Donnerstag, 19.07.2012: Brodel, Zisch und “Hama scho gsehn” – Klappe, die 2.

Ein schnelles Frühstück auf dem Hotelzimmer startet Teil 2 unseres Yellowstone-Abenteuers. Die Kaffeemaschine in unseren Zimmern bietet mal wieder frisch gebrühten Kaffee und grünen Tee für Sandra.

Sprudelnd vor Vorfreude brausen wir danach los. Unser erster Halt ist das Midway Geysir Basin. Dieses enthält die farbenfrohste Quelle, die Grand Prismatic Spring. Allerdings aufgrund der frühen Morgenstunde und des vielen Dampfes sind die Farben nicht besonders gut zu sehen. Auch müsste man eher von einem erhöhten Punkt auf das Basin sehen. Wir erkennen aber zumindest die farbenfrohen Ränder und Ausläufe.

Immer wieder findet man Dinge in Quellen und Pools liegen. Am Rand dieses Basins sind es 5 Hüte und ein Schuh, in einem anderen sogar ein Buch! (Sandras Kommentar dazu: “Das ist ein schlauer Pool”). Kaum haben wir uns auch genügend darüber aufgeregt, fällt von Toms Kamera ein Filteraufsatz ab, den er versucht zu fangen und damit in noch höherem Bogen über die Brüstung schmeißt. Tom startet zur Rettungsaktion, und springt über die Brüstung auf den abgesperrten Boden. Für seine Kamera-Utensilien würde er sogar das Risiko auf sich nehmen, bis zum Erdkern durch zustoßen….

Weiter geht es Richtung Nord-West-Yellowstone. Tom hatte uns schon gewarnt, vorsichtig zu fahren, denn im gesamten Nationalpark kommt es immer wieder zu sog. “Bärenstaus”, wenn Wildtiere am Straßenrand (oder gar auf der Straße) zu beobachten sind. Kleine Staus für Büffel hatten wir schon gesehen, doch plötzlich parken an den unmöglichsten Stellen Horden von Touristen. Wir – natürlich auch. Immer den Leuten nach gelaufen, sehen wir bald den Grund der Aufregung. Zwei große Hirsche mit schönen Geweihen sitzen malerisch an einer Flussaue. Tom schnappt sich seine Profi-Ausrüstung: Teleobjektiv, Stativ, Kamera und Assistenten und rennt zum Schauplatz. Als wir alle dort angelangt sind, sind wir überrascht, dass sich die anderen Zuschauer verhalten als wären sie auf einer Party statt Wildtiere zu beobachten.

Die weitere Fahrt in den nordwestlichsten Teil von Yellowstone ermöglicht uns Blicke auf eine Landschaft, die einem malerischen Voralpengebiet (oder zumindest sieht es so aus) ähnelt. Um Gabi mal wieder zu zitieren: Das ist so schön, ich könnte kotzen. Und ja liebe Leser: Fast alles, was wir sehen, ist wie aus einem Bilderbuch: Der Wald – mal dicht, mal verwunschen, mal grün, mal schwarz – die Gräser und Auen in einem herrlichen Grün, Flüsse und Bäche kristallklar und sich natürlich durch die Landschaft schlängelnd.

Endlich angekommen in Mammoth Hot Springs erblicken wir ein eher trostloses Bild. Der ganze Bereich scheint nur noch ein trauriger Abklatsch von dem zu sein, was die Welt und Tom vor zehn Jahren noch erleben konnten.
Doch erst mal zu unserer Ankunft: Mammoth Hot Springs entpuppt sich als ein Mini-Kaff, völlig überrannt von Touristen, so dass die Parkplätze aus allen Nähten platzen. Nachdem wir erfolgreich einen Parkplatz ergattert haben besuchen wir das Visitor Center und einen Einkaufsmarkt. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem “lebendigen” Büffel vorbei, der wie ein Haustier hinter dem Hotel-Restaurant und 2 Meter vom Haus entfernt im Schatten liegt. Unser Einkauf gestaltet sich schwierig. Uns ist nicht klar wie sich die Einheimischen hier über eine 5 qm großen Fläche mit allen Lebensmitteln versorgen können (bei uns braucht es dazu einen ganzen REWE). Dagegen wirkt im Rückblick unser erster Einkauf am Eingang zum Grand Teton mit einer Frische-Gemüse-Salattheke wie ein Paradies. Magere Zeiten für Tom…

Doch die Attraktion sind ja eigentlich die Sinter-Terrassen (Sinter heißt “Ablagerungsprozess von Kristallen”) und das heiße Wasser, das von Pool zu Pool den steilen Hang hinunter läuft, erzeugt auch hier schillernd-farbige Pools. So zumindest die Theorie. In der Realität sind leider fast alle Terrassen ausgetrocknet und so haben sich die Pools und die Ablagerungen in weißlich-gelbe oder graue Hinterlassenschaften der einstigen Pracht verwandelt. Tom hat hier vor 10 Jahren noch viel mehr gesehen und bricht fast in Tränen aus als er die graue Wüstenfläche vor sich sieht. Etwas [Alex und Sandra meinen “ziemlich” würde es besser treffen] enttäuscht und wieder total von der Sonne aufgeheizt fahren wir zurück. An einem Picknickplatz direkt am Flussufer genießen die übrig gebliebenen Esser (Tom verweigert sich) ein Picknick. Danach gibt es ein erfrischendes Fußbad im hübschen, seichten Fluss.

Als letzte Station unserer heutigen Fahrt stoppen wir am Bisquit-Basin. Dort sind einige der farbenfrohsten Pools zu sehen, vor allem der Saphir Pool. Unser Abendessen nehmen wir im Geysir Grill nahe unserem Hotel in Old Faithful ein. Auch wenn es sich nur um Fast-Food handelt, finden alle etwas Leckeres zu essen.

Der Ausklang des Tages ist ein Verdauungsspaziergang an den oberen Becken des Upper Geysir Basins am Old Faithful, welche wir am Vortag ausgelassen hatten. Wir genießen dabei auch noch einen wunderschönen Sonnenuntergang mitten im rauchenden und wasserspeienden Geysirgebiet. Tom ist leider nicht mit von der Partie, daher machen wir besonders viele Fotos. Dann schließen wir uns Toms Vorbild an und fallen völlig erledigt ins Bett. Denn Morgen -früh morgens- um 5:30 klingelt wieder der Wecker…

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