Freitag, 21.10.2011: Ab in die Sonne

Heute beginnt unser Herbsturlaub. Früh muss Tom noch arbeiten und eigentlich hat er noch genug zu tun um nicht nur den Tag, sondern auch noch einige weitere zu füllen. Als Gabi ihn um 11:30 Uhr wie versprochen abholt ist er noch voll in Fahrt. Von Urlaubsgefühlen noch keine Spur. Doch das ändert sich hoffentlich bald, denn wir fliegen ja immerhin nach Utah zum Wandern – wenn alles so klappt wie geplant, ist der Urlaub gespickt mit Highlights und einer Mischung aus „Dinge, die wir immer schon machen wollten“ und anderen, die so Off-the-beaten-Path sind (also sehr Individualtouristisch), dass ohne Vorbereitung hier gar nichts gehen würde (mehr später).

Das mit dem Fliegen in den USA ist so eine Sache. Die Inlandsflüge sind leider nicht so günstig wie etwa in China, so dass wir uns für die Billigfluglinie Spirit entscheiden. Die Kollegen meinen, die sei schon OK. Wir buchen also schon einige Wochen im Voraus die Flüge. Und schon jetzt merken wir, hier kostet alles extra: Sitzplatzreservierung oder gar einen Koffer mitnehmen. Handgepäck, das die lachhaft kleinen – vorgegebenen – Maße übersteigt, Getränke an Bord, alles ist mit einem weiteren Obolus verbunden… wir versuchen also mit einem Koffer aus zu kommen (und das bei Gabi als Mitreisende). Fast 60 Dollar pro Koffer sind schließlich kein Pappenstil. Deshalb haben wir schon 2 Tage vor dem Abflug den Koffer probegepackt, umgepackt (Gabis Wanderschuhe in den Rucksack), neu verhandelt („Brauchst Du wirklich diese Shirts?“), Dinge wieder entfernt („Ich verzichte freiwillig auf meine Badeschlappen!“), ersetzt („Ich pack Unterwäsche ein, die wir dort wegwerfen können!“) und der Koffer hatte immer noch Übergewicht. Also noch mehr ins Handgepäck und Alternativpläne geschmiedet („Wir kaufen Duschgel und Shampoo in Utah!“). So glauben wir die Regeln der Fluggesellschaft einhalten zu können. Zumindest Tom. Gabi glaubt die ganze Zeit, das Ganze sei völlig überzogen… wir werden sehen, wer Recht hat.

Zurück zum Freitag: Noch schnell ein von Gabi organisiertes Panini von Panera Bread gegessen und schon steht das bestellte Taxi vor der Tür. Die öffentliche Nahverkehrsanbindung zum Flughafen ist ja leider nicht so, dass sie uns etwas helfen würde, so dass wir auf Taxis angewiesen sind. Am Flughafen haben wir noch dicke Zeit und stehen auch nur in einer Schlange von weniger als 10 wartenden Passagieren, die bei Spirit einchecken wollen. Doch das dauert. Die Grundgeschwindigkeit des Personals ist scheinbar linear gekoppelt an deren Gehalt. Wir sind dann irgendwann an der Reihe und der Typ hinter dem Tresen macht uns klar: 4 Pfund zu viel (44 statt 40 Pfund im Koffer) kosten 20 Dollar Übergepäck und Gabis Rucksack ist zu hoch, das solle auch noch mal extra kosten. Tom packt also schnell seine Wanderschuhe aus und zieht diese an. So kommen wir mit 40.5 Pfund mit dem Koffer durch. Gabi baut geschwind ihren Rucksack um und stopft sich die Hälfte der Dinge in ihre Jackentaschen! Jubel! So kommen wir ohne den Halsabschn… ähhh der Fluggesellschaft weitere Dollar zu schulden an unsere Tickets. Wir trauen uns schon gar nicht zu fragen, was ein Lächeln des Angestellten gekostet hätte. Sicherlich unbezahlbar. Gabis triumphierender Gesichtsausdruck als ihr Rucksack für OK befunden wurde, ist jedenfalls eine Million Dollar wert.

