07.01.2012: 8 Monate nach Afghanistan

Wir versuchen nun schon seit längerem unsere Vermieter mal zum Essen einzuladen. Julianne arbeitet als Lehrerin einer 3. Klasse, da ließe sich wohl noch ein gemeinsamer Termin finden, aber Paul ist Reservist bei der Army im Range eines Colonel. Als Reservist hat er ein lockeres Leben – denkt man. Doch offensichtlich hat er nicht nur ein unerschöpfliches Wissen über die politische Lage in Krisengebieten und wie man sich in lokalen Kulturen bewegt, sondern auch über Taktik und was für ein erfolgreiches Heer sonst noch zu lehren ist. So pendelt er fast 8 Monate im Jahr durch die Welt und unterrichtet an Militärstützpunkten. Deshalb haben sich unsere mehrfachen Einladungsversuche immer wieder verschoben. Doch diesmal klappt es und nachdem Julianne deutsche Wurzeln hat und Paul deutsches Essen über alles liebt, ist klar, dass wir nicht einfach mit einem Burrito davonkommen, sondern deutsches Essen auffahren müssen. Die Mitbringsel der Beiden sind wieder einmal überproportional. Nicht nur eine Flasche deutschen Weines (mal sehen, ob wir mal einen Abnehmer für die Spätlese finden – aber Robert kommt ja im Herbst), einer Auswahl aus Wisconsin-Käsen, nein auch eine weitere Box mit Streusalz (wir haben weder die davor noch die davor angebrochen) und Abflussreiniger gegen Haare (haben wir den davor jemals verwendet?) finden ihren Weg in unseren Besitz. Wir kontern mit einer Starbucks Tasse aus Nürnberg, die wir Paul mitgebracht haben. Er war auf seinen Reisen schon mehrfach in unserer Heimatstadt, hat es aber nie geschafft eine Tasse seiner Kollektion aus der ganzen Welt hinzuzufügen.

Geschichte am Rande, die Paul erzählt hat. Er hat eine Tasse aus der Türkei (Istanbul), die die Aufschrift Kenia trägt, denn offensichtlich wurden zwei Lieferungen vertauscht und die in Kenia verkaufen nun Türkei-Tassen 🙂 Warum die niemand zurückschickte ist das Eine – dass die dann jemand kauft ist das Andere…

Wir haben allerdings schon deutlich früher mit der Essensvorbereitung begonnen, denn wenn deutsches Essen gewünscht wird, dann fahren wir auch deutsches Essen auf. Es gibt als Vorspeise ein schnell von Tom gezaubertes Waldpilzsüppchen aus dreierlei Pilzen mit zerstoßenen roten Pfefferkörnern, frischer Petersilie und einem Schuss Sahne – einfach, schnell, dafür aber sehr lecker.

Als Hauptgericht machen wir gemischten Braten aus Schwein, Truthahn und Rind mit selbst gemachten Semmelknödeln und selbst gemachtes Blaukraut. Als Nachtisch hat Gabi schon einen Tag zuvor einen Rotweinkuchen vorbereitet – dank unseres tollen Ofens hat dieser 20 Minuten länger gebraucht um zu backen als gedacht, er schmeckt aber wirklich super (auch wenn Gabi in der Mitte etwas Klunschigkeit festzustellen glaubt)…

Unseren Gästen schmeckt das Essen, gar nicht zu reden von den Nachschlägen, die nicht nur ihren Weg auf Pauls, sondern auch auf den Teller der zierlichen Julianne finden.

Angenehm auch, dass man bei den beiden z.B. politische Themen nicht aussparen muss und so diskutieren wir ein bisschen (wenn auch eher oberflächlich) über die Griechenlandkrise, Europa, die Schulden der USA, Irrsinn von Regierungen weltweit – und über die Tatsache, dass Paul verkündet, dass er im Frühling für ein dreiviertel Jahr nach Kandahar, also Afghanistan, muss. Man hat ihm erklärt, er wäre handverlesen worden und die damit verbundenen noch einmal steigenden Pensionsansprüche scheinen ihr restliches getan zu haben, um ihn davon zu überzeugen. Julianne wirkt gar nicht begeistert. Wir drücken ihm die Daumen, dass er heil zurückkommt!

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