28.11.2011: In der Adventsbäckerei

Im Dezember 2010, kurz vor unserer Abreise in die neue Welt, hatte Gabi in weiser Voraussicht kleine Päckchen beim Wurzelsepp besorgt. Braunes und weißes Pulver… Versteckt in Socken und Wäsche hat dieses den Weg im Container nach Buffalo Grove gefunden. Gabi hat sich bis zur Ankunft damit amüsiert sich vorzustellen, wie die Zollbeamten und fies aussehende Schäferhunde das Pulver beschnuppern… Doch niemand entdeckt das Lebkuchengewürz und das Hirschhornsalz – Tom: Naja, Es fällt halt auch zwischen den hundert anderen Gewürzen die wir einführen, gar nicht auf ;-).

So macht sich Gabi eines frühen Dezembermorgens auf, die neue Welt mit alten Genüssen zu missionieren. Dank des geheimen 😉 Familienrezeptes ihres letzten Chefchefs sollte ein voller Erfolg vorprogrammiert sein. Selbst in Amerika müsste es doch die restlichen Zutaten wie gemahlene Haselnüsse oder Schokoguss geben. Weit gefehlt. Nachdem wir keine Küchenmaschine haben, bleibt uns nichts anderes übrig, als die ganzen Nüsse im Kräuterhächsler zu mahlen. Sieht doch schon ganz gut aus, denkt sich Gabi noch. Dank der Lebkuchenglocke, die in keinem Haushalt fehlen sollte, sind die über 70 Lebkuchen auch relativ schnell ordentlich und hübsch auf Bleche aufgereiht. Schnell muss auch noch der Tisch als Ablage herhalten, da wir wieder in die Gefilde der Großbäckerei vorgedrungen sind…. Nach der laaaaaaangen Trockenphase ist es schon ziemlich spät 😉

Gabi schiebt also die erste Ladung in den Ofen und nutzt die 15 Minuten Backzeit, um schnell zu duschen. Als sie wieder nach unten kommt, sind aus den vielen, mühselig geformten Lebkuchen eine rechteckige, das komplette Blech ausfüllende Lebkuchenmasse geworden. Sch… Was war passiert? Nach Beratungen mit allen erfahrenen Bäckerinnen in unserem Dunstkreis vermuten wir, dass durch die nicht so fein oder ungleichmäßig gemahlenen Nüsse nicht genügend Eiweißmasse gebunden wurde. Wie auch immer. Als Tom die Bescherung sieht, will er die Teile gleich entsorgen. Doch nicht mit Gabi. Schließlich hat sie sich ja stundenlang in die Küche gestellt. Toms Bedenken: „Wir können doch keine unförmigen, viereckigen Lebkuchen verschenken“ bügelt sie ab: „Die Amis wissen doch gar nicht, wie die eigentlich auszusehen hätten. Hauptsache sie schmecken gut.“ Das tun sie, wie wir durch regelmäßige Geschmackskontrollen feststellen.

Doch der holprige Schaffensweg ist noch nicht zu Ende. Es fehlt ja noch der Guss. Ihr denkt, kein Problem, einfach aus dem Supermarkt besorgen? Möööp, kannste vergessen. Die Backabteilung eines Ami-Einkaufsladens ist winzig (ganz im Gegensatz zu den endlosen Regalen für Fertiggerichte oder Frühstücksflocken). Schokoguss oder Kokosfett ist dort nicht zu finden. Der europäische Laden in Vernon Hills hat nur noch 2 Päckchen. Hm, Gabi improvisiert. Neben einem wirklich gut gelungenem Zuckerguss aus Puderzucker und Wasser werden Tonnen von Milkaschokolade geschmolzen. Die weiße Schoki kriegt sie einfach nicht flüssig genug, um sie verstreichen zu können. Vielleicht hat sie doch zu viel Butter hinzugefügt… Egal, Vollmilchschokolade sollen die Lebkuchentrios vervollständigen. Der Überzug ist zwar recht dickflüssig und dauert ewig um zu trocknen, es sieht aber ganz gut aus. Doch nach einigen Tagen der Schock: Es erscheinen weiße Flecken auf der Vollmilchoberfläche. Tom panikt und redet von Schimmel, will nichts mehr essen. Gabi verzweifelt beinahe. Die Lebkuchen sollten doch als Weihnachtsgeschenke für Toms Mitarbeiter/Kollegen dienen…. Also fängt sie an die Päckchen dafür zu packen, um so viele unbefleckte Lebkuchen wie möglich vor Toms Qualitätskontrollen zu retten. Gott sei dank reichen die dunklen und zuckergussartigen auch gerade so, um alle geplanten Adressaten zu beschenken. Später erzählt uns Hedy, die Flecken tauchen aufgrund des Milchanteils auf und sind nur visuell beeinträchtigt.

Nachtrag Tom: Der Spitzenreiter beim Vertilgen geht ganz klar an Bea, die mit eisernem Willen erst 15 Minuten verstreichen lässt, um dann alle drei Lebkuchen in Sekunden zu verputzen. Sie ist begeistert. Ihr Freund Dave daheim eher weniger, hatte er doch zumindest auf eine Kostprobe gehofft. So erbarmt sich Tom und nimmt die Box mit den ca. 20 verbliebenen Lebkuchen mit ins Geschäft und fordert Bea auf, welche raus zu nehmen. Sie nimmt sich FÜNF Lebkuchen heraus.. für Dave… und FÜNF weitere für sich selbst… wenn das mal kein Qualitätszeugnis für Gabis Backkünste ist! Auch andere Kollegen überschlagen sich mit Lob, doch kommt keiner auf den richtigen Dreh noch mehr zu kriegen … 🙂

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2 Antworten zu 28.11.2011: In der Adventsbäckerei

  1. islayfan schreibt:

    Wo ich grade am Kommentare schreiben bin… An diesem Rezept wäre ich auch seeeehhr interessiert. 🙂 Bitte, bitte? 😉 Tanja L.

  2. Beate schreibt:

    …..was macht man, wenn der Lebkuchenteig etwas zu weich ist, na? na?……… nicht gemerkt vom Hertlein’schen Rezept …..“ist der Teig zu flüssig, Kokosflocken zufügen, bis der Teig die richtige Konsistenz hat……“ 😉 – gut waren sie trotzdem (vor allem die Anne und der Papi waren ganz begeistert – wir haben die Verkostung grad noch 2011 hinbekommen – an Silvester!!)
    LG Deine große Schwester – wer sonst!

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