Freitag, 13.05.2011: Der Start in ein verlängertes Wochenende in Michigan

Es ist Tulpenzeit in Holland. Holland, Michigan. Ein von niederländischen Einwanderern gegründetes Nest nahe dem östlichen Ufer des Lake Michigan. Und was machen Exniederländer in einem amerikanischen Bundesland, das in großen Teilen vom Tourismus lebt? Klar. Eine Geschichte daraus. Dieses Jahr ist das 57. Tulpenfest (Tulip Time Festival) und wir sind zumindest am Abschlusswochenende mit dabei. Eigentlich wollten wir schon eine Woche vorher fahren, doch ein Workshop von Tom (der dann kurz vorher verschoben wurde) hatte uns auf dieses Wochenende umplanen lassen. Denn wir wollen schon Freitag früh los. Es ist also Freitag früh. Die Sonne scheint und Toms erstes T-Shirt kann man nach dem Einladen unserer Sachen in unser Auto schon auswringen. Es verspricht tolles Wetter zu werden – zumindest wenn man das aktuelle Wetter als Grundlage der Prognose nimmt. (Gabi: „Tom, kürzer fassen! Wir sind noch nicht mal losgefahren und Du hast schon eine halbe Seite voll“. Tom: „Schau Dir mal Deine Artikel an und kehre vor der eigenen Blogtür.“)
Wo waren wir. Ach ja. Die Fahrt. Überspringen wir jetzt einfach mal, denn ich spüre Gabis „Fass dich kürzer Atem“ schon wieder im Nacken. Wir kommen also in Indiana bei den Indiana Sand Dunes an, einem National Seashore/State Park am Südzipfel des Lake Michigan. Ein Chaos an Autobahnen liegt hinter uns. Nach einem Besuch im Visitor Center sind wir um ein bisschen Informationsmaterial reicher: „Gabi: Brauchen wir wirklich das ganze Zeug?“ (müsst ihr Euch etwas undeutlich gesprochen vorstellen, nachdem sie dabei unsere kalte Pizza (Portion 4) mampft – die finalen Überreste unserer Familienpizza (Ein Abendessen für 2 Personen, + ein Mittagessen für Tom + ein Frühstück für Tom + ein kleines Mittagessen für Gabi und Tom)
Wir entscheiden uns schweren Herzens für eine der vielen Wanderungen. Das Wetter ist super und angenehm warm. Deshalb startet Tom auch in kurzer Hose und T-Shirt. Es geht los von einem Parkplatz auf dem 3 Schulbusse an Kiddies lärmen in die wunderbare Ruhe eines Wäldchens. Vögel und Blumen überall. Kaum sind die Kiddies verstummt und Toms Seele will aufatmen fängt Gabi schon wieder „Enjoy the Silence“ zu singen (eine Ironie in sich selbst). Doch auch sie verstummt irgendwann, als sie merkt, dass selbst die Wildblumen reißaus nehmen. Und sie wird belohnt. Vögel hier. Vögel da und was ist das? Ein Kolibri. Ihr erster. Klein, schnell und ziemlich weit weg. Doch immerhin: Das erste Mal vergisst man nicht…
Der Weg geht an einer Feuchtmarsch entlang und dann durch diese hindurch – auf Holzdielen. Das Schild „Trail closed due to high water“ können wir leider nicht lesen und finden uns kurze Zeit später in einem Jump-and-Run-Spiel wieder, wo wir über schwankende Holzbohlen balancieren, schwankende und halb versinkende Holzplatten hinter uns lassen und so schnell die gefährliche Stelle wohlbehalten überqueren. Toll hier. Das Wasser ist schwarz. Nicht dunkel. Schwarz, wie man es nur in einem Moor finden kann. Wildblumen zwingen uns in die Knie (immerhin wollen wir sie ja aus der absoluten Nähe fotografieren) und so kommen wir 3 Stunden später wieder in der Nähe unseres Autos an. Wir könnten jetzt viel über das schreiben, was mit dem Wetter währenddessen passiert ist, doch lassen wir einfach die Worte der Dame, die aus dem Wagen neben unserem aussteigt und uns entgeistert anblickt für sich sprechen: „WHEN have YOU started? Obviously before the weather changes“ (also: „WANN seid IHR denn losgegangen, offensichtlich vor dem Wetterwechsel“) . Es ist a…. kalt und nass geworden. Der Waldboden und jede Wasserfläche dampft wie eine heiße Quelle, denn die Lufttemperatur ist so ca. um 20°F gefallen. Was macht man, wenn einem das Leben kalte Zitronen gibt? Bilder davon!


