Dienstag, 09.08.2011: „Mama, ich hab Sand im Schuh“

Das Wetter macht uns mal wieder Sorgen, dunkle Wolken türmen sich auf. Aber gestern hats ja auch gehalten, also kreuzen wir die Daumen. Die Riedls sehen nicht ganz so frisch aus wie erwartet, die Zimmernachbarn haben nachts gelärmt. Nein, nicht wir! Die andere Seite, ein kleines Kind das mitten in der Nacht gebrüllt hat, so, dass Beate sogar rüber ist um nach dem Rechten zu sehen. Da ist ein Extra-Kaffee nötig. Nach einem Motel-Frühstück (das heißt: Gut ist es nicht, aber satt macht es) mit viel Koffein geht es also früh los. Tom frühstückt erst unterwegs. Wir brauchen ja schließlich einen Grund, den einmaligen 50er-Jahre Diner „House of Flavors“ zu besuchen. Unser Grund ist also ein kleiner Milchshake und, weil wir schon hier sind, ne weitere Runde Kaffee (ist auch hier nicht stärker…) Die Gegend blitzt und blinkt und es stehen lauter „kleine“ Häuschen rum. Wir fahren ja an der Ostküste des Lake Michigan entlang und das Ufer ist übersät mit Stegen, an denen die Boote befestigt sind. Die erste Enttäuschung wartet beim nächsten Leuchtturm. Die Oberpfeifen wollen $ 8 für den Eintritt in den State Park haben. Ausbeutung des Proletariats! Irgendwie muss der Pöbel ja draußen gehalten werden. Es klappt und wir lassen DIESEN Leuchtturm aus. Leicht angesäuert fahren wir weiter. Der nächste (versuchte) Tagesordnungspunkt 😉 ist eine Fahrt entlang der Flussmündung des Platte Rivers. Erst finden wir den Weg nicht, dann stellt es sich als total langweilig raus, ab und zu blitzt der Fluss mal durch die Bäume. DAS soll toll sein? (Tom: „Juhu, eine Serie“). Unversehens rollen wir auf einen Parkplatz, wo wir bevor wir überhaupt denken können, abkassiert werden. Na gut, steigen wir halt mal aus, nachdem sich jetzt auch die Sonne entschieden hat, uns mit ihrer Anwesenheit zu beglücken… Dann die Überraschung: Vor uns erstreckt sich der Lake Michigan und die Flussmündung mit absolut klarem Wasser. Der Fluss ist nur wenige Fuß tief und sieht so einladend aus, dass wir (also fast alle) nicht widerstehen können. Also Schuhe/Strümpfe runter und ab ins Wasser. Das ist so wunderbar angenehm warm und so wandern wir langsam bis zum Lake. Es sind kaum Menschen außer uns da und es ist wunderschön. Nahe der Mündung ist der Fluss noch seichter, Tom, Anne und Gabi durchwaten ihn und Carina wird kurzerhand von Tom getragen. So können Anne und Carina einen weiteren Punkt von Ihrer Urlaubsmappe abhaken: „Einen Stein aus der Mitte eines Flusses holen“. Die Strömung macht die fehlende Tiefe wett – man muss richtig gegen den Sog ankämpfen. Ohne Probleme können wir uns vorstellen, wie einen das Wasser mitzieht. Die Zeit vergeht wie im Flug, während wir auf der Lake und Fluss trennenden Sandbank Muscheln und Steine suchen, unseren Spaß dabei haben bis zum Knie im Sand zu versinken oder fasziniert die Temperaturunterschiede dort fühlen, wo Lake- und Flusswasser zusammentreffen. Uwe sitzt auch nicht auf der faulen Haut, er skizziert das nächste Bild. So hat jeder seinen Spaß….

