Dienstag, 17.07.2012: Wanderung zum Hermitage Point

Heute wecken uns Sandra und Alex vor dem vorher hart ausgefeilschten Wecktermin – der Jetlag treibt seltsame Blüten. Gabi und Alex haben gestern die Frühstücksauswahl um Frühstückscerealien und Milch erweitert und so kriegen die drei Frühstücker schnell was in ihren Magen. Wir starten bereits um halb neun die Wanderung. Heute steht ein relativ flacher Rundweg mit 10 Meilen auf dem Programm. Erst geht es zum Heron Pond, der über und über mit Seerosen bedeckt ist. Zudem spiegelt sich die Teton-Gebirgskette samt Gletschern in dem ruhigen Gewässer, so dass Tom wieder glücklich vor sich hin knipst. Wir sind so leise wie möglich, wollen wir doch Wildtiere sehen. Die einzigen Wildtiere, die sich in Hülle und Fülle blicken lassen, sind allerdings Stechmücken, die sich an unserem Blut laben während wir immer aggressiver um uns schlagen bzw. in Alex Fall ein wildes Tänzchen aufführen. Die Ruhe wird plötzlich zerrissen von lautem Geschrei. Nach einer Minute erkennen wir die Ursache: Eine Gruppe Reiter taucht zwischen den Bäumen auf, die Führerin der Gruppe erzählt schreiend ihre Geschichte, während der hinterste Reiter uns anpflaumt, wir hätten gefälligst den Weg zu verlassen, die Pferde könnten ausschlagen. Nach dieser Lärmmacherei geben wir die Hoffnung auf große Tiere erst mal auf. Der einzige Lichtblick ist ein riesiger Rabe, den Tom ganz gut erwischt.

Es geht durch einen sehr dichten Dschungelwald. Und weiter da durch. Und weiter. Und weiter. Gar nicht so eben wie vorher im Reiseführer angekündigt sondern auf Dauer ganz schön mühsam. Grad als Gabi anmerkt, dass jetzt mal Abwechslung nicht schlecht wäre, öffnet sich die Landschaft auf eine Art Heidefläche hin, nur dass statt Erika- hier Lavendellbüsche wachsen. Rechts von uns taucht auch wieder der große Jackson Lake auf, an dessen Küste entlang es jetzt geht. Am Hermitage Point, der den riesigen Bergsee und dahinter die Tetons in voller Pracht zeigt, halten wir nur kurz, denn es zieht hier mächtig. Kurz bevor wir wieder richtig in den Wald eintauchen, machen wir daher erst unsere Mittagspause und vespern vorher zubereitete Brote, Tomaten und Obst.

Der Rückweg zieht sich dann. Teils im Wald, teils auf heißen Waldlichtungen geht es bergauf- bergab durch die friedliche und einsame Landschaft. Bei einem weiteren Teich fotografieren Tom und Alex unter hohen Wasserrisiken Seerosen.

Danach werden wir (zumindest Gabi und Tom) dank der brennenden Füße und der vielen Schnaken richtig wehleidig und wählen den absolut kürzesten Weg zurück zum Auto. Schee wars – doch auch schee dass wir es jetzt geschafft haben 😉

Nach einer kurzen Erholungspause am Auto wollen wir unsere heißen Füße in einem Fluss kühlen. Wir finden in nicht allzu weiter Fahrdistanz eine kurze Schotterstraße die in eine Biegung des Snake Rivers führt. In dieser Kehre fließt der Fluss nicht allzu schnell und wir erholen unsere Füße in der erfrischenden Kühle. Ein Graureiher fliegt davon und ein Pelikan gleitet vorbei. Es ist still, schön und entspannend, bis ein anderes Auto mit Kanus auf dem Dach, offenen Fenstern und aufgedrehtem Radio den Zauber zerstört. Damit wäre das Thema wilde Tiere wohl gegessen.

So packen wir es wieder und plündern die Essenstheke im Colter Bay Village Einkaufsladen. Nudeln Choi Mei, Spring Rolls, Orange Chicken und General Tao Chicken – alles leider schon mindestens vom Vortag, weshalb Tom dankend verzichtet. Den anderen jedoch schmeckt es wieder bei toller Aussicht am Rand des Jackson Lakes. Alex ist heute in Experimentierlaune und versucht seine These, dass es hier am Steinstrand ca. 5 verschiedene Steinsorten gibt, empirisch zu belegen. Seine Untersuchung ergibt jedoch mehr wie 15 Sorten. Und fast alle Steine sind rund geschliffen – Gletscher lassen grüßen.

Sandra und Alex machen danach noch einen Strandspaziergang wobei Sandra gleich von zwei Blutegeln angegriffen wird, die sie aber schnell abschütteln kann. Währenddessen fallen Tom die Augen zu und Gabi schreibt gewissenhaft (als letzte aufrechte Dokumentöse) Tagebuch. Doch danach ist der Tag noch nicht beendet. Wir fahren nochmal los – eine andere Schotterpiste, die an eine entfernte Stelle des Pilgrim Creeks führt. Dieser hat ein sehr breites Schotterbett, durch das ein schmaler schneller Strom fließt. Eigentlich doch ein idealer Platz wo Tiere in der Dämmerung zum Trinken hinkommen, oder? So setzen wir uns auf einen Baumstamm und warten. Die Ruhe ist ja super, doch Tiere lassen sich leider überhaupt nicht blicken. Halb durchgekühlt entscheiden wir also irgendwann zum Auto zurückzukehren. Alex will vorher “nur kurz mal” den Fluss durchwaten. Ohne Schuhe und mit einem dicken Stecken bewaffnet kämpft er gegen die Strömung und das kalte Wasser. Warum ist ein Berg da? Um bestiegen zu werden! Warum ist ein Fluss für Alex da? Um durchwatet zu werden! Für sich genommen schon fast Zen Buddhismus. So hat er dann auch irgendwann die Eis-Fuß-Massage hinter sich und wir lassen den Tag ausklingen…

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