Donnerstag, 27.10.2011: Dreifacher Schlitz

Heute ist der Morgen nur eines: Sonnig 😉 Wir frühstücken Muffins (Gabi) bzw. kalte Pizza (Tom) und beeilen uns, auf die Piste zu kommen. Das ist wortwörtlich gemeint. Die Piste heißt „Hole-in-the-Rock-Road“ (Loch-im-Felsen-Weg“) und ist eine Schotter- bzw. Lehmstraße, die uns ins Hinterland vom Grand Staircase zu drei Slot Canyons („Schlitz-Schluchten“ 😉 Tom: „Diese Übersetzung ist pervers“) führt. Der Weg ist hügelig, kurvig und von Fels- und Sandwüste umgeben. In der Ferne glitzern Bergmassive im Morgenlicht. Das ist Tom wurscht, er genießt den Fahrspaß, während Gabi damit kämpft, den Muffin bei sich zu behalten 😉

Wir finden eine Abzweigung ungefähr da, wo Tom aufgrund Vorab-Recherche einen Pin im Navi gesetzt hatte. Doch nach weiteren knapp 10 Minuten auf der immer holpriger werdenden Strecke zweifeln wir, noch richtig zu sein. OK, nach der nächsten Kurve drehen wir…. Halt, die Kurve offenbart den Parkplatz für den Wanderweg. Wussten wir doch gleich… 😉 Wir sind erst das zweite Pärchen, das erste packt auch gerade ihren Rucksack – allein mit der Natur, was für Aussichten….

Zuversichtlich wandern wir, warm eingepackt los in die Wüste. Für alle LeserInnen, die wie Gabi bei „Wüste“ nur an eine heiße, ebene Sandfläche mit wenigen Büschen und Kakteen denken: Unser Autothermometer zeigt auf der Herfahrt 0 Grad C. an, diese Wüste hat viele niedrige Sträucher und Bäume und nur ab und zu Kakteen. Sand wechselt sich mit Felsen oder Sandstein ab und vor allem: Es ist ein Gebirge. Das macht die Orientierung schwer, denn jedes mal, wenn man einen Hügel überquert hat, wartet der nächste auf einen und der Parkplatz oder die Straße sind eh schon nach dem ersten Hügel aus unserer Sicht verschwunden. Gut, dass der Wanderweg mit vielen Hoodoos (kleine Steinpyramiden) gekennzeichnet ist. Blöd, dass sich die Hoodoos-bauenden Wanderer nicht immer einig sind und so gibt es verschiedenste Wege in die Tiefebene, die den Zugang für die 3 Canyons freigibt… 😉 Wir entscheiden uns für einen Weg, der uns zum Schluss einen sandigen steilen Hügel herunterbringt. Sicher nicht der offizielle, aber ein halbwegs begehbarer Weg. Kaum die Ebene erreicht, stolpern wir schon in den Eingang des ersten Canyon: „Left Fork of the Dry Gulch“. Obwohl dieser NICHT auf Toms Tagesplan steht, beschließen wir nach einem kurzen Blick auf unsere Karte, mal reinzuspitzen 😉

Und wieder: Gerade als wir umkehren wollen, weil die Canyonwände so weit auseinander stehen, dass das Wandern hier voll langweilig ist – verändert der Canyon sein Gesicht! Er wird eng, es liegen viele Steinbrocken darin. Das heißt Klettern. Wir sind darin ja jetzt geübt und auch Gabi hat keine Scheu mehr, Ganzkörpereinsatz zu zeigen. Das heißt z. B. Po/Rücken die Wand entlang schrubbeln, auf der gegenüberliegenden Canyonseite mit den Beinen abstützen usw. Wenn man sich erst mal vom Gedanken an eine adrett aussehende Jacke verabschiedet hat, setzt man auch Ellenbogen und Schultern gewinnbringend ein. 😉 Da es ja vorgestern Nacht hier geregnet hat, ist der Boden ziemlich matschig und unsere Schuhe sind bald ob der Lehmbatzen doppelt so schwer. Da wird mit Dreck geschleudert und die Hosen haben bald einen Ockerüberzug. Zumindest wird uns langsam warm und so gehen wir den Canyon fast bis zum Ende durch. Die am Anfang 40 Meter hohen Felswände fallen zunehmend ab und daher kehren wir um, bevor wir unseren Kopf aus dem Canyon herausstrecken können. Schon ist es 11.30 Uhr, als wir wieder am Eingang ankommen. Das, ohne überhaupt unser Tagespensum begonnen zu haben…

