11.01.-15.01.2012: Gegendarstellung von Tom: Ich sehe keine einzige Schneeflocke

Also ich kann gar nicht nachvollziehen, wo mein Schatz das mit dem Schnee und so wieder her hat. Wenn ich mich hier umblicke, sehe ich blauen Himmel und die Sonne scheint. Ein Fernseher mir gegenüber verkündet: High 66, Low 54, also ganz dicke Plusgrade. Der Schnee und die klirrende Kälte in Chicago nur ein Hirngespinst? Naja, ich muss wohl dazusagen, dass ich in Texas sitze 🙂 Eine etwas hirnrissige Planung hat einen Strategieworkshop auf Freitag und Samstag in Texas angesetzt, obwohl eigentlich die wenigsten Teilnehmer aus Texas kommen. So komme ich zumindest in den Genuss des Barton Creek Resort in Austin. Aber von vorne:
Mein Kollege Jay und ich fliegen Mittwoch Mittag Richtung Austin los. Jay ist im Produktmarketing und damit ideal geeignet Dinge einzubrocken, wie beispielsweise diesen Workshop. Mit der Planung und Organisation allerdings etwas überfordert, habe ich mich bereit erklärt (ich war in dem Augenblick wohl nicht ganz klaren Verstandes) ihm nicht nur bei der Vorbereitung zu helfen, sondern auch noch Moderation und Zeitmanagement zu übernehmen. Als wir zum Flughafen aufbrechen, zeugen die ersten Schneeflocken schon vom nahenden Schnee in der Chicago-Region. Unser Flieger startet mit über zwei Stunden Verspätung. Allerdings soll daran nicht das Wetter schuld sein, sondern die Tatsache, dass die Crew des Fliegers heute früh nicht auffindbar gewesen sein soll… Der Flug ist eng, ruhig und nach 20 Minuten warten am Flughafen von Austin auf ein freies Gate kommen wir dann auch irgendwann mal im Hotel an. Das Barton Creek Resort ist das #1 Golf Ressort in Texas und eines der Top Golf-Resorts in den USA. Mich kratzt das wenig bis gar nicht. Doch das Hotel ist durchaus sehr nett, ich habe ein großes Zimmer im siebten Stock mit Blick auf die Hügel und Wälder um mich herum. Unter mir liegt der große Außenpool und das Hotel ist umgeben mit Golfplätzen. Lance Armstrong kommt ja aus Austin und es wird schnell klar: Austin ist nicht wie der Rest von Texas. Grün, aber vor allem extrem hügelig. Eine sehr nette Abwechslung zur Flachheit von Illinois. Und hier ist alles etwas größer. Die Landstraßen teilweise vierspurig (pro Richtung). Riesige Autos an der Tagesordnung. In unserem Besprechungszimmer vom Sonntag haben sicherlich schon die Größen dieser Welt verhandelt, mit Cowboyhüten und dicken Zigarren. Der Tisch jedenfalls ist wuchtig-monumental mit riesigen Sternen in der Mitte.

Gleich am ersten Abend nutze ich meinen „1x unter der Woche Essen gehen“, wohl wissend, dass ich das die nächsten Tage fern des eigenen Hauses nicht durchhalten werde. Doch die Sünde ist es Wert. Kollegen wollen BBQ essen gehen und schlagen eine Tankstelle vor. Ihr habt richtig gehört. Denn hier gibt es eine sehr urtümliche Bude, wo man das beste BBQ der Stadt kriegen soll, gleich an einer Tankstelle. Rudy’s hat mittlerweile 4 Niederlassungen in Austin. Das Essen holt man sich (abgewogen nach Pfund) an einer Ausgabe und isst es dann an einer Art Campingtisch auf gewachstem Papier mit Plastikbesteck. Ich liebe solche Plätze. Eine riesige Leuchtreklame lügt „Worst BBQ in Texas“ (also schlechtestes BBQ in Texas). Wir sind zu viert und Jeff bestellt für uns Brisket, Turkey, Jalapeno Sausage, BBQ Beans, Cole Slaw und Creamy Corn. Leider schmeckt alles unglaublich lecker, so dass ich nicht widerstehen kann, noch etwas mehr zuzuschlagen als ich eigentlich sollte.

Aber das kann ich bei den Frühstücken im Hotel ausgleichen. Hier gibt es ein riesiges Buffet mit einem Koch, der aus einem Dutzend Zutaten ein Omelett nach dem eigenen Geschmack zubereiten könnte. Ich esse nur Obst. Auch beim Abendessen – eine Geschäftseinladung am nächsten Tag – mümmle ich nur Salat, am Samstag Abend schlage ich die Einladung sogar aus, um Football zu schauen und laufen zu gehen. Dafür spare ich mir das Essen (bis auf einen Schokoriegel, über den ich heute, am nächsten Tag immer noch unglücklich bin). Doch die 2 Tage Workshop waren kräftezehrend, aufgrund vieler starker Persönlichkeiten (Entwicklungsleiter, Geschäftszweigleiter, Regionenleiter) spannend, aber einen Sack Flöhe zu hüten schien mir in manchen Momenten einfacher.

