28.03.2012: Kirschblüten treiben uns nach Washington D.C.

Wir haben uns einen Frühlingsurlaub verdient. Und nachdem wir ja schon ein eingespieltes Team sind, haben wir die Augen noch nicht mal richtig offen, als wir auch schon im Flieger nach Washington D.C. sitzen. Was davor geschah war außer einem extrem gruseligen Taxifahrer kaum der Rede wert. Am Ronald Reagan Airport angekommen werden wir auch schon ausgerufen. Das kann ja mal wohl nichts Gutes bedeuten, doch wir finden heraus, dass unser Gepäck uns überholt hat. Es drängt sich einem die Frage auf, ob wir vielleicht zu früh am Flughafen waren? Doch Tom glaubt eher an ein Wurmloch oder andere Gründe.

Wie geschmiert geht es weiter mit der Metro zum Holiday Inn in Rosslyn. Wir weichen hier ganz klar von unserem Muster „tolle Unterkunft“ ab. Leider passt sie trotz allem in das Beuteschema „teuer“. In Washington D.C. scheint keine Übernachtungsmöglichkeit (vielleicht mit Ausnahme der Brücken und Heizungsschachtöffnungen) billig zu sein. Zumindest haben die schon ein Zimmer für uns (es ist jetzt kurz nach 12 Uhr), also schnell eingecheckt, kurz frisch gemacht und wieder rein ins Getümmel.

Es ist strahlender Sonnenschein und viel wärmer als gemeldet, so dass wir kurzärmlig (wie wir es in Buffalo Grove derzeit gewöhnt sind) los ziehen. Tom hat ein Jäckchen dabei, Gabi eine Regenjacke eingepackt (und Tom damit Glauben gemacht, seine wäre auch im Rucksack).

Das bekannteste Haus der USA suchen wir zuerst auf. Michelles Gemüsegarten wird gerade gegossen. Leider nicht von ihr selbst. Wir denken uns noch, dass es besonders einfach ist so was wie einen alten Gemüsegarten wiederzubeleben, wenn man keinerlei damit verbundene Arbeit hat. Der Salat wächst jedenfalls gut.

Gabi stellt schnell fest: An jeder Ecke gibt es in DC eine Statue, ein Mahnmal, einen Brunnen oder zumindest eine Plaquette. Das ist am Sherman Square nicht anders, wo sich hinter einer Säule Gabis Pendant zu ihrem deutschen Arbeitgeber befindet, das „Department of Treasury“ (wörtlich übersetzt Schatzamt) – den Unterschied zu einer schnöden Kämmerei macht wohl das zur Verfügung stehende Geld aus…

Alles ist hier größer, daher auch weiter voneinander entfernt. Prachtstraßen verbinden besonders die verschiedenen Winkel des Regierungsviertels – d. h. aber auch das man wwwwweeeeeiiiiiit laufen muss. Bereits jetzt tun uns die Füße weh. Daher wird erst mal auf den Urlaub angestoßen. Auf der Dachterrasse des Hotels W – mit Blick auf das Washington Monument und das Weiße Haus. Es ist erst 3 Uhr Nachmittags – Gabi kann sich doch da ne Strawberry-Lemonade gönnen. Tom: „Ja, aber Du solltest bei der ganzen Wahrheit bleiben. Auch wenn der Wodka nicht sichtbar war, er war im Glas“. Gabi: „Auf so einer Dachterrasse MUSS man neben der Aussicht einen Drink konsumieren“ 😉
Wind kommt auf, es fängt an zu tröpfeln als wir das Weiße Haus umrunden (manche von uns umtorkeln es eher). Nette Häuserreihen führen uns zurück Richtung Mall.

Erläuterung Mall: Wie die meisten ja wissen (und wohl alle die schon hier waren auch am Geldbeutel gespürt haben), bedeutet „Mall“ in den USA Einkaufszentrum. Da könnt Ihr Euch den enttäuschten Blick der amerikanischen Familie vorstellen an denen wir gerade vorbeikommen, als die 3 Teenager-Mädels feststellen, dass sie von ihrem Vater veräppelt wurden als er gesagt hat “We´re going to the mall“. Denn in Washington D.C. ist die Mall ein gigantischer, ca. 2 Blöcke breiter und 24 Blöcke langer Grünstreifen (ca. 3,5 km), der mitten in der Stadt gelegen ist. Um diese Mall herum sind viele berühmte Gebäude und Denkmäler platziert.
Und mit „viele“ meinen wir auch „viele“: Zuerst das Denkmal für den 2. Weltkrieg (alle alliierten Staaten werden mit Säulen und bronzenen Kränzen geehrt, gelegen um einen großen Springbrunnen/Becken. Die Philippinen sind dabei, aber wir suchen vergebens nach Deutschland… 😉 Danach das Vietnamkrieg-Denkmal: In dunkel-glänzende Marmorplatten die in eine Mulde führen sind ALLE Namen der Gefallenen und vermissten amerikanischen SoldatInnen eingemeiselt. Für amerikanische Verhältnisse schlicht und zurückhaltend, doch deswegen eher mehr denn weniger eindrucksvoll. Kaum 50 Meter entfernt finden wir dann die Hollywood-Variante davon: 3 m Modelmaß-Krieger, mit schweren Waffen locker im Arm, ein süffisantes glitzern in den Augen. Krieg – so angsteinflösend kann das doch nicht sein…

