Ein Rückblick auf den Einzug unserer Möbel

Der Container war schon am ersten Februar in New York angekommen und dort erst mal 2 Wochen im Zoll festgehangen. Das ist nichts Ungewöhnliches, hat man uns erklärt. Doch dann hat es noch mal eine ganze weitere Woche gedauert, bis er in Chicago ankam. Angeblich irgendwelche Probleme mit dem Containerbahnhof. Doch dann stand der Liefertermin fest: Freitag. Tom nimmt also gleich mal PTO (Payed Time Off, die Analogie hier für Urlaub) und der Container kommt tatsächlich pünktlich kurz vor 9 Uhr. Inklusiv einem großen LKW.
Tom hatte schon früh am Morgen den Mietwagen und unser Auto etwas weiter die Straße hinauf gestellt und aus der Garage erst mit einer Gummilippe das Wasser entfernt und dann noch mit einem Besen nachgewischt. Das Wetter ist perfekt. Strahlend blauer Himmel und der wärmste Tag bis jetzt überhaupt. So lassen wir das Garagentor offen stehen und der Boden trocknet ab. Die Garage wird – so unser Plan – die Zwischenstation für die Packer sein, so dass diese nicht den ganzen Dreck mit ins Haus schleppen.
Zurück zum Container. Er wird gleich mal so gestellt, dass in unsere Einfahrt (die wir ja mit vier anderen Häusern teilen) keiner mehr rein- oder rauskommt. Und der LKW wird nach Öffnen des Containers rückwärts gegen den Container gefahren. Nun nur noch die Seitentüren des LKW öffnen und eine Rampe aufbauen, schon können die Umzugsleute die Kisten aus dem Container über die Rampe direkt vor die Garage befördern. Das klappt so schnell, dass Tom (der alle Pakete auf einer Liste abhaken und dann die Packer in die entsprechenden Räume des Hauses dirigieren muss) manchmal gar nicht mehr nachkommt. Die meisten Verpackungsmaterialien werden gleich in der Garage entfernt. Unser Plan geht auf und die ausgelegten Folien der Umzugsleute tun ihr übriges und schon High noon ist alles im Haus.
Toms Vorschlag, erst einmal die Möbel ins Haus zu tragen und diese dort erst aufzubauen wird gleich von Anfang an ignoriert. Dadurch kann Gabi schon mal anfangen auszupacken. Schon beim ersten Karton wird ihr die Fantasie der Einpacker offenbar: Unter „Küchengeräte“ tauchen zu allererst ein Dutzend Federballrollen auf. Zwar gut zu wissen, dass diese dank Stephan heil in der USA gelandet sind – aber in der Küche zwischen Pfannen und Messbecher ist halt kein Platz…. Doch nach und nach entwickelt sich zum Rhythmus der einrollenden Gegenstände langsam eine Gegenbewegung mit leeren Kartons und Verpackungsmaterial (jeder Gegenstand ist in mindestens 3 Lagen Packpapier eingewickelt).
Die Zimmer stehen also ziemlich voll und in den Räumen hängen jeweils Pläne die wir vorbereitet haben, wo welche Möbel aufgebaut werden sollen. Und damit endet dann auch die „Unsere Möbelpacker sind super“-Strähne, denn im Aufbauen geht es zäh voran.
Wir erinnern uns: Die Räume stehen voll, also wie sollen die Sachen an die richtigen Plätze, wenn diese voll stehen? Sokoban-Know How ist gefragt. Mehr schlecht als recht kriegen alle vier Möbelpacker langsam die Gegenstände im Arbeitszimmer an die richtige Stelle. Doch das ist natürlich zu einfach. Tom hat schon beim Auspacken der Schreibtische in der Garage darauf hingewiesen, dass die Füße noch gedreht werden müssen (also die kurzen wieder nach innen und die langen nach außen – Armin weiß davon vom letzten Umzug sicherlich noch ein Lied zu singen). Toms Vorschlag, das gleich in der Garage (wo Platz ist) zu machen, wurde erst mal abgelehnt, nur um jetzt festzustellen: Eigentlich ist im Arbeitszimmer nicht genug Platz um das jetzt zu machen. Wir lassen die Vier mal kämpfen (alle vier in einem Raum unter einem Tisch, lebhaft diskutierend, göttliches Bild,) und Tom beschließt, dass bei dieser Geschwindigkeit wir heute noch Aufbauen werden, wenn es schon dunkel wird. Konsequenz: Er greift selbst ins Gesehen ein und fängt an, den Glas-Esstisch und die Wohnzimmerschrankwand aufzubauen. Nachdem es ihm irgendwann zu schwer wird alles gleichzeitig zu halten, nivelieren und festzuschrauben, holt er sich den mexikanischen Gehilfen des Umzugsteams, der meist im Arbeitszimmer eh nicht mitarbeiten darf und spannt ihn ein. So bauen wir den Glasstisch zusammen, und die Hälfte der Schrankwand, als die Kollegen oben verkünden, sie hätten jetzt die Füße getauscht und würden Mittag machen. So stellt Tom alleine die restliche Schrankwand auf und hilft Gabi beim Auspacken. Als das Umzugsteam zurückkommt steht das Wohnzimmer komplett und die vier Anwärter auf das Pfadfinderabzeichen für Möbelaufbauer stellen das Arbeitszimmer fertig auf um sich dann am Schlafzimmer zu versuchen. Tom kommt dazu als vier ratlose Gesichter gerade die Verstrebungen des Bettes versuchen in die Halterung zu betteln. Das Wort „Unten“ ist auf allen Brettern deutlich von oben lesbar. Für Amis natürlich kein wertvoller Hinweis inne zu halten und über den Grund nachzudenken, warum die Schnappverschlüsse sich weigern zu schnappen. So übernimmt auch Tom hier das Kommando und in kürzester Zeit steht auch das Bett.
Während Tom also die Gehilfen des Chaos anlernt, hat Gabi schon fast alle Kleiderkisten ausgepackt und in den Einbauschränken verstaut. Das geht teilweise in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, denn alles, was in Nürnberg im Schrank hing, wurde in speziellen Kartons, direkt am Bügel hängend, transportiert, so dass diese Kleider wenig bis gar nicht verknittern gleich wieder in den Schrank wandern können. Nur die Hemden brauchen das pflegende Streicheln eines Bügeleisens, geführt von einer liebevollen weiblichen Hand. (Gabi: Wo kriegen wir die bloß her?) So bleiben uns, als das Umzugsteam uns gegen 15:30 Uhr verlässt, weniger als ein Dutzend Kartons zurück. Und auch diese schaffen wir fast noch am gleichen Tag auszupacken. Während ich das jetzt zwei Wochen später schreibe, warten die restlichen Kartonagen noch auf ihre Abholung, was Anfang der kommenden Woche passieren soll – derzeit blockieren sie das WC im Erdgeschoss, was zwar etwas störend ist, aber ansonsten einen guten Stauraum abgibt.
Nichts ist kaputt – so können wir den Umzug als gelungen und abgeschlossen ad acta legen. Heute, also zwei Wochen nach dem Umzug, hat fast alles seinen Platz gefunden und das Häuschen wirkt wohnlich und gemütlich.

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Eine Antwort zu Ein Rückblick auf den Einzug unserer Möbel

  1. Armin H schreibt:

    Sehr schöne Schilderung, sogar mit Happy End! 🙂 Jaja, an die Tischbeine kann ich mich gut erinnern…

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