Freitag, 20.07.2012: Morgenstund hat Gold im Mund

„Heute wollen wir Wildlife sehen“ (O-Ton Gabi)! Da alle Reiseführer und Internet-Foren einem die frühen Morgen- oder späten Abendstunden ans Herz legen für die besten Tierbeobachtungen, haben sich Sandra und Alex breitschlagen lassen, heute GANZ früh aufzustehen. Wir planen eine Wandertour zu den Fairy Falls und dem Imperial Geysir. Um 6:30 Uhr starten wir also am Parkplatz – wir sind die ersten! Wir laufen erst an einem Pool, den wir gestern schon gesehen hatten, vorbei. Dann geht es erst mal etwas länger langweilig in einem Nadelwald weiter. In den 80er Jahren gab es einen riesigen Waldbrand in dieser Gegend und die Parkverwaltung hat alle Baumstümpfe einfach stehen- und liegen lassen. So sieht man, wie die Natur sich regeneriert, die neuen, jetzt auch schon 2,5 Meter hohen Bäume stehen dicht an dicht. Andererseits stören immer wieder schwarze Stämme das “romantische” Bild…

Außer der ständigen Begleitung von Streifenhörnchen liebt besonders eine Tierspezies uns: Moskitos! Alle anderen, größeren Viecher aber verweigern sich uns. DAFÜR sind wir so früh aufgestanden? Wir sind fast etwas enttäuscht, als sich mit lautem Rauschen endlich der unserer Wanderung ein Ziel gebender Wasserfall ankündigt. Plötzlich wandelt sich auch die Umgebung. Wir nähern uns den Fels- und Bergwänden und in der totalen Einsamkeit liegt eine verwunschene Waldlichtung vor uns, durchsetzt mit größeren und kleineren Felsblöcken und umgestürzten Bäumen. Noch mal ums Eck gewandert – und da liegt er vor uns, der Fairy Fall: Ein relativ kleines Rinnsal stürzt sich über eine Felskante und ergießt sich fächerförmig über die darunter liegenden Felsen. Das ganze Schauspiel ist eingerahmt in eine Halbgrotte und wirkt tatsächlich wie aus der tschechischen “3 Nüsse für Aschenbrödel”-Märchenvariante.

Das gefällt anscheinend auch Murmeltieren! Von Sandra und Alex aufgeschreckt, kommt Gabi und Tom so ein Frechdachs auf dem Weg entgegen, rettet sich dann den Berghang hinauf und posed aus sicherer Entfernung für ein paar schöne Fotos. Das macht Lust auf mehr und so entscheiden wir uns, zum nahe gelegenen Geysir weiter zu wandern. Was sind schon 2 Meilen mehr? Nichts, denn wir werden reichlich belohnt. Nach an sich schon hübschen Waldwiesen kommen wir in eine Gegend, die nur so dampft. Insbesondere faszinierend ist ein dampfender Bach, den wir flussaufwärts zum Imperial Geysir wandern. Die Fotoapparate klicken was geht, wagemutig testet Gabi sogar mit dem Finger die Temperatur des Wassers (heiß). Wir würden wie verwunschen stehen bleiben, wenn wir nicht einen teuren Preis dafür zahlen würden – Blutzoll!!! Schnaken überall treiben uns weiter bis zum Geysir. Dieser empfängt uns sehr farbenfroh und ist während der 15 Minuten, die wir dort sind, durchgehend dabei Wasser zu speien. Wie der Reiseführer so schön schreibt, dieses Erlebnis ist unchoreographiert, abseits aller Touristenströme, wir sind so nah dran wie noch nie an einem Geysir. Faszinierend!

Auf dem Rückweg erklimmt Tom einen kleinen Höhenzug, um die Grand Prasmatic Spring aus der Vogelperspektive fest zu halten (Tom: „Klein? Das Ding war affensteil!“). Kurz vor dem Erreichen des Parkplatzes kommen uns die ersten Wanderer entgegen – vor 9 Uhr, also zu einer normalen! Startzeit.

Wir dagegen haben uns schon um 9:30 Uhr unser deftiges American Breakfast verdient und so genießen wir Frühstücksburritos und Rührei, Cappuccino, Früchte und Apple Turnover (was sich als Apfeltasche herausstellt.) Zufrieden und satt geht es zum Yellowstone Lake, dem größten See im Park. Hier kühlen wir mal wieder unsere Füßchen, bevor es Richtung Roosevelt Lodge im Nord-Osten von Yellowstone geht. Zwischen drin halten wir bei den megafies stinkenden Vulcanic Mud Pots (Alex: Ätzend! Ph-Wert 1,5 – Tom: „Dagegen kann man sich mit ’ner Autobatterie-Säure noch fast die Hände waschen…“) Der nächste Stopp ist für eine Wanderung am Grad des Grand Canyon entlang mit herrlichen Blicken in die Schlucht und auf stinkende Schwefelquellen. Diese Wanderung ist so nirgends eingezeichnet und Toms Geheimtipp. Der Mega-Anstieg am Anfang schreckt jeden Möchte-gern-Wanderer ab und so genießen wir die Natur fast für uns alleine – doch dann müssen wir sie mit einer Big Horn Sheep (Bergziegen-)Mama und ihrem Zicklein teilen! Die beiden stehen so schön Modell für uns, das Zicklein hüpft zum Schluss sogar auf den Fels direkt vor uns und guckt uns neugierig an. Wir filmen und zoomen und verlieben uns unsterblich in das süße Ding!

Schließlich geht es zur Roosevelt Lodge. Hier haben wir 2 “Rough Rider Cabins” gebucht. Diese stellen sich als Mini-Hütten heraus, die Bett, Ofen, Spiegel und Schreibtisch enthalten, leider aber kein Bad und keine Toilette. Nur eine ganz dünne Holzschicht trennt uns vor der Hitze des Tages bzw. der Kälte der Nacht (und hier auf über 2.000 Meter wird es nachts durchaus noch kalt).

Bevor wir das feststellen, gönnen wir uns ein Essen im Lodge Restaurant mit perfektem Service. Es stellt sich laut Tom als “bestes Essen” in Yellowstone ever heraus.

Wir starten nochmal zu einem Abendspaziergang zu den Tower Falls. Der Weg zum Fuße des Wasserfalls bleibt uns leider versperrt und unsere illegalen Kraxeleien sind leider erfolglos – selbst unser Rehlein Alex dreht irgendwann um, da er mehrere Meter springen müsste. Wir begnügen uns also mit der Touri-Ansicht von oben, bevor wir uns nach einer Dusche im Gemeinschaftsbad in unsere romantischen Hütten zurückziehen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Besuch, Natur, Wandern, Wyoming veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s