Dienstag 25.10.2011: Eine langweilige Fahrt nach Excalante?

Tom wacht in den frühen Morgenstunden auf und hört Wasser plätschern. Da die Vorhersage 0% Regenwahrscheinlichkeit angesagt hat, wird wohl jemand duschen und Tom schläft beruhigt wieder ein. Als wir aufstehen sehen wir strahlend blauen Himmel im Fenster über uns. Also nur ein Albtraum. Doch als Tom das Fenster zum Lüften öffnet ist der Rasen vor dem Haus verschwunden und an seiner Statt ziert nun ein großer See den Garten. Wir lassen uns davon jedoch die Laune nicht trüben, denn Tom stellt nach einem Blick auf den Wetterradar fest, dass es sich nur um ein paar Wolken gehandelt hat, die jetzt hoffentlich vorbei sind. Nach dieser guten Nachricht schmeckt auch heute das Frühstück. Scott hat einen dekadenten Brotpudding gezaubert, der uns zusammen mit angebratenen Würstchen und frischem Obst eine satte Grundlage für den Tag bietet. Die anderen Gäste sind froh, uns zu sehen. Gestern Abend saßen diese nämlich schon bei Cocktails in der Küche, als wir nach Hause kamen. Sie waren schon unruhig, wo wir denn geblieben sein könnten. Und wir waren so fertig, dass wir gleich unter die Dusche gekrochen sind und uns dann ins Bett verzogen haben.

Was haben wir außer Cocktails wohl noch verpasst?! Kaum kommt die Frage auf, schon macht das Pärchen aus Kalifornien klar, dass es am Tag vor unserer Ankunft ein geniales Avocado-Himbeer-Halbgefrorenes zum Frühstück gab. Natürlich von Scott selbst gemacht. Scott grinst nur und packt die Reste, die er eingeforen hatte, aus. So kommen wir auch noch in diesen Genuss, wenn auch das Halbgefrorene eher zum Ganzgefrorenen geworden ist. Wir rechnen kurz durch, ob wir von unserer nächsten Unterkunft aus jeden Morgen zu Scotts Frühstück fahren können 😉 – leider wäre das eine tagesfüllende Beschäftigung. Daher schnell zusammengepackt und ab die Post, denn heute müssen wir „back on the road“.

Um nach Osten weiterfahren zu können, gibt es nur einen Weg durch den Zion N.P.. Es geht die roten Bergwände in steilen Serpentinen hoch. Wieder einmal beschert uns das atemberaubende Ausblicke! Oben angekommen, geht’s 1,1 Meile durch einen Tunnel. Dieser wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fertiggestellt und ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst – allerdings hält Gabi das nicht davon ab, ob der fehlenden Rettungsröhren oder –wege ein richtig mulmiges Gefühl zu entwickeln. Doch wir kommen gut durch und sind auch schon an der ersten Wanderung unseres Tages angelangt – die wir nur dank Scotts leidenschaftlicher Schilderung in unseren Plan aufgenommen haben. Auf den Felsen neben dem Parkplatz posieren netterweise Bergziegen für ein paar hübsche Fotos. Jetzt aber los! Der Brotpudding muss schließlich abgearbeitet werden! Nur eine Meile geht es den Berg hoch zum Canyon Overview. Über einen wunderschön abwechslungsreichen Pfad erklimmt man einen phantastischen Aussichtspunkt. Gabi kommen wieder mal die Tränen vor Begeisterung. Und das, obwohl wir hier wohl eine der Tourispaziergänge schlecht hin gemacht haben – immerhin sehen wir viele Touristen, manche in Badeschlappen (und der Weg ist durchaus naturbelassen) oder andere, von denen wir nicht wissen, ob sie ohne Herzattacke es wieder zurückschaffen werden.

