24.12.2011: Eine Burg für Gabi

Es ist manchmal wirklich schwer ein Geschenk vor meiner Frau geheim zu halten, doch diesmal macht sie sich ja schon 10 Tage vor mir vom Acker und so habe ich nicht nur die Chance völlig unbemerkt etwas für sie zu machen sondern leider auch eine sportliche zeitliche Herausforderung.

Seit langem schon will ich einen Blumenkasten bauen, denn unsere Fenster in unserem Haus haben keine wie in Deutschland gewöhnten Fensterbretter, sondern nur ca. 7 cm breite Holzbrettchen, wo die Jalousien sogar noch bei geschlossenem Zustand 3 cm davon einnimmt. Die Idee war also einen Blumenkasten zu bauen, der das fehlende Fensterbrett wettmacht und uns im Essbereich vielleicht sogar erlaubt, dort Kräuter zu pflanzen. Doch dann ging mit mir die Phantasie durch. Ein einfacher Blumenkasten??? Das ist nicht Tom. Wie könnte man diesen also anders gestalten? Und da kam mir eine Idee: Gabi liebt Nürnberg. und nichts steht so für Nürnberg wie die Burg. Könnte ich nicht die Frontseite des Blumenkastens mit einem Bild der Burg verzieren? Aufmalen? Schon nicht schlecht, aber was wäre denn, wenn ich die Frontplatte wie die Silhouette der Burg ausschneide?

Schon gar nicht schlecht, aber vielleicht geht ja noch mehr? Könnte ich nicht mit Stechbeiteln versuchen auch noch Struktur in diese Silhouette zu bringen? Das ist es.

Schon weit vor der Abreise geht also meine Organisation los. Bild der Burg finden, die von Kaiserburg bis Fünfeckturm alles in halbwegs gerader Linie darstellt – das Internet ist voll von Bildern, aber so eines ist gar nicht einfach zu finden, doch irgendwann finde ich eines, das gut passt.
Jim erklärt sich bereit aus mehreren alten Holzplanken, die er noch im Keller hat, mir ein Brett zu leimen, das aus weichem Holz ist und es mir erlaubt, dieses gut zu bearbeiten. Dieses bringt er irgendwann mit ins Geschäft und ich lagere es in meinem Cube. Wie übertrage ich aber das Bild auf das Brett?

Mittlerweile ist das Ganze schon ein Projekt geworden, wo nicht nur Kollegen interessiert beobachten, sondern auch mit Ratschlägen nicht sparen. Ausdrucken und abpausen war da die einhellige Meinung. Ich entscheide mich für eine einfachere: Beamer nehmen und drauf projizieren. Das geht gut. Dann mit dem Bleistift abzeichnen. Ein großes Aufgeschau im Geschäft. Doch daheim stelle ich fest, dass ich einen Projektions- UND einen Messfehler gemacht habe und ich muss noch einmal alles weg radieren und neu beginnen.

Dieser Neubeginn geschieht keine 10 Minuten nachdem ich Gabi zum Flughafen gefahren habe. Und es stellt sich daheim mit dem Brett auf zwei Stühlen platziert und darunter liegend (dein eigenen Schatten beim Nachzeichnen vermeidend) als gar nicht allzu schwierig heraus.

Für den nächsten Morgen (Montag) hatte ich dann schon mit Jim vereinbart, dass er mich mit Werkzeug versorgt. Ein Arbeitstisch (Work Mate), eine Stichsäge, Laubsäge, große Stechbeitel, Schleifmaschine und einiges mehr.

Doch wo schneide ich jetzt die Silhouette aus? Das staubt gewaltig, also entscheide ich trotz der Kälte in die Garage zu gehen, dort stelle ich den lächerlich kleinen Heizlüfter auf, in der Hoffnung, die Temperaturen zumindest über 10 Grad Celsius zu kriegen. Und dann lege ich mit der Stichsäge los. So einfach wie gedacht ist es aber nicht, denn natürlich lässt sich die Stichsäge nicht einfach so im Brett drehen. so müssen viele Entlastungsschnitte her und das Bild schält sich eher langsam aus dem Holz. Doch unter Zuhilfenahme der Laubsäge kriege ich dann auch die Bereiche freigestellt, die eine Stichsäge nicht mehr erreichen kann… schon mal gut. Noch schnell zusammen gekehrt und eine heiße Dusche genommen um wieder aufzutauen.

Die nächste Akte verlege ich in den Essbereich. Hier ist der Boden einfach zu kehren und es ist warm. Mit Feilen und Stechbeiteln gehe ich also die nächsten Tage dem Holz zu Leibe. Die Türme und Dächer werden dreidimensional gefeilt, die Details mit den scharfen Stechbeiteln aus dem Holz hervorgeholt. Immer wieder kehre ich zu denselben Stellen zurück, bis ich endlich die wahre Form erkenne, die freigelegt werden will. Am Ende bin ich eigentlich ganz zufrieden – so was habe ich noch nie gemacht und dafür sieht es wirklich gut aus.

Doch wie transportiere ich jetzt das Geschenk nach Deutschland? Nachdem ich mir schon vor dem Beginn Gedanken gemacht hatte, habe ich viele Fotos während des gesamten Entstehungsprozesses gemacht. Noch ein Video zum Schluss gedreht und am Rechner eine Videopräsentation zusammengestellt. Diese kommt auf einen Memory Stick, der dann das Geschenk „repräsentiert“. Die Videopräsentation findet ihr weiter unten…

Zwei Tage vor der Abreise wird alles fertig. Doch ich stelle fest. Irgendwas fehlt noch. So bitte ich Jim mir noch eine Bohrmaschine zu leihen und ich maile meine Eltern an, ob die schon mal Materialien für drei Miniaturflaggen organisieren können. Dann in Deutschland lege ich mit Hand an die letzten Flaggen und diese sind das Erste, was Gabi beim Weihnachtsessen in einem Baguette stecken sieht. Sie hat natürlich noch keine Ahnung, dass diese zurück in Buffalo Grove als i-Tüpfelchen auf die Dächer der Gebäude gehören…

Ach ja, natürlich bin ich nicht mehr zu dem eigentlichen Blumenkasten gekommen und so haben Gabi und ich zumindest die Chance zu überlegen, ob dies ein Blumenkasten, Wandschmuck oder Brennholz werden soll…

Ein gelungenes Geschenk? Vielleicht schreibt ja Gabi dazu noch einen Kommentar…

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Eine Antwort zu 24.12.2011: Eine Burg für Gabi

  1. Gabi Jachmann schreibt:

    Liebster Tom, ein Kommentar von mir folgt, sobald meine Burg ihren Platz im Haus erobert hat… 😉 (den Platz in meinem Herzen hat sie ja schon erhalten….;-) )… your spouse Gabi

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