10. und 11.02.2012: Auf der Jagd nach dem Maskottchen der Amis

Dieses Wochenende haben wir ganz besondere Pläne: Wir haben einen Ausflug nach Galena geplant. Dieses Städtchen wird von vielen Amis als Perle West-Illinois bezeichnet. Eigentlich auch gar kein schwer zu holender Titel, da im Westen Illinois der Hund gefreckt ist 😉 Was machen wir im kalten Februar in dem zweieinhalb Stunden entfernten Städtchen? Wir folgen dem Tipp unserer Vermieter. Wie jeder weiß, fließt der mächtige Mississippi bei New Orleans in den Golf von Mexiko. Wie schon weniger viele wissen, entspringt der Fluss im Grenzgebiet zu Kanada in der Nähe von Minneapolis. Auf dem Weg von Norden nach Süden wurde der Mississippi praktischerweise gleich als Staatentrenner missbraucht. Sprich, Galena liegt am Mississippi und westlich vom Fluss ist dann nicht mehr Illinois, sondern schon Iowa. OK, das ist noch nicht der Geheimtipp, das kann man auf jeder Karte nachschauen. Das ist auch im Sommer so.

Im Winter aber halten sich am oberen Mississippi-Lauf ganz spezielle Migranten auf. Sie kommen aus Kanada und essen gern Fisch. Bei diesen Wintergästen handelt es sich um – Trommelwirbel – Weißkopfseeadler, die man hier angeblich zu Dutzenden zu sehen bekommt. Zumindest wenn man mit den richtigen Leuten unterwegs ist. Daher haben wir eben eine Bustour gebucht, die von einem erfahrenen Vogelkundler begleitet wird.

Nachdem der Bus schon um 8 Uhr früh in Galena losfährt, übernachten wir bereits in einem Hotel dort. Direkt vom College aus sammelt Gabi Tom ein und um kurz nach 16 Uhr gehts los. Rückblende auf den Mittag desselben Tages: Eine „Winter-Weather-Advisory“ (Wetterwarnung) sagt Schneefall ab 12 Uhr voraus. Nachdem man hier fast seine Uhr nach solchen Wettervorhersagen stellen kann, haben wir bei unserer Abfahrt mit einigen Zentimetern Neuschnee und rutschigen Straßen zu kämpfen. In Deutschland, mit Winterreifen, wäre die Situation kaum der Rede wert. Hier fahren die meisten ja Sommerreifen und reagieren auf Schnee nur panisch. Sprich, 2 Stunden später haben wir gerade einmal 15 Meilen zurück gelegt, aber schon ein halbes Dutzend Unfälle sowie eine Vollsperrung gesehen. Aus dem geplanten gemütlichen Abendessen wird so ein kurzer Halt beim Schachtelwirt (Mc Donalds). Immerhin sind wir dann doch um ca. 21 Uhr im Hotelzimmer. Das Hotel selbst ist liebevoll und kitschig eingerichtet. Ein Bärenfell mit Häkelbordüre hatten wir vorher noch nie gesehen, doch die Naturholzgardarobe verströmt rustikale Gemütlichkeit.

Das Frühstück am nächsten Morgen ist richtig gut (wenn Ihr Gabi fragt). Somit ist zumindest eine Hälfte der Jachmanns gut gestärkt, als wir in den Bus steigen. Wir senken den Durchschnitt der Reisegesellschaft um ca. 10 Jahre – doch auffallen tun wir eher durch Toms großes Ding. Also sein Teleobjektiv. Der Guide stellt sich als ältere und routinierte Labertasche heraus („Der Zug war erst kürzlich hier, seine Spuren sind noch zu sehen. …“ oder „Wenn Weißkopfseeadler im besten zeugungsfähigen Alter sind, wird der Kopf weiß. Das ist bei anderen Spezies nicht anders.“ – und zeigt auf seine weißen Haare)

Die Lacher, die den Bus fast zum Umstürzen bringen, bleiben aus. Doch kann er viele Punkte mit seinem unerschöpflichen Wissen über Vögel im Allgemeinen, Weißkopfseeadler im Speziellen und die angewandte Verschleierungstaktik der Regierung im ganz Besonderen punkten. Gemäß Regierung nämlich sind die Weißkopfseeadler auf dem Vormarsch, ziehen immer mehr Junge groß und wurden daher auch von der Liste der gefährdeten Vogelarten gestrichen. Gemäß Vogelschutzorganisationen aber können immer weniger Jungtiere beobachtet werden.

Der Guide und der Busfahrer sind ein über mehrere Jahrzehnte eingespieltes Team, die uns erst zu zwei Schleusen, dann übers Landesinnere fahren. Da die Weißkopfseeadler vor der Brutzeit nicht immer ortsansässig bleiben, ist es Glückssache, welche zu Gesicht zu bekommen. Und wir haben Glück 😉 Wir sehen insgesamt über 60 dieser majestätischen Vögel, können sie beim Fischen beobachten und entdecken sie in Bäumen oder auf Feldern sitzend. Wir sind begeistert und hoffen auch, ein paar schöne Fotos gemacht zu haben. Das Wetter zeigt sich von seiner strahlendsten Seite, die Gegend ist selbst im ziemlich schneelosen Winter hübsch, mit vielen Hügelchen und dem teilweise vereisten Mississippi, doch es hat auch seine Kehrseite: Bei Anfangs -15 Grad Celsius und schneidendem Wind tränen nicht nur die Augen, sondern die Tränen gefrieren gleich unmittelbar an die Wangen. So sind wir dann doch irgendwann froh, wieder am Auto zu sein und gönnen uns ein warmes Mittagessen in der idyllischen Innenstadt von Galena. Wir wählen ein deutsches Restaurant aus. Dass die Rouladen nicht an die von Toms Mama heranreichen konnte, war zwar klar – aber WIE GROß dieser Unterschied tatsächlich sein würde – seufz…Dabei hatten wir schon mit Bedacht Gerichte wie Wiener Schnitzel auf Sauerkraut und mit Spätzle gemieden! Gabi kann Tom nur mit Mühe davon abhalten, die Küche zu stürmen und dem Koch beizubringen, wie man ein SCHMACKHAFTES Blaukraut herstellt.

Gabi genießt im Anschluss eine Shopping-Tour durch die Innenstadt, die aus schnuckeligen Boutiquen, mit ausgefallenen Objekten gut sortierten Geschenkeläden sowie Delikatessenshops besteht. Auch Tom kommt auf seine Kosten, er ersteht leckerste Rasberry-Salsa und Apple-Hickory-BBQ-Sauce sowie zwei „Fridge-Poetry-Kits“. Wer letztere nicht kennt: Wartet auf einen der nächsten Einträge… 😉 Wenn der Wind nicht so kalt wäre und Tom mehr Shoppinggene hätte – Gabi wäre diesem Mekka an Fundgruben und Kruschecken stundenlang verfallen. So sind wir stattdessen bei Sonnenuntergang wieder im heimischen Buffalo Grove – diesmal tatsächlich nach zweieinhalb Stunden Autofahrt. Doch wir nehmen uns vor: Das war nicht das letzte Mal Galena.

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