Sonntag, 14.08.2011: Treewalk

Das Frühstück ist überraschend vielfältig, wenn auch nicht gut. Wir sind bereit, die schönsten Landschaften Kanadas zu entdecken, heißt es doch auf Ontarios Nummernschildern: Yours to discover (Es liegt an Dir es zu entdecken). Wir stellen uns dazu anscheinend zu dämlich an, denn es geht so weiter wie am Vortag beschrieben. Mit einem kleinen Unterschied: Es schüttet dazu anfangs noch wie aus Kübeln und die ganze Landschaft ist in tiefhängenden Wolken und Nebel verborgen. Wir sind uns aber sicher, wir verpassen nichts. Wir wollen uns die im Reiseführer angepriesenen Örtchen Kitchener/Waterloo und St. Jacobs anschauen. Hier sollen architektonische Kleinode gebaut sein und es außerdem noch viele Märkte und Läden mit Mennoiten-Handwerk geben. Um es kurz zu machen: Grauenvolle Fehlanzeige. Hässlichkeiten, Kitsch und Abzocke (und damit meinen wir noch das Beste der drei Örtchen, St. Jacobs. Die anderen sind nicht mal eine Erwähnung wert. Können so wirklich Menschen leben? Im Nichts? Ohne kulturelle Anregung? Die Mennoiten halten sich auch versteckt, einzig eine Gruppe junger Männer in altertümlichen Anzügen ist auf dem Weg zu sehen. Das einzige Highlight der dreistündigen Weiterfahrt ist eine Pommesbude im Nirgendwo, bei der wir richtig gute Pommes gegessen haben. Wenn wir auch die Soße ausschlagen, die sie uns auf unsere Pommes kippen wollen. Beate: „Ich beschwere mich nie wieder, das Wilhermsdorf ein Kaff ist“.

Schließlich kommen wir an die nächste Küste, diesmal wieder Lake Huron. Unser Ziel sind die Scenic Caves. Wobei Anne und Gabi besonders aufgeregt sind. Wir haben nämlich einen Treewalk und Ziplining gebucht. Das heißt, wir laufen in Baumkronen und Seilen und von einem Podest in die Tiefe ab. Die Riedls machen den Scenic Parkweg unsicher (Wanderung durch Höhlen, in Schluchten und auf einer 1 Mio.-freischwebenden Brücke mit toller Aussicht) und Edelsteine waschen für Carina. Auch sie ist zufrieden, hat sie doch einen ganzen Beutel Ausbeute an Steinen. Tom wartet im Auto.

Anne und Gabi werden erst mal ausgerüstet mit Gurten und Seilen sowie einem Helm. Unsere Gruppe von 14 Leuten sind alles Kanadier, aber Anne, die die letzten Tag richtig aufgeblüht ist mit ihrem Englischwortschatz, versteht fast alle Erläuterungen und ist voll dabei. Zuerst üben wir am Boden das Sichern (immer zwei unabhängig voneinander zu sichernde Seile sollen uns vor dem Abstürzen bewahren). Nachdem das ganz gut klappt, geht es los und wir klettern eine lange, wacklige Leiter hoch. Und dann ist es soweit. In bestimmt 15-20 Meter Höhe (nachgeschaut: es waren bis zu 18 Meter überm Waldboden, gut geschätzt, hm?) gehen wir schmale Bretter entlang, die von Baum zu Baum gespannt sind. Gesichert durch die Seile von oben, seitlich gibt es aber kein Geländer, nur auf jeder Seite ein Seil als „Halte“reling. Mehr fürs Sicherheitsgefühl als tatsächlich als Prävention – Jeder Schritt könnte ins Leere gehen. Doch wir sind natürlich vorsichtig. Eine tolle Sicht von oben, mal die Baumkronen von Nähe zu sehen ist wirklich interessant. Die Bäume wirken majestätisch und erst hier oben begreift man, wieeee groß diese Pflanzen wirklich sind.Der Wald ist ruhig und abgesehen von den kreischenden Mitwanderern, wenn mal wieder Planken wanken (merkt man mein abendliches Glas Wein?), fühlt man sich hier oben fast erhaben.

Der Treewalk umfasst 17 Bäume, doch nicht bei jedem Baum ist eine Plattform die das Umswitchen der Sicherung einfacher macht, da man sicherer steht. Doch Anne hat alles im Griff und den Dreh super schnell raus, unterstützt von dem Mädel vor uns, das ihr immer wieder beim Einhängen behilflich ist. Wir wurden angewiesen, dass nicht mehr als 4 Personen zwischen 2 Bäumen laufen sollen und ich muss Anne immer wieder zurückhalten, die so begeistert ist dass sie eifrig weiter eilt. Allzuschnell sind wir so bei Baum 16 und somit bei der Plattform angelangt, die uns das erste Ziplining beschert. Einer nach dem anderen darf sich in die Tiefe fallen lassen. Mit mulmigen Gefühlen sehe ich Anne die Leiter runtersteigen – nun wird sich zeigen ob meine Idee sooo toll war. Sekunden später schwirrt sie die 100 m hinab und wir können sie vor Freude quieken hören. Das amüsiert auch die anderen Teilnehmer und Anne kriegt gleich mal Applaus – schließlich ist sie die Jüngste hier. Erleicherung macht sich in mir breit und auch ich klettere die paar Stufen runter, lasse mich wie Anne rückwärts fallen – wir sind noch nicht bereit, der Tiefe vor uns ins Auge zu blicken.  Die Zeit während man stürzt ohne Halt ist einfach atemraubend – halb erleichert halb traurig spürt man dann den Ruck des Seils und konzentriert sich auf das tolle Gefühl des „DurchdieLuftschwirrens“.

Unten angekommen, warten neben Wasser und Müsliriegel der Trecker auf uns, der uns zum Höhe- aber auch leider Schlusspunkt bringt. Der Slide von einem Felsvorsprung in die Niagara-Schlucht (heißt hier alles Niagara), 30 Meter NICHTS unter uns, ein 300 Meter langer „Flug „vor uns. Die Bilder von Anne sprechen für sich, sie hat es geschafft auch noch kopfüber zu gleiten. Ich bin diesmal vorwärts GESPRUNGEN (dann fliegt man länger schwerelos), das ist aufregend, auch wenn man weiß, das Seil ist da. Sehend in die Tiefe springen war schon Überwindung, aber auch jede Menge Spaß! Sehr empfehlenswert (wenn Ihr gut gesichert seid natürlich nur 😉 )

Anne schreibt: „Am besten war das Runterkommen. Es hat sich angefühlt, als würde man abstürzen und gleich eine Bruchlandung machen, die am Ende nicht gekommen ist! Als ich die Leiter zum ersten Baum hochgeklettert bin hatte ich ganz weiche Knie, aber als ich oben war, ist es mir wieder gut gegangen! Es war ein tolles Gefühl, unbeschreiblich. Manchmal habe ich gedacht, dass alles vorbei ist, manchmal wäre ich am liebsten nur freihändig gerannt!
Ich würde alles am liebsten noch einmal machen!“

Ohne weitere Worte schließe ich mich an! 😉

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