08.01.2012: Von Bibbern und Bibern

Es ist Sonntag und wir sind träge. Doch die Sonne scheint verlockend, es ist nur so um den Gefrierpunkt kalt und unser Diät-Gewissen ruft: Bewegung! Stoffwechsel ankurbeln! Nach einiger Diskussion mit dem inneren Schweinehund finden wir den Kompromiss der da lautet: Spaziergang.

Gabi erinnert sich an Buchkopien von Dutzenden Spaziergangs- und Wandervorschlägen hier in der Gegend, die sie Anfang letzten Jahres voller Begeisterung gemacht hat. Ausprobiert haben wir vielleicht bisher drei oder vier. Schließlich haben wir ja festgestellt: Fährst Du kürzer als 2 Stunden ins Wandergebiet, wirst Du IMMER nerviges Motorhintergrundgeräusch haben. Das törnt uns normalerweise ab. Doch wir wollen ja den Waffenstillstand mit unserem Schweinehund nicht gefährden und daher geht’s los. In unschlagbaren 10 Minuten sind wir im Ryerson Woods Preserve, einer von zahllosen kleineren Parks hier in der Gegend. Er schmiegt sich an die Flussauen des Des Plaines Rivers, der sich auf dieser Strecke naturbelassen durch die Landschaft schlängelt. Der Park hält für uns gleich mehrere Überraschungen bereit:

Vom geschleckten „wir kämmen die Grashalme“-Motto so einiger Parks ist hier nichts zu finden. Im Waldbereich laufen wir an entwurzelten oder abgebrochenen Bäumen vorbei und bewundern mächtige liegende Baumstämme uns unbekannter Bäume (sehr ausgeprägte Rinde). Vor allem fasziniert uns ein Bereich am Fluss, der fest in der Hand einer großen Bibersippe zu sein scheint. Durchgebissene Baumstümpfe, umgefallene Bäume und halb angefangene Stämme regen uns an, die Gedanken der Biberfamilie weiter zu spinnen. „So ein Mist, ich bin hinter Plan, jetzt muss ich zum Winterschlaf in den Bau und ich hab den Baum nicht mehr geschafft…“ Tom will gleich helfen, doch ich überzeuge ihn dann doch davon, die bissige Arbeit den Fellexperten zu überlassen…

Am „Wander“weg liegen auch zwei alte Hütten von Einwander-Einsiedlerfamilien, die restauriert wurden. In einer ist sogar eine kleine Ausstellung über die Gegend, die ehemaligen Bewohner und die Bemühung zur Renaturierung des Flusses. Gabi schüttelt es trotzdem bei der Vorstellung, hier einen Winter zu verbringen, ohne Elektrizität, meilenweit von jeder anderen Siedlung entfernt. Selbst die Biber schlafen ja und tragen nicht zur Unterhaltung bei – was hat man da nur gemacht…

Es gibt hier sogar so etwas wie ein Besucherzentrum in einem auf „herrschaftliche Villa“-gemachten Gebäude. Wir wollen uns gerade dran vorbei schleichen, als die Tür aufgeht und uns Mitarbeiter gerade dazu drängen, einzutreten. Denn es findet dort gerade eine kleine Fotoausstellung statt und es gibt sogar Häppchen. Man hat dort wohl mit mehr Publikum gerechnet und so sappen wir mit unseren schlammigen Schuhen über den Holzboden und die teuer aussehenden Teppiche und schauen uns die – zugegebenermaßen – interessanten Fotos der Ausstellung an. Was ein Naturspaziergang in Illinois so alles beinhaltet… Schließlich gelangen wir noch zu dem an den Park angrenzenden, großen Bauernhof, der Schafe, Ziegen und Hühner hält, die sich bei dem strahlenden Sonnenschein auf den Wiesen vergnügen.

Nette 2 Stunden, die uns unser Sofa-Bedürfnis (immer noch Jetlag?!) und das Autogebrumme fast vergessen lassen…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Buffalo Grove, Natur, Wandern veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s