15.01.-19.01.2012: Von Austin aus direkt nach … Princeton

Eigentlich würde ich jetzt ja gerne heimfliegen, doch ich habe noch einen weiteren Trip vor mir. Von Austin aus fliege ich mit einer Continental-Maschine nach Newark, einem der zwei Flughäfen von New York. Die Maschine ist bis auf den letzten Platz gefüllt, super-eng bestuhlt und ich sitze auch noch direkt neben der Toilette. Der Südamerikaner neben mir ist dazu noch ein Zappelphilipp und der schwere Ami vor mir drückt nicht nur mit seinem Gewicht den Sitz nach hinten, sondern legt auch gleich noch die Rückenlehne so weit wie möglich um. Ich kann das nicht, denn in der letzten Reihe hat man die Sitze genau an die Wand gemacht – meinem Gefühl nach sogar steiler als in den anderen Reihen, so bleiben vor meiner Nase nicht mal mehr genug Platz ein Magazin umzublättern. 3 quälende Flugstunden soll das so gehen. Immerhin hat jeder Sitz einen großen Monitor und Fernsehen. DirecTV, so was wie Satellitenfernsehen. Damit kann ich noch vor dem Start das Ende des Houston-Baltimore-Playoff-Spiels ansehen. Nett. Ich bin gerade am Umschalten auf das eigentlich interessante New York (Giants)-Green Bay-Spiel, als eine Einblendung verkündet, dass jetzt die kostenlose Fernsehzeit mit dem Start beendet sei und ich 7.99$ mit Kreditkarte zahlen solle um weiter zu gucken. Unglaublich!

Jedenfalls komme ich irgendwann so kurz nach 19 Uhr in Newark an. Mein Koffer ist bald da und ich auf dem Weg zum Mietwagen. Ich dachte bis jetzt immer, dass Frankfurt verwinkelt und kompliziert sei. Doch Newark toppt alles, was ich bis jetzt gesehen habe. Fehlende Hinweisschilder, ewige Wege – kreuz und quer über den Flughafen und dann noch eine Hochbahn mit Minikabinen, die einen im Zuckeltempo zwischen den Terminals befördert – und eben auch zu den Mietwagen.

Selbst das mitbestellte Navi hat dann Probleme, mich aus dem Flughafenbereich herauszulotsen, doch nach einem rückwärts gegen die Einbahnstraßefahren und 2 im letzten Augenblicken durchgeführten Abbiegemanövern bin ich dann tatsächlich auf der Autobahn. Diese ist siebenspurig – pro Richtung wohlgemerkt. Die Luft ist eiskalt und die Raffinerien südlich des Flughafens blinken nicht nur mit ihren tausend Lichtern, sondern weißer Rauch aus den Schornsteinen steht wie erstarrt in der Luft. Ein toller Anblick, den ich leider nur mit dem inneren Auge festhalten kann, denn die Greyhound-Busse, die mich links und rechts überholen, fahren wie die letzten Henker. 45 Minuten später bin ich in meinem Hotel in Princeton, NJ angekommen. Es ist halb zehn Uhr Abends und ich gehe bald – mit einem Apfel als Abendessen – ins Bett.

