Montag, 15.08.2011: Toronto auf Umwegen

Heute planen wir verschiedene Touren. Doch wie der Zufall so will, wider Erwarten treffen wir uns sogar schon beim Frühstück wieder. Das Holiday Inn Express bietet nämlich ebenfalls Frühstück und Tom bäckt für die Kiddies Pancakes und isst sogar selbst was – seit Tagen sein erstes Frühstück. Nur der Kaffee ist mal wieder gefärbte Brühe, da müssen wir halt durch. Die Jachmanns lassen sich heute Zeit und planen zuerst, den längsten Strand Nordamerikas anzufahren, der uns gestern vom schnuckeligen Marc so wärmstens empfohlen wurde. Wasaga Beach entpuppt sich tatsächlich als lang und feinsandig. Von Charme ist allerdings wenig zu spüren, er ist für unseren Geschmack ziemlich dreckig. Vielleicht liegt es daran, dass das Wochenende grad vorüber ist und die Massen an Strandbesuchern einfach ihren Müll zurückgelassen haben? Leider ist es auch nicht ruhig, denn ein Sandplanierfahrzeug versucht „Ordnung“ zu schaffen.  Wir versuchen, uns nicht die Laune verderben zu lassen und spielen – nach ein bisschen Füße baden für Gabi – erst ausgiebig Beach- und dann Football. Bald schwitzen wir, denn die Sonne hat sich auch heute wieder zum Ziel gesetzt, diesen blassen Urlaubern ein wenig Farbe zu schenken. Als uns die Sonne dann reicht, fahren wir weiter direkt nach Toronto. Wir nutzen einen Zwischenstopp auf einer Autobahnraststätte, betrieben von McDonalds. Eine so abgef**** Lokalität haben wir noch nicht erlebt. Unser Eindruck von Kanada manifestiert sich, denn auch Wasaga Beach wirkte so, als ob hier seit 30 Jahren keiner mehr auch nur 1 Cent investiert hat. Und Gabi hatte gedacht, Kanada wäre die bessere USA! No way!

Tom genießt dabei die Gastfreundschaft von Bauarbeitern, die ihm einen Notaufenthalt auf ihrem Dixie-Klo erlauben. Offensichtlich sind sie sich der drohenden Alternativgefahr bewusst. Das war echt knapp…

Auf dem Klo stand ein Schild dass diese Toilette von 10 Personen eine Woche lang komfortabel genutzt werden kann. Bei erhöhter Nutzung aber leidet der Komfort. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob die Komfortabilität diese Woche gehalten werden kann…

Wir merken bald, dass die Torontaner aus anderem Autofahrerholz geschnitzt sind, denn je näher wir an die Stadt kommen, desto enger und aggressiver wird der Verkehr. Wir weichen gerade noch einem aggressiven Stau aus und rutschen in Richtung unserer Unterkunft. Wir werden nervös, als unser Navi nur noch ganz wenige Minuten bis zum Ziel anzeigt, die Gegend aber eher zum Fensterhochkurbeln als zum Aussteigen einlädt. Die Bilder im Internet sahen doch so hübsch aus… So sind wir dann doch freudig überrascht, als eine Straßenkreuzung vor unseren Appartements sich plötzlich die Umgebung ändert und wir in eine Straße voller kleiner (wenn auch eng stehender) Villen einbiegen. Wir ertappen unsere Vermieterin gerade beim Wäscheaufhängen, so dass wir trotz der frühen Uhrzeit gleich an alle unsere Schlüssel gelangen. Unser Auto kann zwar gleich hinter dem Haus parken, doch müssen wir uns erst eine ellenlange Beschreibung der Vermieterin anhören, wie wir zu diesem Parkplatz gelangen (über die Parallelstraße – das wäre die Kurzvariante gewesen ;-))

Wir beschließen, während die Riedls noch unterwegs sind, schon mal einen Spaziergang im nahe gelegenen Park zu machen – immerhin heißt unsere Unterkunft ja auch „By the Park“. Und dieser ist eine volle Überraschung. Nicht zu vergleichen mit dem Marienbergpark oder einem Park in Buffalo Grove, sondern eher mit dem Dschungel des Amazonas. Ein urwald-ähnlicher Bereich mitten in der City, außer ein paar befestigten Hauptwegen sind hier keine richtigen Pfade vorhanden, so dass sich Trampelpfade quer durch wild gelassenen Wald ziehen. Gabihörnchen freundet sich mit zwei Schwarz- und einem Buschhörnchen an, die uns so neugierig und aufgeweckt unterhalten und uns sogar folgen, als wir versuchen einen Weg aus dem Dschungel zu finden. Hier könnte man sich echt verlaufen.

Nachdem die Riedls doch endlich mal angekommen sind, wollen wir einen Essenstipp von Gabi (eigentlich von Tripadvisor) ausprobieren und fahren mit der Straßenbahn nach Little Italy. Die Bahnen sind schnuckelig, nachdem Uwe schon fast aufgegeben hatte, länger zu warten, denn an den Haltestellen stehen nicht mal Fahrpläne. Schon auf der Hinfahrt fällt uns eine Charakteristik von Toronto auf: Es gibt unendlich viele Graffiti. Nicht dass ihr jetzt glaubt irgendwelche dilettantischen Sprayattacken – nein. Ein Kunstwerk schöner wie das andere (wir werden den Kunstwerken einen eigenen Artikel widmen). Auch Little Italy selbst ist wirklich nett. Kleine Italiener laden zum Essen ein, daneben Krusch- und Trödelläden, die Flair ausstrahlen. Wir setzen uns unsicher in die ausgewählte Lokalität, denn dort sieht man keinerlei Kundschaft. Der Kellner macht sich auch gleich unbeliebt, erklärt er uns doch in einer völlig hochnäsigen Art und Weise, wie man Weißbrot in Olivenöl und Balsamicoessig tauchen soll. Danke! Das Essen ist aber ok (Tom) bzw. richtig gut (Gabi). Wir trinken zu dritt eine Flasche Wein und danach wird der Abend so richtig ausgelassen. Wir machen uns über die Schlagzeilen im lokaleigenen Fernseher lustig und versuchen Carina zu erklären, dass der an den Niagarafällen ums Leben gekommene Japaner einfach nur unvorsichtig war. Ist aber sehr schwierig, denn sie hat ja schon von den Zäunen um die Fälle geträumt… Beschwingt machen wir uns mit der Bahn auf den Heimweg. Ein guter Auftakt!

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