Gabi, der Verzweiflung nahe

Wir sind guter Dinge hier, haben schon einen vorläufigen Alltag und es entwickelt sich alles positiv. Eigentlich. Denn Gabi ist am verzweifeln. Alles begann mit der fixen Idee von Tom, jetzt Gabi in die Schlacht zu schicken. Warum soll der hart arbeitende Mann einkaufen, bei Bank oder Versicherung anrufen oder nach dem Weg fragen, wenn die Hausfrau Gabi doch Englisch lernen will. Schließlich behauptet sie ja immer, sie komme gut alleine zurecht. Das hat sie nun davon.
An und für sich ist die Idee ja nicht schlecht. Also zieht Gabi nach ihrem Englischkurs los, um für unsere Dusch-Badewanne ein Wasserstopp-Dreieck zu kaufen. Also damit nicht bei jeder ausgiebigen Dusche das ganze Badezimmer unter Wasser steht, wird zwischen Wand und Badewanne ein Stück Plastik oder so befestigt, das (zusätzlich zum Duschvorhang) das Wasser IN der Badewanne halten soll.
Stellt Euch also vor: Ich gehe 2x die Woche in einen Englischkurs. Dort loben alle meine Aussprache, denn die klingt zumindest halbwegs so, wie es soll, und nicht nach russisch oder mandarin oder mexikanisch feurig. Beschwingt parke ich (nach nur 1x verfahren) vor dem „THE HOME DEPOT“, das ist quasi der amerikanische OBI. Ich erkläre einer Verkäuferin geduldig, was ich will. Natürlich weiß ich alle Vokabeln, hab mich ja vorbereitet. Die Verkäuferin blickt mich an, in den Augen blinkt „BAHNHOF“, aber sie hat vermutlich „bath tub“ verstanden. Sie verweist mich also an den „Plumper expert“ des Marktes. Dort angekommen, berät der gerade andere Einwanderer. Die kommen aus Osteuropa und deren Englisch ist schlechter – ich schöpfe Hoffnung, dieser Mann versteht seine Kunden, denn diese ziehen glücklich mit einem Teil ab, das ich noch nie in meinem Leben gesehen habe (die vermutlich auch nicht…). Nachdem ich ihm alles erklärt habe, schaut er mich zuvorkommend an und fragt: „Do you need it in the bath room.’?“ („Brauchen Sie das Teil im Badezimmer“?)? Grrrrr. Also versuch ich es mit anderen Worten. Das fällt schon schwerer, ich war ja froh, das Ganze überhaupt erklären zu können. Der Verkäufer fragt: „What kind of water controller is it…?“ („Was für ein Wasserregler ist es, zum Drehen ode Ziehen oder…“?)   Mein “It doesn’t matter” („Das spielt keine Rolle“) kommt schon etwas schnippisch daher. Dann mein Geistesblitz, ich male es ihm auf. Er kapiert es nicht. Naja, im Zeichnen war ich immer durchschnittlich 😉 Schließlich kapituliere ich, danke ihm und gehe. Im Geiste erkläre ich Tom schon, dass ich jämmerlich gescheitert bin und sehe sein belustigtes Gesicht vor mir. Da rennt der Experte hinter mir her. Er hat selber eine 3-D-Zeichnung angefertigt von einer Badewanne (er hat im Kunst- und Geometrieunterricht besser aufgepasst als ich). Der Verkäufer will die Zeichnung voranbringen und fragt: „Do you have one or two water controller? (Hat Ihre Badewanne einen oder zwei Wasserregler?) Ich, mühsam die Kontrolle über meine Stimme behaltend: Der Wasserregler ist ok, das Problem ist, dass das Wasser aus der Wanne rausläuft!!!. Plötzlich sagt er ok., ok., und zeichnet ein fast bis zur Decke gehendes Dreieck ein. Nachdem ich ihm erklärt habe, genau so, nur kleiner will ich es, führt er mich in einer Geschwindigkeit, die jede Schnecke hätte links blinken lassen, tatsächlich zu einem Regal und drückt mir zuerst das 4 Fuß große Teil in die Hand. NEEEIIIINNNN. Ich will es KLEINER! Nachdem ich dies halt nochmal erwähnt habe (Ihr könnt Euch jetzt sicher meine leicht genervte Stimme vorstellen), zeigt er mir endlich, wo der kleine Bruder davon hängt. Auf der Rückseite der Verpackung steht die Erläuterung in fast den gleichen Worten, wie ich sie dem Verkäufer erzählt habe!!! Falls Ihr jemals sowas kaufen müsst: Auf der Packung steht: „Splash guard kit“.
Ich hätte heute noch einen „VENT TAP“ für unsere großen Wasserkanister (hygienische Alternative zum Loch mit dem Messer, damit Luft in den Kanister kommt), sowie Gallseife und ein Imprägnierspray kaufen sollen. Doch entweder die Verkäufer wollen oder sie können mich tatsächlich nicht verstehen. Oder sie haben das Zeug nicht und wollen es mir nicht sagen. Auch bei „Bed, Bath and Beyond“ bin ich gescheitert. Nach der ganzen Erklärung für den VENT TAB führt mich der Verkäufer zu – leeren Plastikflaschen.
Die vor einer Stunde beschwingt und fröhlich am Park angekommene Gabi J. fährt nachdenklich und zwischen Frust und Galgenhumor schwankend nach Hause. Wird sie je so kommunizieren können, dass jeder Ami sie versteht?

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2 Antworten zu Gabi, der Verzweiflung nahe

  1. Anne schreibt:

    Liebste Gabi-Patin,

    das nächste Mal, wenn Du was kompliziertes kaufen willst, machst du das am besten, wenn du Besuch aus Deutschland hast –> wenn erst die Anne, dann ihre Mama und DANN du was zu erklären versuchst, wirkst du wie ein Englisch-Professor!
    PS: Es ist eigentlich kein Wunder, wenn wir armen Bayern mit unserem Schul-Englisch scheitern…… Carina lernt in der dritten Klasse z. B. so wichtige Grundlagen wie swimsuit, tie, wooly hat, blouse…….. und ihre Lehrerin schreibt dann ins Zeugnis „Kann sich manche Wörter nicht langfristig merken“….. warum wohl??? Weißt du ohne Wörterbuch was tie bedeutet??
    Aber tröste dich, in drei Jahren lachst du über deine ersten Misserfolge!

    LG
    Anne (und ihre Mom)

  2. Isi schreibt:

    Sei getröstet, auch mir (mit doch recht passablen Englischkentnissen) fiel es bei meinem ersten USA-Besuch 2007 in Louisiana auch schwer, die Leute zu verstehen. Genauer gesagt, habe ich so gut wie nix verstanden… Das kommt schon noch :-))

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