31.07.2012: Softball und die „Abschlachtungsregel“ (Slaughter rule)

Wer kann eine der großen Rivalitäten unserer Zeit aufzählen? Borussia gegen Bayern, HSV gegen St. Pauli, Bears gegen Packers, … ich will heute eine weitere, monumentale hinzufügen.
Bei uns im Geschäft ist die PC basierte Softwareentwicklung (von den meisten nur „Software“) getrennt von der Firmware-Entwicklung für unsere Geräte. Nachdem „Software“ ja unter mir angesiedelt ist habe ich mich schon immer gefragt, wieso diese beiden Abteilungen getrennt sind. Seitdem ich zu dieser Organisation gestoßen bin hat vor allem ein Kollege aus der Firmware-Truppe immer wieder klar gemacht, dass offensichtlich vor meiner Ankunft meine SW Truppe gegen die FW Truppe im Softball verloren hat. Jetzt ist es Zeit für die Neuauflage dieses Klassikers. Ich bin schon wirklich gespannt.
Doch für alle die keine Ahnung von Softball haben oder gar denken, dass sei ein Mädchensport – oder versuchen ihr Softball-Wissen aus dem Rest der USA auf die Region Chicago zu transponieren, mal eine kleine Einführung. Baseball ist in Deutschland vielleicht noch als der „sonderbare Amisport“ bekannt, wo abwechselnd eine Mannschaft versucht Bälle mit einem Schläger zu treffen und solange dieser Ball nicht unter Kontrolle der anderen Mannschaft ist um ein Feld aus drei Platten herumzurennen (Bases). Softball ist da erst mal nichts anderes. Mit dem Unterschied, dass der Ball im Softball nicht wie im Baseball „von oben“ geworfen wird, sondern „von unten“, so dass der Ball mit Abstand langsamer beim Schläger ankommt (deswegen „Soft“ und mehr Spiel zustande kommt. Der Unterschied zum Chicagoland-Softball kommt dann noch in Form von Clinchern, d.h. 16 Inch große Bälle, weitaus größer wie ein normaler Softball (der wiederum größer ist wie ein Baseball). Weiterhin werden hier in der Gegend diese Brummer auch noch mit der bloßen Hand gefangen, was schon mal Fingernägel umbiegt oder Finger bricht… Harte Männer diese Nachfahren von Al Capone eben.
Unser Event könnte an keinem besseren Wetter stattfinden – wenn überhaupt ist es viel zu heiß und wir treffen uns alle nach dem Mittagessen auf einem nicht weit entfernten Feld, das wir angemietet haben. Ein Kollege hat für uns sogar einheitliche Mannschaftskleidung organisiert (die noch von einem der letzten Charity-Events übrig geblieben sind).
Wir haben viele gekühlte Getränke, ein paar Wassermelonen und einige Snacks organisiert, für das eigentlich geplante Grillen reicht leider unser Budget dieses Jahr nicht. Doch das tut der Gaudi keinen Abbruch. So werden vor allem von den schon besagten Managern der FW-Truppe lauthals blöde Sprüche ausgeteilt und von meinen Kollegen eher kleinlaut gekontert. Das Spiel ist dadurch dass nahezu jeder Ball getroffen werden kann wirklich kurzweilig, nicht wie beim Baseball wo unter Umständen kein einziger Spielzug zustande kommen kann. Ich darf sogar im rechten (später linken) Außenfeld in der Verteidigung mitspielen, d.h. eigentlich dort rum stehen. Doch wer verteidigt muss auch Schlagen. Noch nie einen Schläger in der Hand gehabt stell ich mich also hin (wie sich später herausstellt in die Position für Rechtshänder), treffe sogar den Ball, schaffe es bis zur ersten Base. Wenige Spielzüge später bin ich an der 2., der 3. Base und schaffe es sogar ins Ziel. Das verschafft Anerkennung, bin ich doch völliger Neuling – verstehe weder warum man bei dem Spiel so viel spucken muss… Mit jedem aus meiner Mannschaft, der es ins Ziel schafft werden die Spottrufe der FW-Kollegen leiser und die meiner Kollegen lauter. 2-1, 5-3, 8-3, 11-3…
Wir verständigen uns nach einigen weiteren Punkten auf die Anwendung einer Regel, die da Slaughter Rule, d.h. Abschlachtungsregel heißt und offensichtlich greift, wenn der Gegner so hoffnungslos unterlegen ist, dass ein Weiterspielen keinen Sinn macht. So starten wir ein zweites Spiel, das wir auch (diesmal knapper mit 5-2) gewinnen. Ich kriege sogar mal einen Ball im Außenfeld ab, den ich zielsicher zur ersten Base befördere. Dadurch (und weil man seinem Chef schlecht sagen kann, dass das nicht geht, fordere ich auch mal einen Platz im Innenfeld. Prompt kommt ein Ball zu mir, alle brüllen „Tag the base“, was ich beim Baseball als „mit dem Fuß berühren“ kenne, doch die Rufe gehen weiter, so bück ich mich halt und drück den Ball auf die Base – noch heute kann ich mir Lehrvorträge anhören, dass mein Spielzug klasse, schnell und effektiv war, ich mir aber das „Bücken“ hätte sparen können 🙂
Wir hatten jedenfalls super viel Spaß, die Rufe aus der FW-Truppe sind verstummt und Duane steht ein hartes Jahr bevor, bis er auf eine Revanche hoffen kann.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Buffalo Grove, Sport, Toms Arbeit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu 31.07.2012: Softball und die „Abschlachtungsregel“ (Slaughter rule)

  1. Pingback: 29.09.2013: Der Kampf um die Bragging Rights geht ins nächste Jahr | Gabi und Tom in Windy City

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s