Zu diesem Zeitpunkt ist das Jacke-aus/Jacke-an-Spiel unsere Hauptbeschäftigung, denn es tröpfelt immer wieder große Frühlingstropfen und alles riecht nach Frühling. Doch wir verzagen nicht und nähern uns unserem nächsten Ziel: Am spiegelnden „Reflecting Pool“ vorbei Richtung Lincoln Denkmal. Nur das Toms Lieblingspool eine Riesenbaustelle ist. Selbst Toms Tränen können diese nicht füllen. Doch auch das Lincoln Memorial alleine ist äußerst beeindruckend. Nach einer langen Steintreppe gelangt man an eine mit hohen Säulen gestützte, von 3 Seiten umschlossenes riesiges Denkmal, in dessen Mitte ein überlebensgroßer Abraham Lincoln thront. Gabis kleine Geschichtsnachhilfe: Abraham Lincoln, das war der Präsident, der die Amerikaner zu Zeiten des Bürgerkriegs regiert hat. So sind an den Seiten seine Reden in Stein gemeiselt. Motto: Sehr beeindruckend.

Unterhalb des Lincoln Denkmals treffen wir auf das Koreakrieg-Memorial: Ein Trupp Soldaten in Bronze kämpft sich in Regencapes durch mit Bodensträuchern angedeuteten Dschungel. Danach wird Martin Luther King geehrt, der anscheinend Fels geteilt hat (Man geht durch den Fels zu seinem Denkmal).

Jetzt kommt, warum wir genau diesen Zeitpunkt ausgewählt haben, um nach D.C. zu fahren: Das bei Jung und Alt bekannte Kirschblütenfestival hat Ende März seinen Höhepunkt. 1912 haben die USA von den Japanern als Zeichen der Freundschaft viieele Kirschbäume geschenkt bekommen, mittlerweile sind es über 3.700, die die Stadt jeden Frühling zu einem Blütenmeer machen. Besonders viele sind um einen großen See namens Tidal Basin platziert. Beautiful – wenn sie nicht schon alle verblüht wären. Das ungewöhnlich warme Wetter der letzten Wochen hat uns einen Strich durch unsere sorgfältige Planung gemacht. Tom ringt um seine Fassung und fotografiert letzte Blüten und seine immerblühende Ehefrau. 😉

Gabi hat für den ersten Tag genug und Toms Enthusiasmus, um den See herum zu laufen hat daher auch nachgelassen. Wir lassen auch das Washington Monument (immerhin die größte Steinsäule (Tom Besserwissi: „Obelisk“) der Welt) links liegen, denn der Hunger treibt uns in Richtung der Restaurants, die hier erstaunlich dünn gesät sind. Alle sind mit einem Fußmarsch verbunden. Nachdem wir keine Ahnung haben, was wir eigentlich wollen, finden wir auf unserem Smartphone ein Salatrestaurant, das gesund klingt. Ein Volltreffer. Der Laden namens „Chop’t“ scheint eine kleine Kette zu sein, die wir auch gern in Buffalo Grove hätten. Eine riesige Auswahl an kreativen Salaten und täglich frisch selbst gemachten Salatsoßen lässt uns das Wasser im Mund zusammen laufen. Lokale Ökolieferanten, ohne Konservierungsstoffe, Fleisch aus biologischem Anbau und Sodagetränke vom kleinen lokalen Produzenten… Alles Stichworte, die man in den USA nicht häufig hört – unser Gewissen lässt uns heute Nacht auch gut schlafen…

Gabi hat sich ja fest vorgenommen, auch das Nachtleben von Washington zu erkunden – aber nicht heute. Die Füße brennen und so kommt wie es kommen muss – sie pennt mal wieder beim gegenseitigen Füßemassieren ein…

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