Dienstag, 30.08. bis Mittwoch, 07.09. The Gals are in Town (Die Mädels sind in der Stadt) – Teil 2

Ihr meint, eine Freundin bei sich zu haben wäre doch jetzt genug des Glücks – eigentlich habt Ihr ja recht, doch ich bin ein besonderer Glückspilz. Daher sah unser ausgeklügelter Urlaubsplan folgendes vor: Am Dienstag, 09. August kamen Nadine und Rolf mit dem Greyhound-Bus von Toronto nach Chicago und schlugen ihre Zelte auch bei uns auf. Wir sind etwas zusammengerückt, Kerstin ist ins Wohnzimmer ausgewichen zum Übernachten und so ging das auch in unserem kleinen Einfamilienreihenhaus, viel daheim waren wir ja eh nicht.

Als Kerstin und ich die beiden etwas erschöpften Kanadareisenden vom Nahverkehrszug abgeholt haben, war ich echt gerührt. WIE SEHR einem langjährige Freunde fehlen ist mir hier erst bewusst geworden, als sie tatsächlich kamen – oder wahrscheinlich habe ich das Gefühl vorher nicht bewusst zugelassen?!? Jedenfalls war ich mehr als happy! Den Dienstag haben wir nach einem herzhaften Frühstück bei Egg Harbor (ja, ich schleppe ALLE dorthin – es ist ja auch super lecker dort! ;-)) zu unserem Shopping-Tag erklärt. Gleich nach der Grenze zu Wisconsin – mit den niedrigeren Steuern dort – gibt es eine Outletmall (vergleichbar mit denen in Würzburg oder Ingolstadt) . DIE war unser Ziel, kaum 40 Minuten und wir sind im Frauenparadies 😉 Ihr denkt jetzt, ohhh der arme Rolf?! Weit gefehlt – am Ende des Tages, als wir in einem kleinen Quiz Tom raten lassen, wer was gekauft hat, stellen wir fest: Am meisten hat Rolf zugeschlagen! Gut, wir Mädels haben mehr Zeit für unsere Einkäufe benötigt, und er hat deswegen trotzdem auf uns warten müssen. Aber… das ist einfach weil wir es auch genießen können, nur so durch Läden zu schlendern – zumindest ab und zu 😉 Die Mall übrigens, an diesem Tag ziemlich leer und äußerst angenehm, kann sich an Wochenende in eine überfüllte Konsumhölle verwandeln – wie Tom und ich Tage später feststellen sollten…

Die nächsten beiden Tage war es ziemlich heiß und wir haben trotz allem Chicagos Asphalt abgenutzt beim Mega-Sightseeing. Unterbrochen immer mal wieder durch eine Fahrt mit dem Wasser-Taxi, Wind im Haar und Sonnenbrille auf der Nase – yes we can 😉 Der absolute Höhepunkt für mich: Der Beginn des kostenlosen Jazz-Festivals im Millenium-Park, mitten im Loop, der Innenstadt Chicagos. Eine der Spielstätten ist der Jay-Pritzker-Pavillon, eine große Open-Air-Bühne mit gemauerten Stufen/Plastiksitzen. Dahinter ist eine Rasenfläche, auf der man sich ala Klassik-Open-Air in Nürnberg breit machen kann. Was wir natürlich prompt getan haben: Vorausdenkend mit Decken ausgestattet, haben wir der relativ ruhigen Musik gelauscht, während hinter der Skyline die Sonne untergegangen ist und dann immer mehr Lichter in den Hochhäusern angegangen sind. Manche von Ihnen angestrahlt war das die beste Kulisse für ein Konzert, die ich jemals gesehen habe. Und das noch zusammen mit meinen besten Freundinnen zu erleben – wäre Tom noch neben mir gelegen – es wäre perfekt gewesen. Doch dieser hatte aufgrund des Berufsverkehrs und des Stresses at work den weiten Weg in die Stadt gescheut. Schade schade schade – es war wirklich toll – Ich werde Fotos nachliefern, versprochen!!!