Keine 100 Meter vom ersten Canyon entfernt finden wir den „offiziellen“ Eingang für den Canyon namens „Peek-a-Boo“. Leider ist dieser von einer sehr tief aussehenden Wasserpfütze versperrt. Doch Tom hat natürlich Plan B in petto. Er war hier schon mal und ist damals an einer niedrigen Stelle mittendrin eingestiegen. Also folgen wir einem leicht sichtbaren Trampelpfad an der Canyonwand hinauf und suchen uns einen halbwegs lösbaren Abstieg. Kaum ist dieses Hindernis überwunden und wir erfreuen uns an diesem richtig engen Canyon mit sehr hübschen Steinauswaschungen in den Canyonwänden – als wieder eine tiefe Lehmwasserpfütze den Weg versperrt. Nun folgt eine Diskussion. Tom will die Wasserschuhe mit Neoprensocken nutzen, die wir „ja extra für diesen Zweck“ mitgebracht haben. Gabi hatte immer fließendes, sauberes Wasser im Kopf, als sie zugesagt hatte, im Wasser zu wandern. Diese Dreckpfützen findet sie nur widerlich. Wer weiß, welche Wasserspinnen hier lauern? Wenn man den Boden eines „Gewässers“ nicht sehen kann, sollte man schon misstrauisch sein, oder? 😉 Schließlich lässt sich Gabi überreden, aber nur mit dem vorwurfsvollen Hinweis in Richtung ihres Ehegatten „Das mache ich nur DIRZULIEBE. Hier brauchst Du einen Bonus auf““. 😉

Tatsächlich: Das Wasser ist knietief, kalt und widerlich, der Boden matschig und ungemütlich (Tom: „Einfach geil“). Wir drecken weiter ein, Unterschenkel, Hände, Jacken, Po, alles ist voller Lehm und Spritzwasser (Tom: „Eine Dramatisierung Gabis ihres Ekels geschuldet. Eigentlich sind nur die Unterschenkel leicht verspritzt – und natürlich die Hände staubig – doch die drei Krümel kann man locker von der Jacke trocken wegwischen…“). Doch der Canyon macht den Ekelfaktor wieder wett durch unglaublich enge Passagen, leuchtende Felsformationen, Steinbögen und skurril geformte Auswaschungen im Felsen. Gepaart mit Kletterspaß macht das eine glatte 1- im Canyonzeugnis (das Minus ist wegen dem Ekelwasser 😉 )
Wir klettern auf der anderen Seite des Canyons heraus und lassen unsere Füße in der Sonne trocknen. In der Sonne ist es angenehm warm, doch mehr als 20 Grad hat es heute auch hier wohl nicht. Wir begegnen einem weiteren Pärchen, das uns den Tipp gibt, von hier aus zum letzten Canyon quer über den Höhenzug zu wandern. Nach einem kräftezehrenden Aufstieg auf einer Sandpiste kommen wir auch wirklich am hinteren Ende von „Spookie“ wieder heraus. Dieser Canyon hat von Beginn an hohe Felsenwände und ist äußerst eng, so dass Tom sich grade noch so durch quetschen, aber nicht mal die Hüften drehen kann. Ein Kletterspaß vom Feinsten – und zwar manchmal leicht matschig, aber hier stehen uns keine Wasserpfützen im Weg. Das gibt bei Gabi dicke Pluspunkte. Unsere Entdeckungstour endet leider nach ein paar Hundert Metern, da viele große Felsbrocken nacheinander in der Canyonwand klemmen und wir 4 Meter in die Tiefe springen müssten, um weiterzugehen. Das wollen wir lieber nicht riskieren, vor allem da wir nicht wissen ob wir auf der anderen Seite wieder herauskommen…

