Sonntag, 22.05.2011 Und es geht doch!

Nachdem wir uns letztes Wochenende schon einen Vorgeschmack geholt haben, wollen wir jetzt endlich wieder so richtig Wandern gehen. Am Samstag regnet es natürlich wieder, aber der Sonntag sieht viel versprechend aus. Also packen wir unsere Siebensachen und fahren Richtung „Starved Rock State Park“ los. Knappe 2 Stunden brauchen wir, immer Richtung Süden. Dieser Park ist noch in Illinois und wir finden dort etwas, an das wir kaum mehr geglaubt hatten: Weite Aussichten, wurzligen Boden und Hügelchen über Hügelchen. Traumhaft!

Zuerst dachte ich, die Wanderung steht unter einem SEHR schlechten Stern: Am zweiten Fotohaltepunkt stellt Tom fest, dass ich zwar brav das Stativ mitschleppe, er aber die Halterungsplatte für die Kamera und den Polfilter vergessen hat. Na bravo! Doch Tom erholt sich sehr gut von dieser Erkenntnis, die Route ist einfach zu schön. Im Grunde erinnert der Anfang sehr stark an die Hersbrucker Schweiz, irgendwo um Happburg herum und wir fragen uns, wo Sandra und Alex bleiben. Nachdem sie nicht auftauchen, muss ich halt selbst auf die umgestürzten Baumstämme klettern (sonst ist das ja Alex’ Job)

Der Wanderweg ist als „Owl to Illinois“ bezeichnet, wobei Tom an Eulen nach Athen tragen denken muss. Doch eigentlich sind das die Namen des ersten und letzten Canyon (Schlucht) den wir sehen werden, denn die Route schlängelt sich von einem zum nächsten Canyon. Steilwände, Hunderte von Metern in die Tiefe stürzend, tosende Wasserfälle, der Colorado River – all das findet man hier nicht. Aber immerhin enge Canyons in die man hineinwandern kann wobei man meist reißende Ströme ähhh Bächlein überwinden muss und am Ende von einem netten Wasserfall überrascht wird. Nur die erfahrensten Wanderer sind mit uns auf der Strecke. Und natürlich ganz entspannte amerikanische Familien, die ihre Säuglinge im Bauchgurt mit rumschleppen auch total cool bleiben, wenn ihre Kiddies vom Baustamm rutschen und ins Wasser fallen. Alles wirkt sehr friedlich und könnte fast einsam sein, wenn man nicht alle paar Meilen in der Ferne das Geknatter von schweren Motorrädern hören würde. Das ist aber auch der einzige Minuspunkt des Tages.

Wir sehen gigantische Sandsteinhöhlen und machen uns zum letzten Canyon auf. Na habt ihr aufgepasst, genau. Der Illinois Canyon. Der Weg zum Canyon ist ideal in der Nähe eines Parkplatzes gelegen den wir schnellen Schrittes ignorieren, vorbei an den großen Warnschildern „Waten und Schwimmen strikt verboten“. Hier ist der Fluss breiter und will gleich 3 mal überquert werden. Rutschige Baumstämme, wacklige Steine und eine gute Portion Mut gehören dazu, trockenen Fu… platsch, schon stehe ich mit einem Fuß im Wasser. Bei der 3. Überquerung reißt Tom erst der Geduldsfaden und sich dann Schuhe und Socken von den Füßen. Nicht dass er damit schneller ist: Autsch autsch autsch autsch. Das kann doch nicht wahr sein! Warum sind unsere Füße nicht besser ans Barfußlaufen gewöhnt? Tom meint: „Das Ende dieses Canyons sollte besser richtig gut sein, um die Qualen auszugleichen…“ Das hat der Canyon sicher gehört, denn wir werden von einem letzten idyllischen Plätzchen erwartet. Leider versteht der Canyon nichts von einer guten Fotoperspektive, weshalb sich Tom kurzerhand zusätzlich noch die Hose auszieht und ins Wasser watet. Dieses ist erstaunlich lau. Nach ausreichend Fotomomenten entscheiden wir uns für eine sportliche Wandergeschwindigkeit und überholen so ziemlich jeden Ami auf dem Rückweg. 6,8 Meilen in 3 ½ Stunden – sind zwar kein Weltrekord, wenn ihr aber die Fotopausen abzieht, doch ganz ordentlich. Wir hatten jedenfalls einen tollen Tag und auch wenn mich die Moskitos zum Schluss beim Eis essen und Cola trinken am Visitor Center doch noch gekriegt haben, werden wir sicher wiederkehren – immerhin haben wir diesen dämlichen Starved Rock noch nicht mal gefunden…

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Auf der Rückfahrt zeigt sich dass wir gutes Timing an den Tag gelegt haben, denn kaum im Auto, zieht es zu und fängt es an zu blitzen. Die Blitze begleiten uns zurück in die Suburb-Zivilisation wo wir einen Chinesen gleich um die Ecke (also sprich ne halbe Stunde Fahrtzeit) ausprobieren, den einer von Toms Kollegen über den grünen Klee lobt. Das Restaurant wird sich über Lehmbatzen sicher freuen!
Das Restaurant ist gerammelt voll und am laufenden Band tragen Leute Essen nach draußen. Offensichtlicht geht der Lieferservice also auch gut. Und das Beste: Man sieht viele Chinesen. Das Orange Chicken ist einmalig gut und Gabis vegetarische Nudelpfanne schmeckt ihr auch ausgezeichnet. Was will man mehr als das – ach ja, zwei Doggie bags mit mindestens der Hälfte unseres Essens (das wir nicht geschafft haben) als Ration für die nächsten Tage

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Eine Antwort zu Sonntag, 22.05.2011 Und es geht doch!

  1. Marion schreibt:

    Schaut sehr lauschig aus -und auf jeden Fall noch beeindruckender als die Schwarzachklamm, wo ich gestern war (daür war die Anreise da nicht 2 Std…:-)

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