Schön war auch das Grillen Mittwoch Abend mit Tom. Wir haben nach leckerem Fisch, Shrimps, Fleisch und Würstchen und dem obligatorischen Smores-Nachtisch noch lange außen gesessen und den lauen Abend genossen – allerdings mit Nachwirkungen: Jeder von uns war total verstochen, obwohl wir uns mit Anti-Moskito-Mittel eingeschmiert hatten. Besonders Kerstin hat gelitten, da sie sehr extrem auf diese Viecher reagiert hat. Ein Hoch auf Mückenschutzgitter an dieser Stelle !!! 😉

Den Freitag Vormittag haben wir dann in Long Grove verbracht, das Euch aufmerksamen Lesern sicher nicht unbekannt ist 😉 Getreu dem Motto: „Irgendwo ist immer Feierabend“ hat sich Rolf ein letztes amerikanisches Bier auf der Terrasse eines an nem malerischen See gelegenen Cafès gegönnt. Am frühen Nachmittag mussten wir ihn nämlich bereits am Flughafen abliefern, da sein Urlaubsende leider eine Woche früher als bei den Mädels drohte. Ich kann Rolf aber gar nicht genug danken dass er mit Nadine diesen Trip gemacht hat, es war super ihn hier zu haben!

Wir verbliebenen Urlauberinnen haben uns jedoch nicht lang damit aufgehalten, die Äuglein zu reiben, sondern sind neu durchgestartet: Schließlich stand jetzt das von mir geplante Wochenende in South Haven, Michigan auf dem Programm. Wie, ich war in der Gegend in den letzten 4 Monaten bereits 2 Mal?!? … Ok, das stimmt 😉 Aber: Das erste Mal bei Regen mit einem bestenfalls mittelprächtig gelaunten Tom (= keine Shoppingtour!), das zweite Mal am 1. Tag unseres Roadtrips mit Beate, also, lasst es mich so ausdrücken, nur auf der Durchfahrt. Also hatte ich doch allen Grund, mit erholungshungrigen und relaxten Freundinnen an die schöne Ostküste des Lake Michigans zurückzukehren, oder? 😉

Unser Bed&Breakfast „A Place In The Country“ („Ein Ort auf dem Land“) liegt direkt an der Küstenstraße des Lakes. Von diesem sind wir so begeistert, dass wir erst mal am B&B vorbeifahren… Doch tatsächlich dort angekommen, werden wir von Rehen! im Garten begrüßt. Also echten, wilden Exemplaren, nicht die aus Plastik die hier oft gemäß dem Motto „Je kitschiger desto besser“ auf dem Rasen vor den Reihenhäuschen stehen. Ganz idyllisch, verschlafen und relativ einsam erwartet uns unser „Nest“ im Neuenglandstil für das Wochenende. Cindy, die Hausherrin erklärt uns gleich: „“The house has it’s own character” und meint damit unterschiedlich hohe Treppenstufen und knarrende Dielen. Dazu Teppiche zum Versinken und Rosen, Rosen, Rosen. Unser „Garden Room“ ist wie der Rest des Hauses liebevoll detailverspielt eingerichtet, manchmal vielleicht ein Tick zuviel des Guten. Ihr müsst Euch vorstellen, an der Wand Rosentapete, im Regal, an ebendiese Tapete gelehnt, ein Bild auf dem (na, erratet Ihr es?) Rosen abgebildet sind ;-). Die Extra-Toilette ist im ehemaligen Wandschrank eingerichtet worden, auch witzig, wenn auch der große Spalt gewisse Fähigkeiten hemmt – was natürlich bei den anderen Mitreisenden statt Mitgefühl eher Heiterkeit auslöst… Die Dusche im Etap-Stil stört da nicht weiter, wir sind froh dass die Hausherrin Cindy sich nicht süßlich-rosenhaft herausstellt, ;-), sondern eher eine unaufdringliche, herbe Herzlichkeit an den Tag legt.

Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde halten wir uns erst gar nicht im Zimmer auf, sondern laufen zuerst zum etwa 100 m entfernten, wunderschön feinkörnigen hellen und laaaaangen Sandstrand. Diesen erreichen wir ganz romantisch über eine langgezogene Holztreppe, so schee sag ich Euch! Zum Hinlegen ist nur ein kleiner Abschnitt frei zugänglich, aber am Ufer entlang laufen ist erlaubt, so kühlen wir erst mal unsere Füße ab! .

