Samstag: 14.05.2011: Tulpen in Holland

Das Frühstück besteht aus vielen selbstgemachten Süßspeisen, Eiern, Frühstückspizza und –würstchen. Tom ist etwas enttäuscht, keine einzige herzhafte Speise die ihn anlacht. Gabi schmeckts (wen wunderts…) Die Blaubeermuffins, Geschmorte Zimtäpfel, old-style Blaubeer-Pancakes (eher ein Auflauf) sind wirklich sehr lecker. Obst rundet die Mahlzeit ab, der Kaffee ist gut – was will Frau mehr (außer einem lächelnden Ehegatten gegenüber sitzen)? Doch Gabi ist ja darin geübt Tom aufzumuntern und auch diesmal entlockt sie ihm wieder ein Lächeln. Ist das Wetter auch mistig, wir machen das Beste draus. Von Wolken lassen WIR uns doch nicht unterkriegen…

So fahren wir nach dem Frühstück dann pünktlich zu den ersten Regentropfen Richtung Holland los. 😉 Heute um 14 Uhr ist die große Abschlussparade des Tulpenfestivals und wir wollen uns vorher noch den Ort, die Tulpen, den Windmühlenpark usw. anschauen. Als wir in Holland dann mal einen Parkplatz gefunden haben ist die Stimmung nicht mehr allzu gut. Es regnet nicht, es schüttet. So stark, dass wir eigentlich schon nass sind, bevor wir überhaupt die ersten Tulpen zu Gesicht bekommen haben.

Wir wandern durch die Stadt, die einen sehr aufgeräumten und netten Eindruck macht. In den Vorgärten grünt und blüht es, alles ist sauber und herausgeputzt. Wenn es trocken wäre, würde Tom aus dem Fotografieren nicht mehr rauskommen. Überall laufen Leute in niederländischer Tracht mit Holzschuhen herum – zumindest die, die nicht in kurzen Hosen und Badeschlappen unterwegs sind. Wir zweifeln wirklich am Verstand oder zumindest am Temperaturempfinden so mancher Amis, doch stellen dann später fest, dass diese nur die Hoffnung trockne Hosen und Füße zu bewahren, einfach bereits am Anfang aufgegeben haben und wir letztlich die gelackmeierten sind, die in nassen Hosen und Schuhen durch die Gegend stapfen.

Doch mal was Positives. So viele Arten an Tulpen haben wir noch nie gesehen. Da gibt es viele, die (vermutlich auch aufgrund des Regens) schon bessere Zeiten gesehen haben, doch das Gros sind wirklich noch wunderbar anzuschauen. Weiße, rote, violette, schwarze, bunte, gesprenkelte– hier findet man alle Arten und regelrechte Tulpenmeere während wir die 2 km zum Windmühlenpark stapfen. Dieser kostet Eintritt, wofür wir dann auf einem Anhänger („a great day for a visit“) den weiteren Kilometer zum eigentlichen Park gefahren werden. Hinsetzen könnnen wir uns natürlich nicht, denn der Anhänger ist offen und es regnet immer noch. Der Park hat in seiner Mitte eine Windmühle. Damit ist dann wohl auch schon fast alles darüber gesagt.

Erinnerungen an Kap Arkona auf Rügen werden wach, wo „Gesehen, abgehakt“ wohl auch die beste neutrale Beschreibung des Ganzen ist. In beiden Fällen ist danach klar, warum die Stelle, wo man abkassiert wird, noch keinen Überblick über das gibt, was einen erwartet… sonst würden wohl die meisten Besucher umdrehen… (Gabi: Naja, die Tulpen waren schon ganz schön)

Doch uns hat es geholfen, die Zeit bis zur Parade zu überbrücken – und es hat sogar aufgehört zu regnen. Die restliche Stunde verbringen wir damit Holzschuhtanzgruppen (der lokalen Highschools), Marching Bands (der lokalen Highschools) und die wachsende Menschenmasse zu bewundern, die sich hier an der Strecke versammelt. Es liegt eine aufgeweckte Vorfreude in der Luft, die richtig ansteckend ist. Extrem viele Kinder und Jugendliche haben hier mit Campingstühlen schon ihre Claims abgesteckt.

Was amerikanischen Paraden fehlt sind eindeutig die Süßigkeiten, die in Deutschland bei solchen Paraden verteilt werden. So springt der Funke bei manchen Wagen einfach nicht über, die dann in völliger Stille und Starre an einem vorbei rollen und für irgendwelche Banken, Senatoren oder Versicherungen werben wollen. So ist das wohl eher Antiwerbung. Doch viele der, in den 80 Minuten (!!!) vorbeiziehenden Wagen, Gruppen sind wirklich super. Highschoolbands, Middle School Bands; Tanz- und Gymnastikgruppen; Prinzessinnen, die hier in USA zu fast jedem Anlass gekürt werden (meist nebst 2. und 3. dieser Wahlen), Oldtimer, Militärgruppen (bei denen immer alle Amis sofort aufspringen und frenetisch applaudieren) sowie zwei riesige an Leinen geführte Ballons (einer in der Form eines Drachen, einer in Form einer riesigen Tulpe) – diese gilt es zwischen den Bäumen, Häusern und unter den gespannten Verkehrsampeln zu manövrieren und dazwischen immer wieder zu ihrer vollen Größe aufsteigen zu lassen. Gabi jagt Tom immer wieder los. Ein Foto hiervon, ein Video davon… bis letztlich die kleine Kamera voll ist – und die Parade immer noch nicht vorbei.

Die Höhepunkte sind aber immer wieder die Marchingbands der Highschools, die in Reih und Glied, mit schmucken Uniformen, mit regelrechter Körperspannung, Haltung und Marschfähigkeit überraschen. Auch die Musikauswahl ist witzig. Interessant sind auch immer die Einheizer, die mitmarschieren und die Stimmung aufpeitschen. Die Bands sind teilweise nach Jahrgangsstufen gebildet. Es gibt sogar welche nur mit Sechstklässern – Respekt!

Nachdem endlich der letzte Wagen in Sicht ist (Kudoz für die Durchhaltefähigkeit der Amis) gehen wir zum Wagen zurück, wo wir vor allem erst mal Gabis nasse Füße trocken legen und zurück ins B&B fahren.

Dort wird aus 5 Minuten Augen zumachen dann ein 90 minütiges Näppchen (Tom stellt sich darunter eher eine Serviette vor als ein Nickerchen) und wir entscheiden uns danach den zweiten Tipp des Ortes auszuprobieren: Su Casa. Hier wurde durch 5 Jahre Bauzeit ein mexikanischer Imbiss zu einem Restaurant. Der Charme einer Bahnhofshalle erwartet uns. Die kostenlosen Nachos werden mit scharfen Möhren und einer sonderbaren grünen Soße begleitet. Nicht gerade viel versprechend. Doch das ändert sich schlagartig, als wir den ersten Bissen unserer Hauptgerichte probieren. Von Null in die Top 5 der besten Burritos die Tom je gegessen hat. Saftig, herzhaft, ABSOLUT zart und mit einer tollen Soße. Wahnsinn. Gabis Enchilada Verde stehen dem kein bisschen nach. Was für ein toller Grund den ganzen Tag wenig gegessen zu haben!

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