Sonntag, 15.07.2012: Ungewohnte Höhenluft-Desaster oder Von Leichen und Skeletten

Nach einem gemütlichen Frühstück brechen wir zügig auf, haben wir schließlich nochmal mehr als 2 Stunden Autofahrt vor uns. Nach dem Großeinkauf im letzten Ort der einen gut sortierten Supermarkt besitzt, starten wir also ins Nichts. Das Abenteuer beginnt. Tom stoppt unsere Wandervorschläge zwar gleich mit “zu weit weg” – das Grand Teton-Gebiet ist wohl größer als gedacht. Also entscheiden wir uns für die vermeintlich langweilige Alternative, eine Wanderung namens “Red Hills and Lavendar mountains” (Rote Hügel und Lavendelberge) (von Gabi, Sandra und Alex in der Vorbereitung mit einer durchschnittlichen Schulnote von 1.5 benotet). Wie auch immer, langweilig ist schnell vorbei, als wir feststellen, der Ausgangspunkt ist nur über eine Offroad-Strecke erreichbar. 3x dürft ihr raten: Tom fährt. Tom: „Das war nicht Offroad, da hat einfach nur Teer gefehlt, Völlig passable Straße.“ Gabi: „Außer man kommt von der Straße ab und landet im Abgrund…“

Wir halten an einer tollen Aussichtsstelle und genießen ein Picknick mit Sushi, Sandwiches, Nektarinen und Sekt. Naja gut, der Sekt hat noch gefehlt, aber immerhin konnten wir uns an der prickelnden Aussicht trunken sehen (Nein, wir haben weder geraucht noch getrunken).

Unser Wanderweg beginnt am Fuße der phantastisch rot gefärbten und perfekt benannten Red Hills. So parken wir unser Auto gleich neben der Straße – die Wanderung scheint WIRKLICH ein Geheimtipp zu sein – von einem Parkplatz oder gar anderen geparkten Fahrzeugen keine Spur. Der Weg ist nicht mehr wie ein Trampelpfad der nur eine Richtung kennt: Bergauf. Mal nur leicht, meist aber so steil, dass es schwer fällt die Füße zu setzen. Was eigentlich von der Länge ein gemütlicher Spaziergang sein sollte, gestaltet sich auf über 2000 Metern und ohne Aklimatisationsphase wirklich anstrengend. Scheinbar fanden das auch so manche Tiere, denn wir kommen nicht nur an den Fell- und Hufüberresten eines Rehes vorbei, sondern auch an Wirbelsäulen und Rippenbögen von irgendwelchen Tieren die es nicht geschafft haben.

Die Sonne brennt, doch immer wieder pfeift an exponierten Stellen der Wind, der teilweise eine fast unangenehme Kühle bringt. Wir sind mit unseren kurzen Shirts nicht wirklich auf den Wind eingerichtet, so dass es vor allem Tom schon mal kühl wird. Als wir den ersten Sattel erreichen, zeigen sich vor uns die Lavender Mountains, die lavendelfarben einen tollen Kontrast zu den roten Hügel abgeben. Einige hundert Meter weiter entscheidet Tom schon einmal umzudrehen – die Höhe setzt ihm zu und ihm ist leicht schwindlig. Die Anderen wollen noch den “besten Blick auf die Teton Range” (Gebirgszug) finden. Während Tom gemütlich im offenen Kofferraum des Vans sitzt und die unglaubliche Stille und den Blick auf eine nahe gelegene Pferde-Ranch geniest geht es für die anderen drei steil weiter bergauf. Es konnte offenbar an Steigung noch zugelegt werden, und um den Spaß noch weiter zu erhöhen zieht sich der Weg über einen weichen, rutschigen Untergrund hin zum Hochplateau auf knapp 3000 Metern Höhe. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt, den Dreien gehen die Superlative aus. Die Weite, 360 Grad Rundumblick, die Tetons, Gletscher, rote Hügel, lavendelfarbige Berge… wir sind begeistert und können uns kaum los reißen. Nur die Sorge um Tom treibt uns wieder nach unten. (Tom: „Würg“; Alex: „Sonst wären wir natürlich oben geblieben“, Sandra seiert: „Spornt uns an, den Abstieg schnellst möglich hinter uns zu bringen“).