Am nächsten Morgen treffe ich mich mit einem Kollegen in dessen Büro, dieses liegt keine 2 km von meinem Hotel entfernt und doch bin ich am verzweifeln, denn zwischen uns liegt die Bundesstraße 1, eine pro Richtung vierspurige Straße mit einer Mittelleitplanke, die einem das Drehen nicht erlaubt. Ich finde irgendwann eine Wendemöglichkeit (genauer eine Ausfahrt von der ich die Auffahrt in die andere Richtung wieder erreichen kann) und bin dann schnell im Büro. So hätte ich mir die Gegend überhaupt nicht vorgestellt. Unglaublich viele Äcker, Wälder und Wiesen, alles wirkt fast unbewohnt und lose verstreut. Wo sind denn jetzt hier die Hightechschmieden? Wo ist hier überhaupt irgendwas? Doch dann finde ich einen schnuckeligen Ort namens Princeton, der von seinem Aussehen her auch ein verträumtes Städtchen in Neu England sein könnte – nur eben mit einer Ivy-League-Universität (für alle die nicht wissen was die Ivy League ist, nenne ich mal ein paar andere Mitglieder: Harvard, Yale, …). Verträumt, ruhig, abgeschieden…. wenn da die Massen an Autos nicht wären, die nicht nur jeden Parkplatz belegen, sondern auch noch die Straßen überschwemmen. Heute ist Martin Luther King Day und damit haben die Schulen geschlossen, wie mein Kollege meinte sei der „Verkehr heute kaum spürbar“. Wie geht es dann hier bitte an einem anderen Tag im Jahr zu? Das dritte Parkhaus, das ich ansteuere hat endlich noch ein paar freie Plätze für meinen Jeep (war vielleicht beim Autovermieter eine dumme Wahl so ein Monster auszusuchen) und ich schaue mir die Stadt näher an. Die Hauptstraße ist gesäumt von – haltet euch fest – Häusern aus Stein. Ich sichte sogar ein Fachwerkhaus. Schöne Läden, Plätze und auf der anderen Seite der Straße liegt der Campus der Universität. Monströse Gebäude. Manche wirken eher wie Trutzburgen, andere wie kleine Schlösschen, andere wie der Kreuzgang einer Kirche (nur nicht auf allen Seiten fertig gebaut). Alle Häuser sind ganz lose verstreut auf dem Campus und auch hier herrscht heute Stille. Nur ein paar Menschen spazieren hier herum. Mein Kollege erzählt, sein Sohn studiert hier und die regulären Jahresstudiengebühren belaufen sich auf 50.000$. Zum Glück muss das fast niemand zahlen, doch selbst die Hälfte ist noch jede Menge Geld, die erst einmal verdient werden will. Ich hole mir in einem kleinen Restaurant einen Salat und finde dort auch eine nett gemalte Stadtkarte, die mir den Weg zum D&R Kanal weißt. Der Delaware and Raritan Kanal wurde im Jahre 1830 von überwiegend irischen Auswanderern von Hand gegraben und erinnert nicht nur vom Aussehen, seinen Schleusen, sondern auch vom gesamten Flair sehr stark an den Ludwig-Donau-Main-Kanal. Ich kann ihn leider nicht all zu weit erkunden, nachdem der Boden doch leicht matschig ist und ich mir meine Schuhe nicht einsauen will.

Also fahre ich noch etwas weiter bis nach Kingston, wo ich sofort bereue schon einen Salat gegessen zu haben, denn hier finde ich ein schnuckeliges Café, wo das Essen lecker duftet und aussieht. Ich hole mir zumindest noch ein kleines Stück Quiche, bevor ich ziemlich durchgefroren wieder zum Hotel zurückfahre um zu arbeiten. Ich bin hin und her gerissen von der Gegend. Hier gehen die Uhren doch irgendwie etwas langsamer wie in Chicago und ein 25000 Einwohner Nest wird schon als groß bezeichnet. Selbst Buffalo Grove hat 43000 Einwohner und ist nicht von allen Dörfern drum herum zu trennen.

Princeton ist dafür auch schweineteuer. Ein Zug ist in einer Stunde in der Penn Station in Manhattan (New York) und damit zählt die Gegend noch zum Einzugsgebiet der Metropole. Die Preise sind hier sowohl für Grund als auch für Häuser exorbitant.

Über den Workshop reden wir mal nicht. Die Kollegen sind nett und ich lerne auch ein bisschen was, aber ich kann mich nur schwer zurückhalten einfach aufzustehen, die Präsentatoren auf einen Stuhl zu drücken und das Ganze zu übernehmen – Kommentare einiger Teilnehmer nach hätte ich das vielleicht sogar tun sollen…

Donnerstag nach dem Workshop geht es zurück zum Flughafen, wo ich erst nach 10 Uhr Abends in Chicago ankomme und erst kurz nach 11 wieder daheim bin. Das war eine ganz schöne Strapaze, auch wenn ihr jetzt von mir nur die paar Stunden Auszeit zu lesen bekommt, die ich mir gegönnt habe…

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