„Häng doch mal den Spiegel auf“

Ich will es ja gar nicht zugeben, aber wir waren in der Ikea einkaufen… für mich – Tom – früher undenkbar. Doch hier stellt sich die Ikea als günstige Alternative zu den vielen überteuerten und vor allem für den amerikanischen Geschmack ausgestatteten Möbelläden dar (soll heißen, diese bieten vor allem biedere, rüschige oder pomadig anmutende Gegenstände und die, die uns dann gefallen, zeichnen sich durch einen fast ebenso starken Sogeffekt auf ein Konto aus, wie ein schwarzes Loch). So haben wir also einiges in der Ikea gekauft, inkl. Lampen, einen Esstisch für die Küche und ein stabiles Kästchen für den Fernseher. Doch die Geschichte, von der ich berichten möchte, dreht sich eigentlich um den Spiegel, den Gabi neben dem Eingang (NICHT über dem Bett, wie Alex heute am Telefon vermutet hat) hängen haben möchte. Um das folgende Drama in mehreren Akten völlig zu verstehen, muss man wissen, dass die amerikanischen Häuser alle über Trockenbauwände verfügen, d.h. ca. 10 cm „Nichts“ eingeschlossen von zwei Rigipsplatten (die an spärlich gesetzten Holzbalken befestigt werden). Wer glaubt, hier hält ein normaler Dübel, der kann das gerne mal ausprobieren. Hierfür gibt es spezielle Hohlraumdübel. Wir haben welche sowohl für „Heavy Duty“ (Dank Toms Kollegen Jim) als auch für „Medium-Duty“.
Doch all das wollen wir am Beispiel des Spiegels erklären. Also: Gabi will ihn in einer gewissen Höhe angebracht haben. Tom zeichnet die entsprechenden Stellen an und entscheidet sich für Medium Duty. Das sind kleine metallene Wunderwerke der Technik, die man erst mit eimen Hammer in die Wand hämmert, dann durch eine Schraube den Dübel von hinten gegen die Rigipsplatten spreizt und dann die Schraube auch noch gleich zum Befestigen des Gegenstandes nutzen kann. Also los geht’s: Linkes Loch: Hämmer hämmer, der Dübel gleitet durch das geschaffene Loch, bis er klingelnd gegen ein Metallblech stößt. Wir haben übersehen, dass von der Rückseite (dort ist das Gäste-WC) schon ein metallenes Einbauschränkchen den meisten Raum der Trockenbauwand einnimmt. Mist.
Tom überredet Gabi, dass wir den Spiegel höher hängen müssen, damit wir über diesen Kasten kommen. Also: rechtes Loch. Hämmer, hämmer – steckenbleib. Wir haben einen der wenigen Balken erwischt. Tom entfernt also den Hohlraumdübel und schraubt stattdessen eine normale Schraube in das Loch. Problem gelöst. Nächstes Loch. Links: Hämmer hämmer, der Hohlraumdübel gleitet in die Wand. Tom zieht die Schraube an, um ihn zu verspreizen und plötzlich fällt der Hohlraumdübel mit der Wand um ihn herum nach innen. Argl. Toms Schrei vertreibt auch die letzte Küchenschabe aus der Siedlung. Fluchend und nachdem Gabi beruhigend auf ihn Einfluss nimmt, entscheidet er sich: Da hält nur noch ein Heavy-Duty Dübel. Dieser ist ein Stück Metall mit einem Gewinde, das man durch das Loch an zwei befestigten „Kabelbindern“ schiebt, dann querstellt und von vorne ein Plastikteil dagegen drückt. Gesagt getan, nur dass die Plastikteile leider viel zu früh abbrechen, so dass Tom mit Kombizange und zusammengepressten Lippen versucht den Dübel fest zu bekommen. Er schraubt die Schraube hinein, sieht doch alles wunderbar aus – bis wir versuchen, den Spiegel aufzuhängen. Dabei stellen wir fest, dass die Löcher, in denen die Schraubenköpfe verschwinden sollen, viel zu klein für Heavy-Duty sind. Sogar zu klein für die andere Schraube im rechten Loch, die nicht wirklich durch ihre Größe besticht. Wahnsinn. *Spiegel gegen die Wand werf*. *Darauf laut schimpfend herumtrampel*. *Sich eine Flinte suchen, die man ins Korn werfen kann* Schließlich drückt Tom Gabi eine Metallfeile in die Hand und wünscht ihr dabei viel Glück, die Löcher größer zu bekommen. Er hat heute keine Nerven mehr.
Am nächsten Tag (Gabi hat natürlich lieber „Up“ = „Oben“ und „Sweet Home Alabama“ gekuckt als zu feilen) wagt sich Tom doch noch einmal heran. Die Schrauben für die Medium-Duty-Dübel sind klein genug – davon hat er sich überzeugt! Und die Löcher (jetzt noch höher) werden vorgebohrt. Die Dübel werden mit so viel Gefühl verspannt, dass Toms Zärtlichkeit für die nächsten 2 Wochen dadurch aufgebraucht wird – und wir haben damit Erfolg. Die Dübel halten und der Spiegel auch (noch).
Also Tipp: Wenn ihr uns besucht: Fragt besser nicht, warum dieser Spiegel für 2.50m-Riesen angebracht wurde – ihr werdet sonst …

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