17.02.2012: Gabis Value Speech

Ich habe grad sehr schwere Beine und erfrorene Zehen, denn ich komme frisch von meiner Radtour. Ihr fragt, warum ich mich mitten im Winter, immerhin um die null Grad, aufs Rad schwinge?

Das kam so:
Ich besuche ja seit Ende Januar zwei neue College-Kurse. Einer davon ist „Introduction to Speech“ (Einführung in die Kunst Reden zu halten). Mit der Teilnahme an diesem Kurs möchte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits meine Englisch-Kenntnisse und meine Aussprache verbessern, andererseits mal professioneller an das Thema „Reden bei öffentlichen Anlässen“ heranzugehen. Während meines Abendstudiums ist das Thema total untergegangen. Ein Naturtalent bin ich nicht: Obwohl ich bei entsprechenden Anlässen von meinen Argumenten und Zielen überzeugt bin, bin ich stets nervös und ziemlich hastig, wenn ich sie dann vor mehr als drei KollegInnen vortragen oder vertreten soll. Etwas mehr Selbstvertrauen und Übung in dieser Hinsicht kann mir also nicht schaden, dachte ich. Und so kommt es, dass ich mit den Nerven total runter bin, denn ich muss bis Mai 4 Reden halten.

Die erste war letzten Freitag fällig. Vorab haben wir natürlich Aufbau einer Rede, Vortragsmöglichkeiten, richtiges Zuhören usw. gelernt. Doch vor der Klasse steht man dann halt ganz allein, da hilft einem Streberschlumpftum (ich glaub ich bin die einzige, die die Kapitel im Buch liest, die Kids interessiert das nicht die Bohne) nicht weiter. So musste Tom und selbst Jane (unsere ehemalige Englisch-Privat-Tutorin) leiden, denn ich habe mit Ihnen geprobt. Und geprobt. Und geprobt…

Das Thema war „Werte“. Wir sollten 3 bis 5 Minuten über etwas reden, das wir schätzen, also eine Person, einen Ort, eine Aktivität oder einen Gegenstand. Etwas zu finden, was meine peers (Klassenkameraden) interessieren könnte aber nicht zu viel Erklärung fordert, nachdem man nur so wenig Zeit hat, ist gar nicht so leicht… Schließlich bin ich aufs Radeln gekommen, da ich das hier ziemlich vermisse. Super ist, dass meine Rede aufgenommen wurde und ich mich jetzt als Hausaufgabe selbst bewerten muss bzw. Schwerpunkte setzen soll, wo und wie ich mich verbessern kann. Nebeneffekt: Alle, die mich mal Englisch reden hören möchten, haben jetzt Gelegenheit dazu! 😉 Meine Klassenkameraden, alles AmerikanerInnen und keiner über 25, waren aber super lieb zu mir (bin sowas wie das Maskottchen für sie). Witzig ist: Die Woche vorher hatten sie noch getönt, dass das ja alles kein Problem für sie sei. Ich war eine von Zweien, die sich auf die Einschätzfrage, wie nervös von einer Skala von 1 bis 5 man vor einer Rede sei, bei 4 gemeldet hat. Alle anderen waren bei 1 oder 2… Das hat den Druck gewaltig noch mal erhöht für mich, nach dem Motto: Wenn die „Kinder“ das können…

JETZT weiß ich, dass viele nur so cool waren, weil sie gar nicht wissen wovon sie reden. Ein paar waren echt brilliant, Hut ab. Andere scheinen eine absolut nicht passende Highschool-Rede aufgewärmt zu haben (die machen den Kurs nur, weil sie das für ein bestimmtes Zertifikat brauchen), bei manchen konnte man nicht mal eine Kernaussage erkennen (irgendwas mit Jesus und den Galiläern, wobei ich nicht genau verstanden habe, ob er jetzt Jesus schätzt, oder Geschichte….) Und halt: Das lag nicht an meiner schlechten Auffassungsgabe, auch Jackie, meine Sitznachbarin hatte Fragezeichen in den Augen. Manche haben statt über Werte zu informieren eine „Ich überzeuge Euch, dass Euer nächster Urlaub nach Costa Rica gehen soll“-Rede geliefert. Er hat 8 Minuten geredet (ich kenne jetzt alle Affenarten die im Dschungel dort vorkommen) – doch unser nächster Urlaub geht nach Washington D.C. 😉 Lange Rede kurzer Sinn: Ruhe im Publikum, jetzt spricht Gabi 😉

Jedem, der jetzt denkt: „Das war jetzt nicht grad ne Meisterleistung“, sei gesagt: 5 Tage vorher war ich noch 1000 x zappeliger, nuscheliger und schneller, also bin ich eigentlich ganz zufrieden mit mir. Die nächste Rede ist mit audiovisueller Hilfe (also Powerpoint oder Prezi oder so). Was haltet Ihr von „Wie man eine Donauwelle bäckt“ 😉 Oder würden die Kids „Wie man einen Haushaltsplan“aufstellt“ mehr interessieren? Ich denke noch drüber nach… 😉
Ach ja, P.S. Ich hab soviel übers Radfahren geredet, dass ich Lust hatte, wieder aufs Rad zu steigen. Den eigentlichen Schluss meiner Rede haben die Kids mir eh geklaut, weil ich noch einen weiteren Satz sagen wollte, sie mich durch den Applaus aber gestoppt haben: „Daher mache ich hier, trotz allem was in dieser Vorstadtgegend und dem langen Winter hier dagegen spricht, ein Versprechen: Ich komme nächste Woche mit dem Rad zum Kollege.“

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2 Antworten zu 17.02.2012: Gabis Value Speech

  1. Tom Jachmann schreibt:

    Also ich finde meine Frau macht das super! Sie arbeitet unglaublich hart für ihre College-Kurse! Du machst das klasse, Schatz!

  2. Tom Jachmann schreibt:

    Achso, mit dem Rad ist sie natürlich nicht gefahren, hat sich doch glatt von 15 cm nassen Neuschnees und rutschigen Straßen abhalten lassen… gut so, bei den Autofahrern wäre das sonst lebensgefährlich…

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