31.03.2012: Nationales Drachenfestival

Etwas länger schlafen hilft Wunder, und ein um Dean and Deluca angereichertes Frühstück im Hotel auch. Erst in der U-Bahnhaltestelle stellen wir fest, dass wir eigentlich zwei völlig unterschiedliche Bilder vom heutigen Tag im Kopf haben. Wir entscheiden uns für einen Vormittag am East Market. Dies ist ein Stadtteil östlich des Capitols der seinen Namen von einem Backsteingebäude mit einem permanenten Markt bekommen hat – am Wochenende ist hier auch immer Flohmarkt. Samstags zusätzlich auch noch Kunstmarkt. Auch wenn uns nichts zum Kaufen anregt ist die gelöste Stimmung, die noch wenigen Besucher des frühen Morgens und die ersten Sonnenstrahlen des Tages die sich mühsam durch die Wolkendecke arbeiten ein idealer Auftakt. Doch die Gegend hat noch mehr zu bieten. Wir finden den ersten (wenn auch kleinen) Einkaufsmarkt über den wir in der ganzen Stadt gestolpert sind – und auch dieser hat eigentlich nur Fertigwaren. Wo kaufen die Leute hier nur ein? OK, im Eastern Market, wenn sie Geld haben, oder im Dean and Deluca, wenn sie noch mehr davon haben, aber wo kriegt man hier so einfache Dinge wie Wasser, Toilettenpapier etc.? Wir haben mittlerweile mehrere Leute mit Tüten eines Whole Food Marktes aus dem Ortsteil Foggy Bottoms gesehen und vermuten mittlerweile wirklich, dass dies der Einzige der Gegend sein könnte.

Aber zurück zu den eigentlichen Sehenswürdigkeiten. In diesem Viertel gibt es eine Straße, die auf den Stadtplänen farbig markiert ist und „Barracks Row“ heißt. Was man dort sieht ist uns nicht klar – haben wir doch aufgrund des Missverständnisses heute früh nicht die richtigen Reiseführerausdrucke dabei. So lassen wir uns überraschen. Doch schon am Eingang zu dieser Straße stellen wir fest, dass die Gegend mit wunderbaren Häuschen und entzückenden Vorgärten geschmückt ist. Nette kleine Lädchen und Restaurants laden zum Erkunden ein. Wir wandern also quer durch den Ortsteil, geführt von einer Route, die als Barracks Row Heritage Trail auf Karten entlang der Straße abgebildet ist. Nummern deuten auf Sehenswürdigkeiten hin, doch leider hat jemand vergessen auf die Schilder auch zu schreiben, was denn die Nummern bedeuten sollen – doch das passt ja zu unserer heutigen unbedarften Herangehensweise. Das Schöne ist, dass die Route uns auf der Hauptstraße, auf Nebenstraßen und sogar in Hinterhofgässchen führt und wir schließlich gut gelaunt wieder am Ausgangspunkt ankommen – mit der gefestigten Meinung von uns BEIDEN (Achtung, kein Witz!): Hier könnte man gut leben. (Hätten wir nicht gedacht, dass wir da doch noch Überlappungen finden). Derzeit steht aber wohl keine Wohnungssuche in D.C. an, wohl aber ein kleines Hüngerchen Toms. So nutzen wir einen sich als „Tasty Kebab“ bezeichnenden fahrbaren Imbiss, dessen Besitzer uns bereitwillig probieren läßt. Wir sind ganz begeistert vom Lamm Kebab, dass zwar immer noch nicht rösch ist, aber dafür extrem lecker. Der benachbarte Park lädt zum Essen ein, doch leider gibt es keinerlei Bänke, weshalb wir nicht die einzigen sind, die sich einfach ins Gras setzen und dort die stärker werdende Sonne genießen.

Frisch gestärkt geht es mit der U-Bahn in die Mitte der Mall, wo heute das nationale Drachenfestival stattfindet. Schon aus der U-Bahnstation kommend stellen wir fest, dass dies nicht nur uns angezogen hat. Die gestern Abend fast menschenleere Mall ist überfüllt mit Menschen. Einige lassen einen kleinen Drachen steigen. Ist das alles?

