24.03.2011: Menschwerdung der Gabi

Am 11. Februar war ich, unterstützt von Andrea, unserer Relocationlady, im Social Security Office, um meine Sozialversicherungsnummer (SSN) zu beantragen. Ohne die geht in Amerika gar nix. Du kannst keinen Strom beantragen, kein Kabelfernsehen bestellen und eben auch keinen Führerschein machen. Nach einer langen Stunde Wartezeit, währenddessen ich von den Sicherheitsleuten mit Pistole im Holster darauf aufmerksam gemacht wurde, dass Trinken hier verboten sei, erfahre ich: Die amerikanischen Behörden halten nicht viel von der beglaubigten Übersetzung unserer Heiratsurkunde durch eine deutsche Übersetzerin. OK. Und es ist ja auch so kompliziert, was auf einer Heiratsurkunde steht. Die beiden Betroffenen, Ort, Datum, Konfession, …, ja, da kann man schon unglaublich viele Fehler machen…. Doch, welch Glück, sie haben „deutschsprachige“ Mitarbeiter, die das komplizierte Dokument übersetzen können und so wird es nicht lange dauern, bis ich meine SSN kriege. Ca. 4-8 Wochen.. Begeistert geh ich nach Hause. Dachte ich doch, ich krieg vielleicht gar keine SSN und muss mich mit einem „offiziellen Ablehnungsdokument“ durch den amerikanischen Alltag schlagen (ja, so was gibt es WIRKLICH).
So heißt es jetzt für mich nur noch Warten. Und warten. Da ich nur 3 Monate ohne amerikanischen Führerschein hier Autofahren darf, bin ich schon langsam nervös geworden. Habe Anfang der Woche bei Social Security Office angerufen, um nachzufragen ob es ein Problem gibt. Ich liebe Gespräche mit amerikanischen Behörden. Nachdem die Dame meine Kontaktnummer schon gar nicht im System gefunden hat, fragt sie mich mal wieder aus. Name, Geburtsdatum, Ort, Nationalität, Visum, letzter Stuhlgang…). Ich fühle mich schon nackt und sie fragt immer noch mit einer zweifelnden Stimme nach, so als ob ich nicht existent wäre oder ich gerade versuche, Datenklau zu betreiben. Doch, plötzlich: „The number was send on the 17th this month via mail.”. (Ihre SSN wurde per Post am 17. März versandt). Ich, panisch: Aber sie ist noch nicht da, was soll ich tun wenn sie nicht mehr ankommt? Sie: Melden sie sich bei uns, aber erst nach 2 Wochen!. Ein letztes Grußwort, aufgelegt hat sie. Hm, nachdem ich (in Behördendingen ja nicht ganz unerfahren) darüber nachdachte, wie lange wohl ein städtischer Brief dauert, ehe er überhaupt in einem Postamt (bzw., jetzt ja beim günstigen Postzustelldienst der zu haben ist) landet, beruhige ich mich. Und tatsächlich, am Donnerstag, genau eine Woche nach Erstellung, ist sie in meinem Briefkasten. Die Nummer, die Türen öffnet und mir Hoffnung auf Menschwerdung gibt.

Glücklich rufe ich Tom an, der ja schließlich auch mit mir mitgefiebert hat. Er beschließt spontan, eine Pause zu brauchen und schlägt mir einen Besuch im Secretary of State vor. Schnell packe ich ein, was ich noch für den Führerschein brauche: Eine Bestätigung des Konsulats (schon vor Wochen besorgt), meinen deutschen Pass, den deutschen Führerschein und den Mietvertrag als eine Bestätigung über meinen Wohnsitz. Hier sind wir am Zweifeln, ob der Vertrag, den wir nur in Kopie haben, ausreicht. Normalerweise muss man eine Utility-Bill, also z. B. eine Stromrechnung, vorlegen (dass Du ohne SSN ja gar keinen Strom beziehen kannst – darüber haben sie sich vermutlich noch keine Gedanken gemacht?!?) Doch Strom, Gas usw., das läuft alles auf Tom. Deshalb wird mein Schatz mit eingeladen, wir haben davon gehört, dass im Notfall auch eine Unterschrift eines Führerscheinbesitzers reicht, die bestätigt, dass ich bei ihm wohne und die bin, die ich vorgebe. Also geht sie ab, die kostbare Fracht Richtung Deerfield.
Dort ist auch gar nichts los und ich darf gleich den schwierigen Augentest machen. Völlig überrumpelt und aufgeregt fällt mir die amerikanische Aussprache des „Z“ nicht mehr ein. Tom muss für mich übersetzen 😉 Die Beamtin drückt verzweifelt auf Ihre Blitzknöpfe, um mein peripheres Sehen zu testen. Ich sehe nix, denn meine Haare hängen wie ein Vorhang seitlich ins Gesicht. Nachdem ihr das aufgefallen ist und die Haare hinterm Ohr klemmen, sehe ich mehr Blitze als mir lieb ist und auch, nachdem sie schon damit fertig ist auf die Knöpfe zu drücken – doch selbst das lässt die (scheinbar Schlimmeres gewöhnte) Dame kalt. Sie füllt das Formular aus, schickt mich zum Zahlen – und es sind bereits fast alle Hürden gefallen, die zwischen mir und dem Führerschein stehen. Praktischerweise wird gleich vor Ort das Bild dafür gemacht, und ich kann kaum meine Jacke ausziehen, schon geht es los. Ich bin so überrascht davon, dass ich auf den grünen Smiley gucken soll während fotografiert wird – glatt grinse ich verschmitzt und es ist ein richtig gutes Bild geworden. Den Führerschein in Scheckkartenformat und aus Plastik, kann man sich nach 3 Minuten gleich mitnehmen. Endlich kann Tom mich nicht mehr mit Füßen treten, weil ich ein Niemand bin! Endlich kann ich in Nachtclubs und Tabledance-Bars gehen (sollte ich da mal reinwollen)! Endlich einem Verein beitreten! Ich bin eine vollwertige Bürgerin der amerikanischen Gesellschaft! (Tom: Naja, „vollwertiger“, denn immerhin fehlt ja noch die Arbeitserlaubnis :-)) Yippieh!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Behörden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s