Nachdem uns das Navi erst mal in die falsche Straße gelotst hat (Hallo, wie kann es einen Straßennamen zwei Mal in der gleichen Stadt geben?!? Voll fies!), treibt uns der Hunger dann doch relativ bald nach South Haven downtown (Innenstadt), wo wir uns auf Empfehlung der Hausherrin im Su Casa wiederfinden. Beim Mexicaner angelangt, müssen wir erst mal warten, aber es lohnt sich. Kerstin trinkt Guave-Margharita, Nadine Blueberry-Sangria und Gabi die Fahrerin und Blutdruckgefährdete eine Blueberry-Lemonade. Erst mal angestoßen auf ein tolles Damenwochenende und –Get-Away!
Die vom Restaurant servierten Nachos, scharfe Möhren, selbstgemachte Salsa und Minzsoße komplettieren wir mit sehr leckerer Guacamole. Wir sind mit der Vorspeise noch nicht fertig, als ein Mexicaner zum Tisch kommt und uns erzählt, er wäre mit einer Hamburgerin verheiratet die auch hier ist. Er findet es ganz toll, dass sich Deutsche hierher verirren und unterhält sich super nett mit uns.
Dann kommen die Riesen-Burritos für Kerstin (Avocado) und Gabi (pulled Chicken) und gefüllte Kartoffelplätzchen für Nadine. Wir sind mehr als satt und müssen um die obligatorische Box für die Reste bitten – schon wieder fallen wir auf, obwohl: Die Hamburgerin, die später auch noch einen Plausch mit uns hält, versichert uns, dass man auf einen Blick sieht, dass wir keine Amerikanerinnen sind. Unser Tisch ist sauber, die Teller ordentlich und wir haben natürlich mit Gabel UND Messer gegessen – das ist hier NICHT normal! 😉 Ab diesem Zeitpunkt achtet Nadine GANZ GENAU darauf, wie die Amis essen und wie der Tisch danach aussieht. Was ich vorher nie registriert hatte: Es sieht doch tatsächlich jedesmal schlimm aus. Wer hätte das gedacht – der Esstisch ein Schlachtfeld…

Obwohl wir ziemlich müde sind, genehmigen wir uns noch einen Sherry (der bei uns im Zimmer zur freien Verfügung steht) und wir ratschen noch bis ca. 1 Uhr. Gabi genießt die Damenunterhaltung doppelt und dreifach.

Am nächsten Morgen, nach den mit Tücken zu nehmenden Fenstern unseres Nachtquartiers, werden wir von köstlichem Geruch ins Speisezimmer des Hauses gelockt: Quiche mit Zuchini, Pilzen und Tomaten und für die Nicht-Vegetarier Schinken, eine Art flacher Tarte mit Blueberry, Cream Cheese und Zimtzucker. Dazu Fruchtsalat und richtig guter Kaffee. Besser kann ein Samstag Morgen nicht beginnen!

Auf unserem heutigen Programm steht nach dem ausgiebigen Frühstück eine ausgiebige Shoppingtour. Nach Douglas, dessen Highlight es wohl war, in einem Schnickschnack-Laden als „Prinzessinnen“ angesprochen zu werden, fahren wir bei schwülheißem Wetter nach Saugatuck. Dort verfallen wir in einem Christmas-Shop in einen Kaufrausch. Zitate Nadine und Kerstin: Glitzer, überladene Weihnachsbäume, Zuckerstangenkugeln, Baseballkugeln, Törtchen- /Dackel-/Bierkrug oder Burgerkugel – hier findest Du ALLES, was der Durchschnittsdeutsche niemals auf den Baum hängen würde. Riesige bunte Lollies, spezielle Glückwunschkugeln für frisch gebackene Eltern oder doch lieber ein mit rosa Röckchen bekleidetes Nilpferd? Dazu darf natürlich aufdringliches Weihnachtsgedudel nicht fehlen… Nachdem der Verkäufer das Geschäft des Tages mit uns gemacht hat, schießt er noch ein Foto von den durchgedrehten Hühnern aus Deutschland 😉
In Holland, wo ich ja mit Tom im Mai schon war, ergeben wir uns dem Kitsch – schließlich sind wir trotz allem Touristen, echt wahr… Wir besichtigen eine Windmühle aus dem 18. Jahrhundert (aus Holland eingeschifft und hier wieder aufgebaut) und eine kleine „detailgetreu nachgebaute“ holländische Häuserzeile.
Die Aussicht auf der Windmühle und das Lüftchen waren toll, die Erläuterung der traditionell holländisch gekleideten jungen Amerikanerin über die Funktionsweise und die Nutzung der Mühle waren interessant. Arbeit in der Mühle ist oft ein Knochenjob, und diese Mühle wird heute noch genutzt – von einer Müllerin. Da haben wir es mal wieder, selbst ist die Frau!
Allein von schwerer Arbeit zu hören war uns drei Urlauberinnen aber dann doch zu stressig, also sind wir ab nach Holland downtown und haben uns erst mal bei „Crane in the City“, einem Café bei Kaffe/IcedCappuchino und RICHTIG leckerem Kuchen erholt. Hach! Danach war dann nochmals eine Runde Stöbern in den vielen schnuckeligen Läden und Boutiquen drin 😉

