29.03.2012: Beeindruckende Gemäuer

Nachdem ein kostenloses Frühstück im Preis unseres Mittelmaßhotels inbegriffen ist, fahren wir also früh von unserem 16. Stock in den 17., wo das Frühstück serviert wird. Der Blick auf Washington D.C. ist atemberaubend, wenn auch die Frühstücksauswahl nicht mal Gabi zufrieden stimmt. Ob sie mittlerweile einfach besseres gewöhnt und damit verwöhnt ist, oder ob es wirklich so schlecht war, überlassen wir jetzt der Phantasie des Lesers.

Kurze Zeit später stehen wir schon ohne Umfallgefahr in der Metro – die um diese Zeit proppenvoll ist. Am Capitol Hill angekommen fragen wir uns, ob wir zuerst in die Library of Congress (größte Bibliothek der Welt) wollen, oder lieber erst ins Capitol sollen. Aufgrund der längeren Schlange vor der Bibliothek entscheiden wir uns spontan fürs Capitol. Hier ist die Warteschlange erstaunlich kurz. Obwohl die Reiseführer alle warnen, dass man unbedingt Karten vorbestellen sollte (was wir versucht haben, aber alle waren schon vergeben). Wir sind aber Glückskinder und so gibt es gar keine Schlange bei der kostenlosen Ticketvergabe, nur dann eine monströse Schlange, die auf die 9:20 Uhr Führung wartet. Es sind Schulferien und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen sind überall Horden von Schulklassen unterwegs.

Doch Stopp, hier erst wieder ein kleiner Geschichtsüberblick von Gabi (Tom hat versucht sie davon abzuhalten, hat aber nicht geklappt): Eine unabhängige Hauptstadt für die Vereinigten Staaten wurde nach dem Bürgerkrieg von Präsident George Washington vorgeschlagen und vom Senat beschlossen. Daher gehört Washington D.C. auch zu keinem Bundesstaat. Das Gebiet war vorher unbebaute Sumpflandschaft. Als Mittelpunkt der neuen Hauptstadt wurde das Capitol vorgeschlagen, quasi der Reichstag der Amis. Das Gebäude war lange Zeit das größte Gebäude in Amerika, und ist auch für Klein-Gabi heute immer noch mächtig beeindruckend.

Nach einem patriotischen Video werden wir in 5 Gruppen aufgeteilt. Nicht das dies die einzigen Gruppen sind, egal wo wir uns im Capitol aufhalten, wir müssen um die paar Quadratzentimeter kämpfen die wir brauchen um uns um unseren Guide mit dem nervösen Kopfzucken zu scharen.

Die große Rotunda ist eine monströse runde Halle mit einem Kuppeldach mit Statuen und Gemälden. Hier finden alle wichtigen Zeremonien statt. Der Raum ist so hoch, dass Miss Liberty, die ja bekanntermaßen den New Yorker Hafen schmückt hier problemlos aufrecht stehen könnte. Auch der ehemalige Sitzungssaal, der jetzt ein Statuenraum ist, ist sehenswert. Jeder Bundesstaat durfte 2 beliebige Statuen senden, die im Capitol ausgestellt werden, die meisten in diesem Raum. Hier befinden sich nicht nur Politiker, sondern auch z.B. der Erfinder der Klimaanlage. Lange konnte die Wahl der Statuen eines Bundesstaates nicht mehr revidiert werden (einmal schlechte Wahl, immer schlechte Wahl), doch mittlerweile können auch Statuen ausgetauscht werden.

Zum Ende der Führung erfahren wir noch von einem Tunnel, der uns direkt in die Library of Congress führt. Die größte Bibliothek der Welt wurde damals 1897 eingeweiht, als die eigentliche im Capitol aus allen Nähten zu platzen drohte. Wir machen eine der kostenlosen Führungen mit, die uns über die unglaublich vielen Details der Innengestaltung des Gebäudes aufklärt. Hier hat jedes Emblem etwas zu bedeuten. Babies aus Marmor stellen die verschiedene Zünfte dar, die Sternzeichen im Boden, alte Zunftwappen in den Decken, Namen von Denkern, Schriftstellern, bildliche Darstellungen der Geschichte der Schreibkunst…

Es ist jetzt schon früher Nachmittag. Tom hatte noch nichts zu Essen und auch Gabi knurrt der Magen. An einem Food Truck (fahrbaren Kiosk) kaufen wir uns was zu Trinken und eine grottig schmeckende weiche Brezel.

So „gestärkt“ wollen wir kurz im Botantischen Garten vorbei schauen, doch aus dem „kurz“ wird dann nichts, denn dieser ist zwar nicht so riesig wie die anderen Gebäude an der Mall, dafür einfach wunderschön gemacht. Noch dazu gibt es hier derzeit eine Orchideenausstellung. Doch auch die Glaskuppel des Hauptgebäudes mit seinem Dschungel aus Palmen und großen Bäumen ist toll, denn dank eines umlaufenden Balkons kann man hier auf Wipfelhöhe die Pflanzen begutachten. Und das ist nur eine der vielen Vegetationszonen die uns fasziniert haben, andere wie „Wüste“, „Hawaii“ usw. waren nicht weniger sehenswert.

Schon fußlahm schlurfen wir rüber zum Museum of Native Americans, dass nicht nur eine tolle Architektur hat, sondern das Hauptziel verfolgt den Ureinwohnern Amerikas von Alaska bis Mittelamerika eine Möglichkeit zu geben zu präsentieren wer und was sie sind. So ist die Ausstellung vielfältig und sehr unterschiedlich, nachdem die verschiedenen Stämme ein starkes Mitspracherecht bei der Gestaltung hatten. Von den vier Stockwerken kriegen wir vielleicht noch ein halbes mit, bis wir schließlich beschließen zu einem leckeren Tapas-Restaurant names Jaleo – das Tom schon kennt – rüberzuschlurchen. Einen weiteren Kilometer später sitzen wir also in besagtem Restaurant und bestellen 4 teure Tapas. Diese sind wirklich lecker, aber wie wir feststellen, hat sich die Attitüde des Restaurants stark zu seinem Negativen gewandelt. Die tollen Bilder an der Wand sind unaussagefähiger moderner Kunst gewichen, die Portionen klein und als Tom nachfragt ob es denn wenigstens Brot zu den Portiönchen gäbe wurde er darauf verwiesen, dass man versuche eher zu den ursprünglichen Tapas zurückzukommen – anders ausgedrückt: die Kunden selbst beim Brot abzuzocken. Dass wir dann sogar noch als freundliche Geste des Chefs vier Scheiben Baguette serviert bekommen macht es auch nicht besser, haben wir doch die besagten Tapas, die nach einer Kohlehydratbeilage geschrien haben schon längst gegessen (bei der Größe der Portionen könnten sie aber auch noch in einer Zahnritze gehangen haben).

Gabi gönnt sich daher noch ein leckeres Eis bei der Gelateria gegenüber und sie genießt halb das Eis, halb füttert sie Tom in einem benachbarten Park, der leider auch nicht nur Penner beheimatet, sondern auch solche, die definitiv einen Wassereinbruch im Hirn zu vermelden haben – was sie auch lautstark tun.

Deshalb also zurück nach Rosslyn in Richtung unseres Hotels, wo wir dann aber noch einmal los ziehen und einen gemeinsamen Salat beim um die Ecke gelegenen Ableger von „Chop’t“ nachschieben. Jetzt sind wir halbwegs gesättigt und lassen den Tag auch bald ausklingen…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Frühling, Washington D.C. veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s