01.04.2012: Wer braucht schon Busse…

Ohne Frühstück sind wir alle etwas grummelig. Gabi besonders. Umso bewundernswerter, dass sie das Frühstück bis Alexandria aufschiebt, unserem Hauptziel für heute. Dank einer Schulklasse, die den Eingang zur U-Bahn verstopft verpassen wir unsere U-Bahn und die nächste geht erst 15 Minuten später. Doch in Alexandria, wo die U-Bahnhaltestelle definitiv abseits gelegen ist, wartet ja ein Shuttle auf uns, das uns die 16 Blocks bis an die Water front fährt… oder doch nicht? Denn das Kleingedruckte auf dem Schild sagt: „Alle 10 Minuten von 11 Uhr früh bis 10 Uhr abends“… will hier keiner vorher in die „Old Town“? So laufen wir eben. Immerhin geht es die sehenswerte King Street entlang. Gabi hat vorher ein Frühstücksrestaurant ausgesucht, ein französisches, in das wir dann auch nach dreiviertel des Weges Richtung Water front stolpern. Die Auslagen von Le Pain Quotidien zeigen Schwarzbrot… leckere Kuchen und vieles mehr. Wir finden auf der Mezzanine (einem im 1. Stock befindlichen „Balkon“ am Gemeinschaftstisch einen Platz und bestellen: French Toast (kapiert?) mit frischen Erdbeeren für Gabi, eine Auswahl an Käse mit verschiedensten Broten für Tom. Dazu bekommt er eine heiße Schokolade – so was hat die Welt noch nicht gesehen: Die Tasse ist voll aufgeschäumter Milch und dazu wird ein kleines Kännchen heißer Schokolade gereicht, die man dann in die aufgeschäumte Milch fließen lässt… nicht nur ein tolles Erlebnis, sondern auch ein toller Geschmack. Das ganze Frühstück ist phantastisch. Als wir das Restaurant wieder verlassen sehen wir dann auch Gabis Ausgesuchtes auf der anderen Straßenseite… nur gut, dass wir uns von unserer Intuition haben leiten lassen und so eine Perle gefunden haben.
Wir haben eine Beschreibung eines geführten Spaziergangs dabei, auf deren Spuren wir dann Alexandrias alte Gebäude erkunden. Die Sonne kommt durch die Wolken und die Nebenstraßen sind meist ruhig, schöne alte Backsteinhäuschen, baumgesäumte Straßen… alles das was ein verträumtes Städtchen ausmacht. Als Gabi auf Tom wartet, fällt ihr ein penetrantes Vogelgezwitscher auf. Sitzt da nicht direkt über ihrem Kopf ein Rotkardinal, also der „Staatsvogel“ von Illinois? Der seit kurzem auch unser Nummernschild ziert? Tatsächlich sehen wir hier in 5 Minuten mehr von dieser Vogelsorte als bis jetzt in einem Jahr in Illinois. Jetzt wird klar, warum andere Bundesstaaten diesen Vogel auch als Wappentier für sich beanspruchen.

Als wir wieder auf die Hauptstraße kommen ist dort die Hölle los. Wo ist nur Toms beschauliches Sonntagsfrüh-Alexandria geblieben. Wer hat es zur hippen Location umfunktioniert? Nachdem Gabi sich ein Karottenkuchen-Eis gegönnt hat, warten wir auf den nächsten Bus, der uns zurück zur U-Bahn bringt. Doch die 10 Minuten sind nicht gut investiert. Von einem Bus in UNSERER Richtung keine Spur, so wandern wir eben die vielen Blöcke zurück zu U-Bahn auf unseren eigenen Füßen.

Jetzt eine tolle Fußmassage, eine Sauna, Entspannung … *knack*next stop Arlington cemetery*knack* (also: „Der nächste Halt Arlington-Friedhof“)… OK die Träume waren nur kurz, aber schön…

Die Realität spielt sich nun unter nahezu wolkenlosem Himmel ab – und beinhaltet jede Menge Verwendung unserer Füße. Wir wollen den riesigen Friedhof in Arlington erkunden. Der „National“friedhof der Amerikaner ist DER zentrale Anlaufpunkt zu Ehren gefallener Streitkräfte und sonstiger Berühmtheiten, vor allem aus Politikerreihen. Das zieht Trauben von Besuchern an. Glaubt Ihr nicht? Es gab dort 12 Damentoiletten, doch Gabi musste 5 Minuten ANSTEHEN. Premiere für sie… Doch wir haben ja auch noch nie einen Shuttlebus auf einem Friedhof gesehen. Wir lassen die Bushaltestelle aber natürlich links liegen…

Auch wenn es also fast etwas überfüllt ist für einen pietätvollen Spaziergang, laufen wir zum Grab von John F. Kennedy und werden anhand der Reihen über Reihen von weißen, gleich aussehenden Grabsteinen, die sich vom saftig grünen Rasen abheben, ganz ruhig. Es liegen hier Soldaten der verschiedensten Kriege. Wie in Amerika üblich, gibt es statt Blumen nur Rasen. Übrigens liegen hier die Soldaten unabhängig von ihrem Glauben: Jeder Grabstein ist mit einem Emblem gekennzeichnet, der die Zugehörigkeit des Toten symbolisiert. Es gibt über 40 verschiedene (die Amis sind im Glauben sehr divers) Embleme, wir sehen vom Weg aus vor allem Kreuze und den Davidsstern. Insgesamt sind hier 300.000 Menschen begraben, überwiegend Soldaten verschiedenster Ränge.

Die Grabstätte der Kennedys liegt auf einem Hügel, von dem man nicht nur einen eindrucksvollen Blick auf die Größe des Friedhofs, sondern auch auf die Stadt hat. Noch von hier aus sieht das Washington Monument riesig aus. Gabi entscheidet, auch noch das Grabmal des unbekannten Soldaten zu besuchen, das auf dem nächsten Hügel liegt. Es ist noch mal ein wunderschöner Frühlingstag geworden. Wenn man das so sagen kann bei einem Friedhofsbesuch. Mit den sanften Hügelchen, dem saftigen Gras und all seinen blühenden Bäumen, Sträuchern und Blumenrabatten ist es hier wunderschön.

Wir werfen einen Blick in ein großes und pompöses, aus weißem Marmor erbautes Amphitheater. Dort werden regelmäßig Zeremonien zu Ehren des Militärs abgehalten. Danach kommen wir gerade noch rechtzeitig, um die militärische Wachablösung beim Grabmal des unbekannten Soldaten mitzuerleben. Begraben sind dort übrigens nicht nur ein Soldat, sondern viele unidentifizierte Gefallene. Rund um die Uhr gibt es für das Grabmal eine Ehrenwache, und Kränze werden aus dem ganzen Land geschickt. Wir sehen noch, wie SchülerInnen einer High School einen Kranz aufstellen.

Der Weg zurück zur U-Bahnstation zieht sich nochmal gewaltig, doch schließlich kommen wir wieder bei unserer Vitaminaufladestation an und gönnen uns nochmal einen letzten Chop´t-Salat. Danke Tom, dass Du mir (und somit Euch) Washington gezeigt hast!

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