18.02.2011: Hiermit wird der Gewinner des Chili-Wettkochens bekannt gegeben…

Alles begann ganz harmlos letzten Herbst, als wir Jane (unsere Englischtutorin und mittlerweile Freundin) und ihren Ehemann Joe zum Essen zu Besuch hatten. Ihr kennt das ja, man redet über Gott und die Welt (wobei man Gott eher aussparen sollte und die meisten Amis zum Thema „Welt außerhalb der USA“ wenig beizutragen haben). Nicht so Jane und Joe. Witzig und wortgewandt hechelten wir damals durch verschiedene Themen, als letztlich Jane behauptete ihr Chili sei das Beste überhaupt. Keine Diskussion möglich… Ich meine, das sei seltsam, denn wie könne das sein, wo doch meines ungeschlagen gut ist. Wie schlichtet man so einen Widerspruch? Waffen? Duell? Neee, da ist wohl jeder Ami klar im Vorteil… Ausdiskutieren? Come on! Nachdem dies relativ kurz nach dem Guacamole-Vergleich im Geschäft war und mir noch der 2. Platz (ihr erinnert Euch sicherlich, dass die schlechte Avocado-Qualität als Grund schnell gefunden war) in den Knochen steckt. Schnell wird klar: Ein Chili-Cook Off (also ein Wettkochen) muss her. Doch das hat etwas gedauert, mal war Jane in England, Florida, Denver, Florida, … mal waren wir in Utah, Nürnberg, Indiana…) so haben wir jetzt endlich einen Termin gefunden. Jane lädt zu sich nach Hause ein, lädt einige Nachbarn und Joes Schwester mit Familie dazu und wir beide kochen Chili…Nachdem der Termin steht beginnt die Psychoschlacht… wir bräuchten keine Taschentücher mitbringen, sie hätte welche wenn wir nach der Niederlage in Tränen ausbrechen… Jane lädt Gabi sogar zum Kaffee ein, um dann immer wieder nach Toms Rezept zu fragen. Zwei Tage später, wir telefonieren, und Jane will zumindest Toms Zutaten wissen – „damit wir nicht genau das gleiche kochen“ Doch Gabi ist loyal, schweigt bzw. lächelt nichtssagend…

Der Showdown findet schließlich auf ihrem Territorium statt und es sind ihre Gäste die abstimmen werden. Diese werden natürlich den amerikanischen Durchschnittsgeschmack repräsentieren – mal von Ehemann und Verwandten gar nicht zu schweigen, die wahrscheinlich schon vorher bestochen oder zumindest emotional gebunden sind 🙂
Ein gutes Chili will Weile haben und hat wenig mit dem deutschen „ich schmeiße mal Bohnen, Mais und Hackfleisch in Tomatensoße zusammen“ zu tun. Die richtigen Gewürze sind genauso wichtig, wie eine Ausgewogenheit zwischen Schärfe und einer gewissen Süße… nicht zu vergessen muss ein Chili mindestens 2 Stunden kochen und einmal aufgewärmt worden sein…
So koche ich also schon mal am Samstag morgen los, während Gabi Einkaufen fährt. Sie hat schon alles notwendige vorher besorgt – und hat klar gemacht, dass sie nicht mit weniger wie zwei Töpfen Chili zu den Schwarz’ens fahren will. Wir lassen das Essen zwei Stunden köcheln – Gabi ist natürlich schon lange wieder da und hat die Wache übernommen während ich Haarescheren gehe und noch einige andere Kleinigkeiten erledige (siehe die Posts über die Bilder und den Reifendruck die noch kommen)
Wir sind bereit für den Showdown, so fahren wir Punkt 18 Uhr bewaffnet mit dem Chili, frischem knusprigen Baguette, Geschenken und einem Päckchen Taschentücher als Gegengeschenk in die Hofeinfahrt unserer Gastgeber.
Die erste Enttäuschung: Wir sind eine kleinere Gruppe als gehofft, die Nachbarn können nicht kommen. So sind wir 6 Erwachsene und 4 Kinder – Jane hat einen Topf Chili und einen Topf vegetarisches Chili gemacht, eine monströse vegetarische Gemüseplatte und eine ebenso große Salatplatte aufgefahren. Dazu gibt es von ihr noch Corn Bread (eher ein Kuchen, als Beilage gedacht, gemacht aus blauem Mais). Wer soll das essen?
Von den Verbalattacken ist bei unserer Ankunft wenig zu hören – nur die Begrüßung fällt gewohnt forsch aus, danach gesteht Jane kleinlaut, dass ihr das Chili etwas angebrannt sei…
Wir jedenfalls haben alle eine Menge Spaß beim Aufwärmen der Chilis. Die Stimmung ist gelöst und jeder hat scheinbar Spaß an der Sache… Joe zitiert mehrfach die Chili-Cookoff Episode der Simpsons, von der ich einen kleinen Ausschnitt auf YouTube gefunden habe:

Der große Unterschied zu den Simpsons? Mein Chili besticht nicht durch Schärfe, sondern durch Geschmack… und was höre ich da von den Kindern von Janes Schwägerin “Mommy, this is the best Chili I ever tasted”, gefolgt von ihrem Schwager “Best Chili EVER! Wow amazing!“ Den Fast-Ehekrach, zwischen ihrem Schwager und ihrer Schwägerin ob dieser Bemerkung kriege ich gar nicht mit… Doch selbst Jane muss schnell einsehen, sie hat sich mit dem falschen Koch angelegt 😉

Ihr Chili ist OK, ihr vegetarisches allerdings mit Abstand das beste vegetarische Chili, das ich bis jetzt gegessen habe. Trotzdem ein kleiner Siegestanz muss sein „Gewinner… Verlierer… Winnner … Looser….“ sie nimmt es mit Humor – will scheinbar die Original Tempos, die wir mitgebracht haben für einen besseren Moment aufsparen 🙂
Doch was kann man über ihr Corn Bread sagen – eine unglaubliche Wucht. Der blaue Mais verströmt nicht nur ein tolles Aroma, der Geschmack ist voll, nussig, schmeckt fast nach Mohn… wir wollen unbedingt das Rezept haben…
Wie in den USA üblich verabschieden sich ihre Schwester mit Familie schnell (sie ist Badminton Coach einer nahen High School, so dass wir vorher nicht um einige Badmintongespräche und mein Angebot als Trainer einzusteigen herum gekommen sind) nach dem Essen.
Wir sitzen noch länger mit Jane und Joe zusammen, quatschen, schauen uns Gabis Rede auf unserem Blog an, schauen Bilder von Weißkopfseeadlern, erzählen Geschichten… ein schöner Abend
Doch die Geschichte hat eine Fortsetzung: Schon bei der Vereinbarung unseres Chili Wettbewerbs letzten Herbst kam die Diskussion auf, dass Jane’s BBQ-Bohnen so toll seien – Ach komm, hast Du Deine Lektion nicht gelernt? 😉 So vereinbaren wir im Frühling oder Sommer eine Revanche, diesmal BBQ-Bohnen… wer mein Rezept kennt weiß, auf dieser Flanke bin ich nicht stark angreifbar… Spaß wird das auf alle Fälle machen, denn wir wollen das mit einem Grill-Event verbinden!

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Eine Antwort zu 18.02.2011: Hiermit wird der Gewinner des Chili-Wettkochens bekannt gegeben…

  1. Hedy + Eberhard schreibt:

    Da läuft uns das Wasser im Mund zusammen, wenn man Eure Chilitöpfe sieht.
    Sehr interessant wäre für uns das Rezept vom vegetarischen Chili.
    Hedy und Eberhard

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