Zurück am Rastplatz beschließt Tom, er will im Fluss ganzkörperplantschen (Tom: „schwimmen, ich wollte schwimmen. Planschen klingt nicht männlich.“). Das kommt den Kiddies wie gerufen und so nutzen die Drei die Mittagspause, um sich mal gründlich nasszumachen. Kaum abgerubbelt, geht es weiter. Schließlich ist heute der Bear Dunes National Shore noch auf dem Programm. Dies ist eine sehr sandige Küstenlandschaft mit riesigen Sanddünen und einen an Afrika erinnernden Naturstreifen, nur wenige hundert Meter breit. Dahinter ist der hier typische Baumbewuchs aus nordamerikanischen Laub-/Nadelbäumen. Fast alle Höhepunkte des Nationalparks kann man durch den Pierce Stocking Scenic Drive er“fahren“. Das heißt, wir fahren mit dem Auto durch den Wald und halten immer wieder für tolle Ausblicke. Da „blicken“ alleine aber ja nicht „erleben“ ist, haben wir natürlich auch eine Wanderung durch die Dünen auf dem Programm. Wir entscheiden uns für den 2,5 km langen Cottonwood Trail. Das klingt jetzt nicht so lang, doch mit losem Sand unter den Füßen und entweder barfuß oder mit gefühlten Tonnen von Sand in den Schuhen/Sandalen ist auch das mit der Zeit anstrengend. Die Sonne brennt und wir erwarten jeden Moment ein Kamel, das um die nächste Düne biegt. Jede Kurve gibt neue wunderschöne Ausblicke auf den leuchtend (türkis-)blauen Lake Michigan frei. Wunderschön! Der Spaziergang führt auch an der höchsten Sanddüne Michigans vorbei, die Gabi, Tom, Anne und Carina in großen Schritten hinunter fliegen. Nur um dann stöhnend in kleinen Trippelschritten wieder hinauf zu kriechen 😉 Carina, um sich blickend (als ob irgendwo ein Aufzug versteckt wäre): „Müssen wir jetzt wirklich hier wieder hoch???“). Tom versucht, durch einen vorgetäuschten Unfall und verzerrten Schmerzenslauten (ihr wisst ja, das kann er gut) jemanden zu finden, der ihn die Dünen hochträgt. Vergeblich – hier muss jeder seinen eigenen Luxuskörper hochhieven.

Am Rückweg ist Tom Opfer und darf sich Carinas Witzversuche anhören, die sich auch nach genauerem Erklären einfach nicht als sonderlich lustig herausstellen. Schließlich versuchen wir alle, sie vom Witzeerzählen abzubringen – keine leichte Aufgabe. Zurück am Auto, schwirrt uns nicht nur von Witzen, sondern auch von der Sonne der Kopf und wir beschließen, direkt unsere Unterkunft anzusteuern. Heute übernachten wir alle zusammen in einem ehemaligen Kutschenhäuschen, das in der Nähe eines schönen Sees namens Lake Glen gelegen ist. Klingt super und ist auf den Internetbildern auch attraktivst rüber gekommen. In echt ist die Hütte ziemlich runter gekommen, mit Stock- und Schimmelflecken geschmückt und in der Ecke findet Beate tote Insekten. Tom macht sich eine geistige Notiz, mit dem Fotografen dieser Internetseiten Tipps auszutauschen. Naja. Für eine Nacht taugt es schon, zumindest ist es ruhig und während die Riedls sich frisch machen, nutzen Tom und Gabi das Angebot der Hausherren, mit dem Kanu noch etwas auf dem türkisblauen See herumzupaddeln. Das ist echt friedlich hier, keine Menschenseele außer uns und den Wellen, die für Gabis gewohnte lahme fränkische Flussverhältnisse ganz schön schaukeln. Doch Tom hat ja Hochseekajakerfahrung und bringt uns daher wieder sicher ans Ufer. (@Uwe R.: Erinnerst Du Dich noch?) Jedes Kentern wäre auch fatal gewesen: In der Mitte des Sees ist das Wasser unendliche 70 cm tief (aufgerundet).

Das Abendessen ist keine kulinarische, zumindest aber eine amerikanisch-urige Erfahrung. Die Decke des Restaurants hängt voll von Fahnen der verschiedensten Universitäten und auch sonst ist die Kneipe mit amerikanischen Details wie Jukebox etc. ausgestattet. Gabi: „Tom, möchtest Du noch etwas dazu sagen?“ Tom: „Dunkel, schmutzig, überlaufen, laut…“ Gabi, ihm das Wort abschneidend: OK, anscheinend nichts, gut.“) Während die Sonne Gute Nacht sagt, sitzen wir auf unserer Varanda mit Hollywoodschaukel bzw. spielen Basketball. Die Erwachsenen haben Spaß dabei, die sonst „Ich-möchte-nicht-mehr-laufen-Kiddies ums Haus zu scheuchen, um den von Carina gefundenen Schrittzähler zu finden. 1.000 Schritte – ein Klaks! Nach einer Runde Uno für alle Mädels unter 34 geht auch dieser ereignisreiche Tag zu Ende.

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