Danach fahren wir erst die hervorragende Schotterpiste zurück und machen noch einen Zwischenhalt bei einer alten, halb verfallenen Mormonen-Siedlung, die sich extrem fotogen als Vordergrund für tolle Aufnahmen der Teton Range anbietet. (Gabi: „Habs auch vom Auto gut gesehen“; Tom: „Die Mädels haben eigentlich ihre entzückenden Hintern nicht mehr aus dem Auto bekommen“) Für alle, die noch nicht hier waren: Nach den Red Hills im Osten kommt eine große Ebene, aus der sich steil und schroff wie auf Kommando die Gebirgskette erhebt. Diese gibt dem Nationalpark ihren Namen. Von den Rockefellers einfach mal schnell aufgekauft und dem Staat geschenkt, stellt dies sicher, dass auch wir noch viel unberührte Natur – inklusive der Tierwelt – erleben dürfen.

Apropos Tierwelt und Ebene: Auf eben dieser Ebene erleben Sandra, Alex und Gabi ihre erste Büffelherde live, auf beiden Seiten der Straße grasen diese tonnenschweren Viecher behäbig. Das ist schon beeindruckend und auch bewegend. Wie Gabi schon bei der Geistersiedlung sagte: Manche Ausblicke muss man einfach nur genießen – 3 Genießer schicken Tom zum Fotografieren los und bleiben im Auto sitzen. Damit wir “näher” an der Natur sind, wollen wir aber die Fenster öffnen. Funktioniert aber trotz eingeschalteter Zündung nicht. Als Tom wieder zurück im Auto ist und wir unser Problem erläutern, drückt er auf einen Knopf – der Fahrer scheint hier alles zu kontrollieren – und schon funktioniert unser Fensterheber. Doch es reicht nicht, dass Gabi es probiert, auch Sandra und Alex müssen ihre Fenster öffnen, schließen, ein bisschen öffnen… Tom schüttelt mit dem Kopf, wie ist er nur wieder in diesen Kindergartenausflug geraten…. 😉

Wir erreichen irgendwann dann unsere Unterkunft: Holzhütten des Colter Bay Village, die in den zwanziger Jahren gebaut wurden und noch jetzt eher rustikalen Charme versprühen. Mäuse haben sich hinter der Wand unseres Bades eingerichtet – man hört sie rascheln, fiepen und – wie sich später herausstellt – Parties bis tief in die Nacht feiern (Für Tom aber immer noch besser als beim letzten Mal, wo ein Nager sich in der Nacht neben seinem Kopf durch die Wand gebissen hat). Doch mit 3 Betten und Strom, Warmwasser, Reinigungsservice und einem eigenen Bad MIT Toilette und Dusche ist das doch eher die Luxusversion einer “Holzhütte” – und so sind wir mehr als zufrieden.

Trotzdem hält es uns nicht lang in unserer düsteren Hütte, denn wir wollen unser in Jackson eingekauftes Abendessen am Jackson Lake genießen. Diesen Tipp hat uns die alte Dame im Hüttenbüro beim Einchecken gegeben. Wir kriegen tatsächlich die perfekte Picknickbank und speisen mit Blick auf eine fast schon kitschige See-Bergweltkulisse Teryiaki-Hackfleischbällchen, Hähnchen süß-sauer und scharf mit Gemüse- und Krautsalat. Dazu Tomaten und richtig leckeres Rustikalbaguette. Unser Bänkchen steht so nah am Wasser, dass die Wellen fast unsere Füße erreichen. Zum Nachtisch gibt es dann noch Wassermelone. Kann es einem besser gehen? Wir entscheiden ja: Denn langsam wird es kühl und wir wollen ins Warme. Nach der Dusche sind die Mäuse die einzigen, die Party feiern. Bald kriegen wir selbst davon nichts mehr mit, kurz drauf schlafen wir nämlich tief und fest.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Besuch, Utah, Wandern, Wyoming veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s