Am Samstag Abend ging es zu „Salt on the Earth“ eine tolles Restaurant das ich vom Maiurlaub kannte und das jede der 50 Minuten Wartezeit wert war. Die Zusammenstellung unseres Menüs war ob der Optionen zwar relativ kompliziert, aber hausgemachtes Brot und Butter satt, sowie super leckere Nudeln machen die Bestell-Mühen locker wieder wett. Wir sind absolut gesättigt und glücklich. Ist dieses Leben nicht eines der Besten? 😉

Nach einem weiteren Spitzenfrühstück und einem letzten Bummel durch South Haven Downtown und an den Strand und Leuchtturm dort fahren wir zurück, nicht ohne kurze Stopps in einer weiteren Outlet-Mall und im Indiana-Dunes-State-Park einzulegen. Das bißchen Natur in Form der höchsten Sanddüne Indianas begeistert uns alle und so sind wir in super Stimmung, als wir wieder Buffalo Grove ansteuern, sehnlich erwartet von einem einsamen Tom, der das Wochenende „allein zu Haus“ verbringen musste. Da jedoch der Montag „Tag der Arbeit – Labour Day“ ist hier, also ein Feiertag, habe ich diesen Tag mit Tom einen Ausflug gemacht und die Mädels allein nach Chicago geschickt. Selbst die fiesen Tricks der Autovermietung (haben den als Abgabestelle angegebenen Standort am Feiertag einfach zugesperrt und nur einen Zettel mit Hinweis auf die Flughafenfiliale hinterlassen) haben die Beiden nicht in die Knie gezwungen, sodass Tom und ich sie erfüllt am späten Nachmittag vom Zug abholen konnten.

Die letzen Tage des Aufenthalts von meinen Zwei vergingen leider viel zu schnell. Wir waren nochmal lecker Burger essen mit Tom, wir haben auch das Chicagoer Muss, eine Deep-Dish-Pizza bei dem Italiener probiert, der sie zuerst eingeführt hat. Wir hatten eine tolle Zeit im Art Institute von Chicago, wo ich Nadine mit unqualifizierten Bemerkungen vermutlich schier zum Wahnsinn getrieben habe (sie ist natürlich so höflich und lässt sich das nicht anmerken). Gabi: Das Bild gefällt mir nicht“. Nadine: „Warum“? Gabi: „Na, es ist doch einfach nicht schön“ 😉 Ein Bild, vor allem im Bereich Gegenwartsmalerei, kann hochinteressant sein, ja auch verstörend, kann mich minutenlang fesseln und zu/m Diskussionen und Nachdenken anregen. Wenn ich es aber nicht als „schön“ empfinde, gefällt es im Endurteil halt nicht – was soviel heißt wie: Würd ich nicht geschenkt nehmen um es in mein Wohnzimmer zu hängen 😉 Kunstbanausin Gabi hat gesprochen. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, verpassen wir am Dienstag, dem letzten Abend, unseren Zug ab Chicago, den letzten, klar. Kleinlaut muss ich bei Tom anrufen und ihn bitten, uns von einer anderen Bahnstation abzuholen. 😉

Um diesen ellenlangen Artikel mit einem von Kerstins wiederholten Aussagen abzuschließen: „Es ist unglaublich, wie viel wir in dieser kurzen Zeit gesehen und erlebt haben“: Und was ICH noch zu sagen habe: Es ist unglaublich, wie glücklich, geerdet und entspannt mich der Besuch meiner engsten Freundinnen gemacht haben – ich bin einfach ein Glückspilz!

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