Nachdem der Workshop ja den ganzen Samstag bis in den Nachmittag hinein ging, nutze ich den Sonntag Morgen um zumindest ein bisschen etwas von Austin zu sehen. Der Morgen ist kühl, aber sonnig und der Himmel mit einem phantastischen Wolkenmuster gesprenkelt. Ich schaue mir das Capitol des Staates Texas näher an, ist Austin ja die Hauptstadt von Texas (Anne: Das wusstest Du sicherlich, oder? :-)) Das Capitol hat ein eigenes Parkhaus, um die touristischen Menschenmassen zu bündeln. Ich frage mich nur, wo die alle sind, denn ich bin der Einzige, der zu dieser frühen Sonntagsstunde die Parkmöglichkeit nutzt. Das Capitol sieht genauso aus, wie die vielen anderen, die ich schon gesehen habe- ein großer Kuppelbau, eine kleine Variante des Bundes-Capitols in Washington D.C. Nur dieses ist nicht strahlendmarmorweiß, sondern in einem leichten Braunton gehalten. Die Ruhe und die knorrigen alten Bäume um das Gebäude herum sorgen für eine unglaublich ruhige Stimmung. Ich wandere gemütlich in der warmen Sonne um das Gebäude herum. Natürlich will ich auch das Innere sehen, denn Capitole sind Gebäude der Öffentlichkeit und damit für jeden zugänglich. Diese marmorstrotzenden Kuppelbauten versprühen für mich immer ein Gefühl der Ruhe und Größe. Doch diesmal ist es noch anders. Ich bin für einige Zeit außer den Sicherheitskräften an den Eingängen die einzige Person im Gebäude, die ich wahrnehme, die dadurch entstehende Ruhe schon fast spürbar. Was mich in diesem Gebäude besonders beeindruckt ist ein riesiger Saal, in dem der Kongress tagt. Dicke, riesige Ledersessel und alte monströse Schreibtische versprühen den Charme vieler Jahrzehnte.

Danach fahre ich weiter durch den schnuckeligen Stadtkern der Stadt zu einem Park am Ufer des Colorado Rivers. Noch kein reißender Fluss zeigt er hier doch gemütlich fließend in einer beeindruckenden Breite, was er später mal Richtung Westen leisten kann. Am Ufer geht ein Weg entlang, der den Joggern mit und ohne Temperaturgespür Auslauf bietet. Hier rennen Menschen in Jacken und langen Hosen genauso wie ein Mexikaner in Shorts und blankem Oberkörper (nach 2 Monaten Insanity Workout hätte der vielleicht auch eine Form, der ein oberkörperfreies Laufen für Beobachter(innen) angenehm werden lässt…

Es ist jetzt 10 Uhr früh. Ich habe noch etwas Zeit, bis ich zum Flughafen muss und finde heraus (mein Android Telefon und die Chowspots Applikation macht es möglich), dass hier ganz in der Nähe ein kleines Restaurant offenbar geniale Tacos verkaufen soll. Wie gesagt, es ist 10 Uhr früh, doch nach nur Weintrauben, Erdbeeren und Ananas zum Frühstück habe ich Hunger. Ich vermute ja, der Laden hat noch zu, doch fahre ich mal schnell hin, um festzustellen, dass dieser Laden mit Namen TacoXpress an eine Mischung aus Carnevalsbude und Spelunke erinnert. Und komplett voll ist. Nicht nur sind alle Tische innen besetzt, sondern auch außen sitzen viele Menschen in der Sonne. Wenn das kein gutes Zeichen ist. Ich bestelle also aus der langen Liste an Möglichkeiten Tacos mit Fisch und Hühnchen, muss aber aufgrund des Andrangs wohl 20 Minuten auf mein Essen am Ausgabetresen warten. Damit wandert man dann zu einem freien Platz, der sich dankenswerterweise jetzt auch neben der Tür aufgetan hat. Die Tacos sind lecker und für $6.10, also über 4 Euro für 2 Tacos auch nicht sehr teuer. Ein tolles Erlebnis.

Jetzt geht es zum Flughafen und dann nach Hause, denkt ihr? Weit gefehlt. Ich sitze während ich das schreibe am Flughafen und warte auf meinen Flug nach Newark, von wo aus ich dann nach Princeton, New Jersey fahre für einen Workshop in der nächsten Woche… mehr dazu in einem anderen Post.

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