Doch unser Blick wandert Richtung Washington Monument und uns wird klar, dass dort das Herz des Festivals schlägt. Dort angekommen ist augenblicklich eine unglaublich friedliche Stimmung spürbar, hunderte von Menschen sitzen, liegen, stehen auf der Rasenfläche um das Monument. In der Luft schweben geschätzte 202 Drachen. Handtellergroße, Schmetterlinge, Flugzeuge, DrachenDrachen, fliegende Feuerwehrautos, … kein Drachen gleicht dem anderen – und das obwohl alle mit Sicherheit gekauft sind… Zeit sich hinzusetzen, die Stimmung zu genießen und sich (wie wir später feststellen) einen leichten Sonnenbrand einzufangen. In einem Pavillon spielt ein Schulorchester Filmmusik aus „Oben“, was definitiv dazu passt… 🙂

Irgendwann raffen wir uns auf und wenden uns der Kultur zu, genauer dem Hirshhorn Museum, das uns gestern nicht mehr haben wollte… moderne Kunst ist für Tom andere Bezeichnung für „nicht anders losgeworden“ oder „nix gekonnt und nix dazugelernt“. Nach den Ausstellungen muss er durchaus zugeben, dass etliche der Exponate Spaß gemacht haben, waren sie doch wider erwarten zugänglich und manche davon sogar interaktiv. Die Sonderausstellung Suprasensorial ist wirklich gelungen!

Danach geht es weiter durch den Skulpturengarten des Hirshhorn Museums, in einen weiteren Skulpturengarten und dann ins nächste Kunstmuseum. Dieses ist aber so überfüllt, dass wir bald aufgeben und ins Hotel zurück fahren. Gabi wünscht sich heute mal ein schickeres Abendessen in aller Ruhe, wenn es schon mit dem Nachtleben nicht so richtig klappen will. Gestern Abend haben wir noch im Internet gestöbert, doch die empfohlenen Musikbars oder –kneipen haben dieses Wochenende alle ein bescheuertes Programm und auch die Theater geben nichts her.

So wollen wir uns mit einem guten Essen trösten 😉 Wir ziehen uns nett an und stöckeln (zumindest Gabi) los. Der Bus nach Georgetown braucht länger als wir die Strecke gelaufen wären, so viel Verkehr ist an diesem Samstag Abend. Was geht denn hier ab? Wir sind baff, als wir die Massen an Menschen sehen. Vor der Georgetown Cupcake-Konditorei stehen mindestens 3x so viele Leute an wie gestern früh…. Alle Restaurants sind überfüllt, die Leute stehen teils vor den Restaurants und warten. Doch wir haben HUNGER! Kurzentschlossen wagen wir uns in ein BBQ-Restaurant, das nicht ganz so voll aussieht. Dort ergattern wir den letzten freien Tisch. Leider keine so gute Wahl, denn der Laden entspricht weder vom Ambiente noch vom Essen dem, was Gabi sich gewünscht hatte. Auch Tom ist von den BBQ-Soßen-Auswahl enttäuscht. Definitiv nicht Tennessee-Niveau. Als die Bedienung Gabi dann auch noch zwei mal den Teller wegziehen will, obwohl sie noch an den Pommes knabbert, wird sie pampig. Nicht dass wir hier Stunden gesessen wären – ich schätze, wir waren insgesamt nicht länger als 40 Minuten an diesem Tisch, und das mit Maisküchlein und Chili als Vorspeise (für das sie auch zwei Versuche gebraucht haben um es ohne Zwiebeln zu bringen wie bestellt)… Also gut, Nachtleben und Restaurants abgehakt, gut dass in der Hauptstadt die Monuments und Museen ihren Charme versprühen…

Mit einem Trost-Cappuccino für Gabi ausgestattet spazieren wir somit kurze Zeit später zurück nach Arlington. Die zur Abwechslung mal wieder flottere Bewegung tut uns gut (warum ist Schlendern in der Stadt– durch Museen, Shops und sehenswerte Straßenzüge –anstrengender als eine Tageswanderung über Stock und Stein?). Soo finden wir auch unsere gute Laune wieder.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Frühling, Washington D.C. veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s