Samstag, 07.05.2011: Nightlife in Chicago, Vol. 2 oder: äthiopische Karaoke-Krächzer

Bea, die Toporganisatorin in Toms Arbeit, hat wieder zugeschlagen: Das 1. Ziel des Abends ist ein äthopisches Restaurant im nördlichen Chicago. Fahrzeit von uns aus ca. 1 Stunde – also gleich um die Ecke, zumindest für amerikanische Verhältnisse. Deutsche überlegen sich schon 2x, ob sie nicht irgend was anderes auf dem Weg dorthin mit einplanen können.

Also checken wir alle Sehenswürdigkeiten am Lake Michigan und entscheiden, wir wollen einige Stunden eher los. Gut, dank Gabis Fähigkeit rechtzeitig fertig zu werden, haben wir dann nur noch knapp 2 Stunden, aber die nutzen wir. Wir fahren die Scenic Sheridon Road entlang, die einen Block parallel zum See verläuft. Diese Straße könnte einen phantastischen Blick auf den Lake Michigan freigeben – wenn nicht Herrenhäuser, Schlösser und ähnliche Kleinimmobilien fett in der Gegend rumstehen und die besten Aussichtspunkte verdecken würden. Doch auch die kleinen Hütten sind sehr interessant! Schließlich erreichen wir einen Parkplatz für den ordinären Pöpel und erhaschen den Blick auf die tosende See – es ist heute mal wieder mächtig windig. Im Sommer ist es aber bestimmt toll, unter uns liegt ein kleiner Sandstrand und neben uns ein Park. Falls es hier tatsächlich mal warm werden sollte, kehren wir zurück….

Unser nächstes Ziel ist der Baha’i Temple:

Die Baha’is sind eine religiöse Gemeinschaft, die quasi alle Weltreligionen vereinigt, indem sie das Motto „Gott ist Gott, egal ob er jetzt Allah, Gott, Jesse oder Buddha“ genannt wird, und Jesus, Abraham oder Mohammed sind alle Propheten dieses einen Gottes. Ansonsten haben sie sehr humanitäre Grundsätze (Tom: „Das interessiert doch keine S…“. Gabi: „Mich schon – außerdem muss man doch etwas Hintergrundwissen vermitteln“). Jedenfalls haben sie auf jedem Kontinent mindestens einen Prachttempel errichtet. Der von Nordamerika steht praktischerweise in Evanston nur 30 Minuten von uns entfernt und ist ein Publikumsmagnet. Ein luftiger, lichtdurchfluteter, beeindruckender Kuppelbau steht allen offen, die darin Ruhe oder Inspiration suchen. Das in Amerika übliche Visitor Center (Besucherzentrum) erklärt die 30jährige Bauzeit des Tempels und die dahinter steckende Philosp… MIST, schon SO spät, da müssen wir aber schnellstens weiter zum Äthopier! 😉

Da wir dieses Mal eine 15köpfige Truppe stellen, bestellen wir kunterbunte Gerichte, die in rießigen, mit Pfannkuchen ausgelegten Tellern mitten auf den Tischen landen. Wir erhalten kein Besteck, statt dessen weitere Sauerteigpfannkuchen, die in kleinere Stücke gerissen werden und die dann zum Aufschaufeln des Essens dienen. Dass irgendwie keiner sich vorher die Hände wäscht verschweigen wir mal lieber.


Wir probieren super gewürztes Lamm und Hähnchen (das mit Knochen in großen Stücken serviert wird, aber so zart ist, dass es zerfällt), Fisch, Linsen, Ziegenkäse und verschiedene Gemüsesorten alles mit einem leicht marokkanischen Touch, aber doch eben leicht anders – yummi! Und wie in Toms Kollegenkreisen üblich, gibt’s gleich zum Essen Cocktails – Gabi hat diese Angewohnheit bereits adaptiert 😉

Um den Abend abzurunden, geht es weiter zu einer Karaokebar, unter anderem auf Wunsch von Gabi, die noch nie eine solche von innen gesehen hat, aber darauf brennt. Nachdem Tom Ihr verraten hatte, dass es zum Karaokieren geht, hat sie erst mal einen 3minütigen Tanz im Schlafzimmer aufgeführt (Gabi: ICH kann mich an kleinen Dingen des Lebens erfreuen“!) Doch die ersten Sänger die wir mitkriegen, kann man absolut nicht mehr als Gelegenheitssinger bezeichnen. Sie machen ihre Sache so dermaßen gut, dass Gabi auf Ihrem Barhocker immer kleiner wird. Erst ein weiteres Bier und ein ausgegebener Tequila von Steve (wie trinkt man den jetzt eigentlich. Salz lecken, Zitrone beißen, Schnaps trinken oder anders herum?) lockern Gabi soweit, dass sie Steve ihre Anmeldung in die Hände drückt. Auch die überall angebrachten Monitore zeigen immer wieder eine Laufschrift: Drinking makes Karaoke better for everone. (Also: Trinken macht Karaoke besser für jeden“). Wer das geschrieben hat, hatte wohl auch schon einen sitzen… Nach einer weiteren Stunde, in der streckenweise die Qualität des Gesangs auf das Niveau von heulenden Hunden (die auch noch ihren Text vergessen haben) fällt und Tom schon um seinen Mageninhalt fürchtet, sehen wir auf dem Monitor, dass Gabi jetzt: „Enjoy the Silence“ singen wird. Mein Gott grummelt das in der Magengrube!!! Schaut Euch dazu einfach das Video auf Youtube an – oh wartet, Gabi hat ja strickt verboten zu filmen. Und nach dem wirklich super gelungenen Auftritt bereut sie das fast schon. Es ist aber auch hervorzuheben, dass die Menge, besonders die Clique um Toms Kollegen, voll abgegangen sind und getanzt und geklatscht haben, was das Zeug hält. Das war super schön! Auch Steve traut sich auf die Bühne – mangelnde Gesangsfähigkeiten werden vielfach durch Enthusiasmus, Spaß und Gabis Tanz wettgemacht. That was fun! Toms Tipp an Steve für’s nächste Mal: Bevor er Gabi als Gesangsunterstützung einplant, sollte er sicher sein, dass sie das Lied überhaupt kennt…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Chicago, Essen, Feiern/Feste/Events veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s