Hinter der Sicherheitskontrolle ist das Gate nicht weit, vom Flieger aber leider keine Spur. Dieser hat 45 Minuten Verspätung. 45 Spirit-Minuten. In einer Zeiteinheit von Normaldenkenden sind das ca. 90 Minuten. So kommen wir also erst deutlich später als geplant in den Genuss in den Flieger einsteigen zu dürfen. Dieser ist ein älterer Airbus, der ganz eindeutig nach Katzenklo stinkt – wirklich übel – und die Sitze in der Kategorie „Verranzt“ einen Preis gewinnen würden. Doch 3.5 h später landen wir tatsächlich wohlbehalten in Las Vegas. Die Gruppe „wir knallen uns schon im Flieger weg, koste es was es wolle“ hinter uns, das Kind daneben, das vor Langeweile den halben Sitz zerlegt und viel zu enge Sitzreihen machen den Flug zu keinem Wohlgenuss.

Doch wir sind im lang ersehnten Las Vegas. Wir haben hier in einem Casino für sieben Tage eine Unterkunft gebucht, so dass wir nach Herzenslust zocken können…

Ähhh TOM!. Moment, da stimmt was nicht… also bitte noch mal auf Anfang und ein neuer Versuch!

Unser Gepäck ist eines der ersten und der Shutte Service zum Mietwagen wartet quasi auf uns, so dass wir rekordverdächtige 40 Minuten nach der Ankunft schon in unserem Mietwagen sitzen, einen der kleinsten Kategorie, mehr brauchen wir ja auch nicht…

TOOOOM. Das mit den 40 Minuten stimmt ja, aber was den Mietwagen betrifft, lügst Du doch schon wieder unsere Leser an!

Also gut. Wir sitzen in einem fast nagelneuen goldfarbenen Chevy Escalade. Ein vierradgetriebener Traum an SUV. Aber viel Platz haben wir hier trotzdem nicht…

TOOOM!!

OK. Also, von den sieben verfügbaren Sitzen brauchen wir nur zwei, doch die hintere Reihe kann man Umlegen und man erhält so einen Megakofferraum. Hier findet unser Koffer sowie die beiden Rucksäcke gerade so Platz 🙂 (Ich habe einen Smilie eingefügt um einer weiteren Rüge zu entgehen)

Und wir sind schon auf dem Weg aus Vegas heraus. Es ist halb acht Uhr abends und schon stockdunkel. Unser Motel ruft uns gerade an, ob wir noch kommen. Ähhh. Logisch! Sonst hätten wir ja nicht gebucht!

Wir ignorieren die Casinos und den Menschenauflauf am Strip und fahren nur hinter den Casinos und berühmten Hotels (Gabi: „wie Luxor und wo wir halt noch vorbeigefahren sind – ich weiß nett, wie die alle heißen“… „Romolus und Remus da…“) – also sowas wie Cesars Palace, Excalibur usw. auf der Autobahn vorbei. Doch auch von hier sieht man Geblinke und Geglitzer. Uns reicht, was wir sehen…

Die Stadt liegt bald hinter uns und aus dem Lichtermeer wird eine tiefe Dunkelheit durch die wir mit fast 80 Meilen brausen. Wir haben noch eine 2 h Fahrt vor uns, aus Nevada heraus, durch einen Zipfel von Arizona ins südliche Utah. Hier haben wir ein Motel für 49 Dollar namens Chalet in St. George für eine Nacht gebucht. Die Ratings sind super und wir extrem überrascht, als wir kurz vor 11 Uhr (nachdem Utah Mountain Time hat, haben wir noch mal eine Stunde verloren) in unserem Zimmer ankommen. Küche, Bistrotisch, großes Bad… nett, sauber, gemütlich. Hier werden wir am letzten Tag unseres Urlaubs noch mal Station machen – und wir haben das schon vorgebucht, denn wie wir erfahren ist das Motel immer schon mindestens eine Woche vorher ausgebucht. Wir verstehen warum.

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