Dienstag, 07.06.2011 – „How are you“ – (Konversations)Kurse und Sklaventreiber

Nach dem Intersession-Grammatik-Kurs hat nun das Sommersemester begonnen. Zwei mal die Woche habe ich nun Morgens einen „Konversationskurs“ (Schwerpunkt auf Aussprache und Vokabular) und Abends einen Academic English – Kurs (Schwerpunkt Lesen/Schreiben).

Der morgendliche Kurs entwickelt sich spannend und abwechslungsreich. Nach Abklopfen unserer Aussprach-Probleme (bei mir Unterscheidung S und Z, W und V etc.: wenn Du taxes sagst und jeder texas versteht…) und Interessen (daran wird sich vermutlich der Inhalt unserer Unterhaltungen“ orientieren) haben wir erst einmal geschaut, von wo wir starten: Jede vertretene Nationalität hat die Übersetzung von „How are you“ („Wie geht es Ihnen/Dir“) an die Tafel geschrieben und laut vorgelesen. Eine einfache Frage, die einem in Amerika nicht nur von Freunden und Kollegen, sondern auch vom Kellner, Verkäufer und Schaffner gestellt wird. Bei 22 Kursteilnehmer haben wir es auf stolze 12 Fremdsprachen gebracht. Und ich als Deutsche habe zumindest noch annähernd das gleiche Alphabet und schreib von links nach rechts! Doch die Laute, die aus den Mündern so manch Anderer kommen, können doch nicht aus einer gleichartig geformten Zunge kommen… 😉 Seht selbst:

Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass sich bei dieser diversity (=Vielfältigkeit) interessante Unterhaltungen ergeben. Wenn die Inderin plötzlich nur noch blöd guckt weil sie sich auch nach längerer Erläuterung nichts unter einem „Date“ vorstellen kann – ihr wurde der Ehemann von den Eltern ausgesucht. Wenn die Israeli ganz selbstverständlich von Ihrer Zeit beim Militär erzählt – der Waffendienst ist dort selbst für Frauen Pflicht. Wenn die verrückte Deutsche erzählt, sie hätte Ihren Honeymoon in China verbracht… 😉

Zum Abschluss des 1. Vormittags musste noch jede Nationalität zwei „berühmte Personen mit Bedeutung“ für unser Heimatland vorstellen. Ich war halt mal die Einzige, die ein Negativbeispiel hervor gekramt hat. Erstens, da Hitler ja wohl eine unglaubliche (wenn auch unglaublich üble) Bedeutung nicht nur für Deutschland, sondern für Europa und fast den ganzen Rest der Welt hatte. Zweitens, da ich über Hitler aus dem Stegreif halt nun mal mehr weiß als über Goethe oder Schiller. Als zweite Person habe ich dann Helmut Kohl genommen, um das ganze positiv abzurunden (Ende kalter Krieg, Mauerfall, Öffnung zum Osten, vereintes Europa etc.) Ich würde mich über Kommentare, wen Ihr gewählt hättet, freuen! Tom hätte Boris Becker und Dirk Bach äh Novitzki gewählt – aber mal ehrlich, wie hat Boris Becker Euer Leben beeinflusst?

Abends von 7 – 9.45pm bin ich in einem Kurs für willige Sklaven gelandet. Die Dozentin ist vom alten Schlag und hat halt gleich während Ihrer Vorstellung Trinken, Essen, Schwätzen, Zuspätkommen UND Toilettengänge verboten. Sie hat betont, nur durch harte Arbeit wird man diese Klasse bestehen (wir kriegen tatsächlich Noten). Hallo? Ich habe für diesen Kurs BEZAHLT! 😉 Wir schreiben „articles, essays und researches“ (=im Unterricht geschriebene kurze Artikel“, 2-3seitige Abhandlungen ähnlich Erörtungen (als Hausaufgaben) und „Forschungsarbeiten“, was ich mir da genau drunter vorstellen soll weiß ich noch nicht. Alles wird benotet und fließt in unterschiedlichen %-Zahlen in die Abschlussnote ein. Nur wenn ich bestehe, könnte ich im nächsten Semester normale Collegekurse belegen. Die Hausaufgaben sind am Due-Tag abzuliefern, sonst werden sie nicht gewertet. Wenn ich zu häufig fehle, gibt es Minuspunkte.

Elektronische Wörterbücher sind verboten. Da darf ich mir jetzt also ein Dictionary kaufen, obwohl ich eines am Handy hab, das einwandfrei funktioniert! Doch DEN Punkt versteh ich ja noch, schließlich kann sie schlecht überprüfen ob ich das englische Wort für „Sklaventreiberin“ weiß und nur nach einem netteren Synonym suche, oder das Wort in einem Übersetzungsprogramm nachschaue (leo sagt „Slave driver“ – klingt mir etwas sehr banal 😉 )

Auch hier wieder: Super interessanter Teilnehmerkreis. Neben mir sitzt ein in Illinois geborener Amerikaner, der mexikanischer Abstammung ist und dessen Englisch trotz Highschool-Diplom nicht ausreicht, um gleich das College zu besuchen. Um das ganze noch klischeehaft abzurunden: Er ist in einem Trailer Park (=“Wohnwagensiedlung“ aufgewachsen, er trinkt nie, da es in seiner Verwandschaft mehrere Alkoholiker gibt. Auch  daher hat er beschlossen, Arzt zu werden. Schon traurig, oder? Und das alles habe ich in der 1. Stunde von ihm erfahren. Nein, ich habe nicht geschwätzt! 😉 (Wir hatten die Aufgabe, den Sitznachbarn zu interviewen und ihn anschließend vorzustellen…)

Mein erstes Essay habe ich jetzt schon geschrieben und bin fast etwas stolz auf mich. Mal schauen wie die „liebe“ Peitschenknallerin das Werk beurteilt 😉 So, jetzt reichts aber mit dem Geschreibsel, jetzt kommen bestimmt wieder Beschwerden über zu lange Artikel. Werde mich bessern, vers… mal sehn 😉

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