Wir fahren weiter (jetzt dick eingemummelt) zu einem tollen Bereich am Strand und besuchen diesen. Menschenleer. Kein Wunder. Bei dem Wind und Wetter! Gabi schafft es endlich, dass Tom zu gibt, dass der Lake aussieht wie das offene Meer. Dies reduziert unsere Verweildauer beim Sonnenbaden doch drastisch und wir fahren zu Mt. Baldy. Die höchste Düne Indianas. 123 Fuß – in Metern noch viel mickriger – schiebt sie sich Jahr für Jahr von der Küste weg und begräbt auf ihrem Weg ganze Bäume unter sich. Cool. Wir wollen sie aber besteigen und nehmen den „Strenuous Climb to Summit“ (1/8 Meile lang = ca. 200 Meter) auf uns.

Leider verpassen wir irgendwie den Aufstieg und sind plötzlich schon oben. So können wir eigentlich nur die Aussicht genießen und in Siebenmeilenstiefeln die Düne zum Wasser hinunter laufen (zumindest die unter uns, die keine Angst haben in den Sand zu fallen). Hier stürmt es. Und es fängt an zu regnen, so dass wir uns schnellstmöglich wieder zum Auto aufmachen – doch schee woars. Toms Beine sind ob der schnellen Wanderung offensichtlich schwer geworden. Am Auto stellt sich diese Vermutung als falsch heraus und entpuppt sich als 3 kg Sand pro Schuh. Ein Tipp an den Rest der Menschheit: Grobmaschige Schuhe eignen sich nicht für eine Sandwanderung. 😉

Gabi diktiert weiter: „Wir fahren direkt zu unserem Bed and Breakfast“. Die Realität ist ein waghalsiges Wendemanöver von Tom nachdem Gabi aus dem Augenwinkel eine Outlet-Shoppingmall entdeckt hat. Wir sind dort erst einmal beschäftigt (Gabi kriegt nur n paar Socken, Tom dagegen neben mehr Socken auch Gürtel, kurze Hose und Badeschlappen. Da sieht man mal…) Als wir wieder zum Auto wollen, geht gerade die Welt unter. (Gabi: „…der Punk ab“). Es schüttet und die Straßen dampfen, so dass man kaum noch etwas sehen kann. Später auf der weiteren Fahrt kommt noch Starkregen und ein Gewitter dazu, bei dem der Donner es nicht für nötig hält bis auf „Drei“ zu warten.

Das B&B liegt in Fennville und ist sehr schnuckelig. Eine riesige Veranda und Räume, die den Charme der Vergangenheit bewahrt haben. Kostenlose Cookies, Getränke, Zeitschriften, Zeitungen, Spiele, sogar DVDs, … und wir haben einen Gaskamin auf dem Zimmer. So was gehört sich wohl auch für den Titelträger des besten B&B der Lake-Region und Top 10 der besten B&B weltweit. Die ROMANTIK ist hier nicht klein geschrieben, und so sind überall Häkeldeckchen, -tapeten und –vorhänge, Milchglaslämpchen mit Rosendekor und Stuckspiegelchen zu bewundern. Für ein Wochenende wunderbar, auf die Dauer würde das Ambiente samt etwas aufdringlicher klassisch-natur-rausch-zwitschernder Hintergrundmusik wohl eine Grundübelkeit zumindest bei Gabi erzeugen 😉 Auch vermisst Tom etwas die Herzlichkeit des Innkeepers. Dieser ist freundlich, aber wir haben eben schon die totale Aufmerksamkeit erlebt und unsere Ansprüche sind anscheinend nicht mehr so leicht zu erfüllen…

Wir ziehen uns nur kurz um, und folgen dann der Empfehlung des Innkeepers um in einem Restaurant im Ort zu Essen:. „Salt of the Earth„. Rustika-modern, schummrig dunkel mit einem sehr netten Ambiente und einem unglaublich leckeren Essen. Am genialsten waren wohl Toms „Outrageous Chicken Wings“. Ihr werden jetzt fragen, was an ein paar Hühnerflügeln wohl so toll sein soll. Wir uns auch, bis wir das Gericht gesehen und probiert haben. Stellt Euch Hühnerflügel vor, deren Fleisch im Mund zergeht, doch außen knusprig mit leicht karamelisiertem Honig. Dazwischen liegen Scheiben von Jalapeno-Schoten, die schon eine Grundschärfe geben. Doch der Knüller ist eine große Kugel Chili-Eis in knalligem Pink, das auf den Wings serviert wird. Das Eis entfaltet ganz langsam eine phantastische (Gabi: fiese) Schärfe, doch die Kombination mit den Wings ist einfach zum Hineinlegen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Indiana, Michigan veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s