Also kehren wir um, müssen wieder den steilen Hügel rauf, eine Sandpiste runter und dann immer an den Canyonwänden entlang, bis wir auf der anderen Seite von „Spookie“ einen neuen Versuch wagen können. Obwohl wir irgendwann unseren Rucksack zurücklassen, steckt Tom bald darauf wirklich fest – hier ist für ihn kein Weiterkommen. Da Gabi auch schon wieder müde und hungrig ist (wir waren so leichtsinnig, die Sandwiches im Auto zu lassen), entscheiden wir uns für den Rückweg. Nach ca. 20 Minuten immer einen breiten schlammigen Wash (Flussbett für Springfluten) entlang finden wir auch den offiziellen Wegweiser für den Aufstieg zum Parkplatz (intelligenter Weise haben wir auch ein Navi dabei und auf dem Herweg einen Wegpunkt gesetzt). Wieder heißt es endlose Sandhügel hinaufzuschnaufen, nach dem nächsten Hoodoo zu suchen und sich Felsen entlangzuhangeln. Ein Hügel folgt dem anderen und der Blick über eine Hügelspitze gibt nur die Sicht auf weitere Hügel frei. Es gibt zwar endlos viele, durch den Regen ziemlich verwaschene Fußspuren hier, aber Gabi kann keine Hauptroute feststellen, zumal ja der Weg auch immer wieder auf Felsen entlang geht. Ohne Hoodoos wäre eine Gabi auf sich allein gestellt restlos verloren in der endlosen Wüste. Vermutlich auch mit Hoodoos 😉 Aber zum Glück hat sie ja ihren Ehemann an ihrer Seite der sie sicher wieder zum Auto zurückführt. Wo wir uns wie wilde Tiere auf unsere Brote stürzen 😉 – es ist jetzt kurz vor 16 Uhr, da wird ja wohl nach kaum vorhandenem Frühstück ein kleines Mittagessen drin sein!

Die Rückfahrt bis zum „Devils Garden“ nutzt Gabi, um ihre Kenntnisse im Off-Road-Fahren wieder aufzufrischen. Unter Toms Anleitung kurvt sie um Schlaglöcher, Schlammpfützen und Steine herum, über für sie angsteinflösende Schrägen und Winkel und sucht immer nach dem besten Weg. Zurück auf dem etwas besseren Schotter-/Lehmweg, gibt sie auch mal mehr Gas ;-), so dass wir erst mal an unserer nächsten Abfahrt vorbei“rasen“. Doch Wenden auf der engen Lehmpiste ist für Gabi ein Klacks 😉 und so sind wir bald am nächsten Parkplatz. Der Devils Garden ist eine Ansammlung von natürlichen Felsnadeln und Hoodoos, die mehrere Meter hoch sind. Ein Steinbogen ist auch zu finden. Alles in allem zwar nicht mehr als ein netter kurzer Spaziergang und ein paar schöne Fotomotive, aber wir merken eh schon unsere müden Beine und sind froh, uns wieder auf die SUV-Sitze plumpsen lassen zu können 😉 Gabi ist so geschafft, dass sie schon am Rückweg einpennt. Ach ja, Tom hatte vorher wieder das Steuer übernommen 😉

Wir Abenteurer gönnen uns noch einen Beerenstreuselkuchen (Tom) bzw. einen Wachmacher-Cappuccino (Gabi), bevor wir uns und unsere Schuhe und Neoprensocken im Motel einer Grundreinigung unterziehen. So dreckig war Gabi ihr ganzes Leben noch nie gewesen. Tom: „Warst Du denn nie Kind?“ Gabi: „Ich bin ein Mädchen“ 😉 Tom: „Und deine Barbie hat nie im Dreck spielen dürfen….“.

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