Die nächste Wanderung nach Toms Plan lauert keine 15 Minuten von der ersten entfernt. Während die Wanderung vorhin eine „offizielle“ war, haben wir nun die Natur ganz allein für uns. Wir sind hier im Hochland des Zion N.P. Dieser unterscheidet sich dramatisch vom Tal. Steile Felsen, geschichtet in Millionen unterschiedlicher Platten und dazwischen Büsche und Sträucher, die dem kargen Boden trotzen, dominieren das Bild. Hier war auch Tom noch nie wandern. Wir haben einen Slot Canyon namens „Keyhole“ ausfindig gemacht. Dieser ist eigentlich gleich „neben der Straße“ gelegen, allerdings völlig unausgeschildert nur Eingeweihten vertraut. Von diesem interessiert uns eigentlich eher der obere Teil, der nicht ganz so einfach zu erreichen ist. So geht es erst einmal den steilen Felsen ein gutes Stück hinauf – die Beschreibung sagt, wir müssen über ein Felsplateau an dem einen Felsdom vorbei, den wir weit über uns erblicken. Diesen erreichen wir schon ziemlich außer Atem, um danach den Abstieg in den Canyon zu offenbaren, der in der Beschreibung als sandig und steil beschrieben ist. Dies kommt dem, was wir jetzt sehen nicht im entferntesten nahe. Der Abstieg wären ohne Kletterausrüstung komplett unpassierbar, wären da nicht dicke Wurzelstränge, die den Abhang hinabreichen. So klettern wir eher die Wurzeln, denn den Fels hinab in den Canyon unter uns. Links von uns sehen wir schon die von uns gesuchte „Enge“, also Felswände die dicht aneinanderstehen und kaum Platz zum Passieren bieten. Leider ist der Weg nach 10 Metern durch eine tiefe Pfütze versperrt. Wir haben unsere Wasserschuhe natürlich im Auto gelassen – so dass wir uns dafür entscheiden uns lieber den oberen Teil anzukucken. Hier dasselbe Bild – eine lange Wasserpfütze macht das weitere Passieren ohne nasse Füße nicht möglich – eindeutig Auswirkungen der „0% Regenwahrscheinlickeit“ von heute Nacht. Wir sind aber auch so schon sehr begeistert über den kurzen Ausflug und wie eigentlich immer ist das Erklimmen des Abhangs mit Hilfe der Wurzeln wieder viel einfacher als der Abstieg. Auf dem Felsplateau genießen wir noch ein bisschen die Sonne und die Aussicht und dann geht es steil bergab wieder zum Auto.

Jetzt liegt erst einmal eine längere Fahrt vor uns zu einem weiteren Canyon, den wir untersuchen wollen. Alleine schon die Anfahrt klingt toll und so finden wir uns auf einer Sandpiste wieder. Der Sand wird immer tiefer. Auf Toms Stirn bilden sich Sorgenfalten. So segeln wir eher als dass wir fahren einen leichten Hügel hinunter, als Tom beschließt, dass wir besser umdrehen. Eine weise Entscheidung! Wir kommen dank unseres Allradantriebes gut den ersten Teil des Hügels wieder hinauf, als das #%$§ Auto beschließt, einfach den Allradantrieb auszuschalten. Warum auch immer. Die Konsequenz ist unmittelbar spürbar. Wir bleiben stecken und die Vorderräder graben sich ein. Die darauf folgenden Ausrufe von Tom sind nicht für Kinder geeignet 😉 Nach einer Schrecksekunde werden wir wieder vernünftig. Was macht der kluge Deutsche in einer solchen Situation? Klar, er liest die Bedienungsanleitung. Dumm nur, dass im Handbuch zum Allradantrieb nur geschrieben steht, dass sich der Fahrer absolut keine Sorgen machen braucht. Das Auto schaltet den Allradantrieb ganz von allein zu. NEIN! TUT ES NICHT! Nachdem uns die Autoprogrammierer also im Stich lassen, muss der alte mechanische Trick herhalten.

Gabi klemmt sich hinters Steuer und Tom schiebt. Erst denken wir, auch das klappt nicht und wir müssen zum letzten Haus laufen – doch etwas Schaukeln befreit das Auto und Gabi fährt erstaunlich gut mit Vorderradantrieb den Sandhügel hoch. Tom läuft hinterher – nur nicht anhalten! So haben wir heute auch wieder unsere Portion Abenteuer konsumiert und der Canyon kann uns – zumindest für heute – gestohlen bleiben. Gabi legt etwas beruhigende Musik auf und so fahren wir zu einem Alternativziel. Natürlich hat Tom sowas im Gepäck. Der Kodachrome-State Park liegt etwas abseits und es ist heute ja Dienstag. Wir machen heute dort also einen hohen Prozentsatz der Tagesbesucher aus 😉 Wir erwandern die besten Blicke auf die für den Park signifikanten Kamine (versteinerte Lavakanäle, um die herum der Berg wegerodiert ist). Wir sind ganz allein unterwegs. Gabi verlangt nach einer Portion Arch (Steinbogen). So quälen wir uns auch noch durch diese 1,6 km lange Wanderung – unsere Beine sind immer noch schwer von gestern. Immerhin kann Tom noch ein paar Panoramabilder machen. Gabi besteht im Gegenzug noch aufs Ablichten einer Kuh von Nahem. Diese laufen nämlich hier frei rum und stehen auch schon mal auf der Straße. Erst lästert Tom, doch dann muss er zugeben, dass so ne Kuh direkt vor seiner herunter gelassenen Scheibe schon lange Hörner hat. Das Tier tänzelt nervös und daher düsen wir direkt nach dem „Klick“ weiter, bevor wir der Autovermietung noch zwei große runde Löcher in der Fahrertür erklären müssen 😉

Wir haben nun noch eine einstündige Autofahrt vor uns. Dank der bombastischen Kulisse ist diese ratzfatz abgefahren und wir checken im Circle D-Motel in Escalante ein. Das Motel kennt sogar Gabi noch aus 2008. Supermarkt und Restaurants sind … beide vorhanden, mehr gibt es über dieses verschlafene Kaff leider nicht zu sagen. Egal, wir werden satt und sind wieder mal so müde, dass wir die „Tagesthemen“ wohl nicht erleben werden 😉

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