dass man einen deutschen Führerschein hat. Dieser ist mit angesiegelter Kopie gleich beigefügt. Wir könnten zwar das ORGINAL bei der Führerscheinbehörde vorlegen. Aber nein, das interessiert hier nicht. Wichtig ist die englische Bestätigung des Konsulats. Ok.   Was braucht man sonst noch.? Eine Sozialversicherungsnummer. Natürlich. Die ist hier der 2. Zauberstab, der Türen öffnet. Gut, dass zumindest Tom durch seine Zeit in Tennessee diese Superkräfte-Nummer hat. Ach ja, außerdem noch zwei Dokumente, die den Wohnort bestätigen. Da reicht dann aber der Mietvertrag in Kopie! sowie eine Rechnung, auf denen Name und Anschrift richtig ausgewiesen sind. Kaum schleppt man all diese Dokumente an, und wartet geduldig in einem gut gefüllten Schwitzkasten, wird man auch schon an den nächsten Schalter gerufen. Und muss durch die schwere Theorieprüfung und die peinlich genaue Prüfung der gesundheitlichen Eignung über sich ergehen lassen. Glaubt Ihr nicht? Ok, Du musst 4 Ziffern in Größe einer Scheune vorlesen und 2 Blitze im Augenwinkel erkennen. Und nett in die Kamera lächeln für das Foto auf Deiner Driver License. Und so hat Tom ihn. DEN FÜHRERSCHEIN. Tom ist  nun ein normales Mitglied der amerikanischen Gesellschaft geworden. Nur Gabi schwebt weiter in der Grauzone. Keine Sozialversicherungsnummer (SSN), kein echtes menschliches Wesen. Wir könnten jetzt weiter erzählen, was sie erlebt, als sie die SSN beantragt, doch das wäre eine weitere unendliche Geschichte aus dem grenzenlosen Reich der Bürokratie. Für alle im öffentlichen Dienst Beschäftigten: Deutschland ist noch harmlos! Lasst Euch die Anschuldigungen nicht länger gefallen! Zuständigkeiten und Mindestbestimmungen sind im Vergleich zu amerikanischen Verhältnissen noch goldig! Um genau zu sein, schwarzrotgold! 😉

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