Mittwoch, 18.07.2012: Brodel, Zisch und “Hama scho gsehn”

Heute heißt es Abschied nehmen von den großen Brüsten ähhh den Grand Tetons. Wir winken noch mal artig und düsen ab Richtung Yellowstone. Seines Zeichens der größte und älteste Nationalpark der USA, grenzt er dankenswerter Weise gleich nördlich an die Tetons an. Die Landschaft verändert sich schnell, die Berge werden niedriger und sind mit dichten Nadelwäldern bedeckt. Das soll das Land der brodelnden Löcher sein? Gabi zweifelt noch, auch wenn ihr reißende Wasserfälle und liebliche Flussauen durchaus gefallen…

Doch ein paar Minuten später raucht es schon aus der Erde: Wir sind am West Thumb Basin angelangt! Malerisch am Yellowstone Lake gelegen, bewegen wir uns auf beplankten Wegen entlang. Wir bestaunen blubbernde Schlammlöcher, kleine und größere Pools mit kristallklarem, grünblauem Wasser, an deren Ränder sich leuchtend orange-gelber Schlamm und mineralische Verkrustungen angesammelt haben. Was für ein farbenfroher Einstieg in diese einzigartige Landschaft!

Wir finden im Wald einen schattigen Picknickplatz – Das ist echt toll hier in den Nationalparks, überall wurden Picknicktische aufgestellt, samt Toiletten und Mülleimer, perfekt für ein Freiluftmittagessen. Das denken sich auch die Moskitos und beißen kräftig zu – solang, bis wir die Nase und Mägen voll haben und uns wieder ins mückenfreie Auto verziehen. Unser nächstes Ziel ist gleichzeitig schon unsere Unterkunft für die nächsten 2 Nächte: Old Faithfull. Riesige überfüllte Parkplätze zeigen: Wir sind mitten in der Haupt-Touristenattraktion gelandet.

Für Euer Allgemeinwissen: Im Yellowstone-Nationalpark gibt es mehr Geysire und Thermal-Aktivität wie auf dem restlichen Erdball zusammengenommen. Sprich, hier ist die Erdkruste besonders dünn und es brodelt überall. Um das Touristenzentrum Old Faithfull herum gibt es etwa 40-50 Geysire, Pools und Basins. (ERKLÄRUNG?) Im Mittelpunkt steht Old Faithful, ein zuverlässig etwa alle 60 Minuten ausbrechender Geysir, der von allen Seiten gut beobachtet werden kann. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, wie wir, kann auf Holzstegen (der Untergrund ist unsicher, da unterhölt oder nur dünne Oberfläche) kilometerweit spazieren gehen und die verschiedensten, große und kleine Geysire, Schlammlöcher und brodelnde Pools beobachten. Manche Geysire brechen alle paar Minuten aus, andere nur alle 50 Jahre. Manche sind vorausberechenbar, andere unberechenbar. Es gibt Geysire mit Ablagerungen, die wie Grotten, Burgen oder Schildkröten aussehen. Andere Löcher haben phantastische Farben, blau und grün sowie gelb-orange-rote Ufer. Manche stinken schwefelig, andere faulig. Immer wieder dampft es aus auch kaum sichtbaren Löchern einfach so aus der Erde.

Wir verbringen den gesamten Nachmittag auf Wasserfontänenjagd, d.h. wir versuchen bei den mehr oder weniger genauen Vorhersagen für den Ausbruch von Geysiren immer mit dabei zu sein, was sich aufgrund des großen Geysir Bereichs u Old Faithful als gar nicht so einfach herausstellt. Tom fängt mit seiner Kamera die schönsten Wasser- und Dampfspritzer ein – die, die Tom auslassen würde, werden von Gabi beauftragt. Da in dem ganzen Geysir Gebiet kaum Schatten zu finden ist (wenige Bäume und Gräser mögen Schwefel und Wassertemperaturen am Siedepunkt) brennt die Sonne gnadenlos auf uns herab. Wir vermuten, dass die Intensität der Sonneneinstrahlung auch an der Höhe liegt, auf der wir uns befinden (Im Schnitt befindet sich Yellowstone auf 2200m über dem Meeresspiegel). Obwohl wir gar nicht sooo weit laufen (Alex rechnet es runter auf “ein paar Kilometer” – andere aus unserer Gruppe sind überzeugt, mindestens 10 Kilometer gelaufen zu sein), sind wir deswegen gegen 17h total erledigt. Als der Riverside Geysir “Verspätung” hat, sitzen wir schlapp im Schatten und verpassen fast das “Vorprogramm”: Ein Seeadler hat sich genau diesen Flussabschnitt ausgesucht, um Fische zu fangen. Was für ein schönes Bild! Doch der Geysir lässt weiter auf sich warten, so geben wir nach 30 Minuten auf: Soll der doch ohne uns spritzen!

Wir checken im Old Faithful Inn ein. Dieses alte Hotel hat ein Holz-Spitzdach und ist innen dunkel und riesig: Man kommt sich im Hauptgebäude fast vor wie in einem Harry Potter Film – in einem der großen Räume von Hogwards. Fast alles ist mit Holz gebaut, dicke Stämme sind Stützstreben. Es gibt eine großzügige Innenhalle und mehrere Stockwerke, von denen die ab dem zweiten Stock aber wegen Instabilität abgesperrt sind. Ein 25m hoher und etwa 4 Meter breiter an allen 4 Seiten beheizbarer Steinkamin rundet das Bild ab. So eine urige Unterkunft hatten wir noch nie! Dass wir im neu angebauten West Wing übernachten, tut unserer Begeisterung da kaum einen Abbruch. Schlimmer ist schon, dass wir keinen Platz im Hotelrestaurant kriegen. Daher essen wir in der nahe gelegenen Snowlodge zu Abend: Bisonburger und Chicken Wings. Auch wenn die Kellner hier Pfeifen sind – das Essen schmeckt! Nachdem wir uns frisch gemacht haben, erkunden wir noch den Rest des Hotels, z. B. die große Terrasse im ersten Stock, von der aus man praktischerweise mit Cocktail in der Hand den nächsten Ausbruch des Old Faithful beobachten kann.

Das bringt Sandra, Alex und Gabi auf eine Idee: Mit einem Cocktail in der Hand sitzen wir auf einem Holz-/Ledersofa am Geländer des 2 Stockes und beobachten das Treiben in der Hotellobby. Besser kann ein Abend fast nicht enden…

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Eine Antwort zu Mittwoch, 18.07.2012: Brodel, Zisch und “Hama scho gsehn”

  1. muellerssicht schreibt:

    Beeindruckende Naturschauspiele und Farben.
    LG Michel

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