16.09.2012: Erste Eindrücke von Neuenglands Küstenstädtchen

7 Uhr sind wir schon wach und nicht viel später am Auto. In einem Frühstückscafé organisieren Robert und Gabi noch für sich Kaffee bzw. Kakao sowie Muffins. Tom glaubt, das Leben ist ein Wunschkonzert: Er wünscht sich ein Sandwich. Dieser Wunsch soll ihm länger erhalten bleiben, als ihm lieb ist.

Wir fahren erst mal nach Salem. Bekannt geworden durch die Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert, versucht das hübsche Backsteinhäuser-Dörfchen einfach alles aus dieser traurigen historischen Vergangenheit rauszuholen. Trotzdem erleben wir den Ort als angenehm entspannt und dank eines Sonntag Morgens auch nahezu menschenleer. Doch das bedeutet leider auch, das alle Museen und nett aussehenden Lädelchen, in denen – logisch – z. B. Besen verkauft werden oder Wahrsagerdienste angeboten werden noch alle geschlossen haben. Lediglich das phantastische Wetter und ein interessanter Friedhof sind schon offen. Die Raben auf letzteren sorgen für eine besondere Stimmung, doch Tom war deutlich zu langsam, die Vögel auf den Grabsteinen sitzend fotografisch zu bannen. So wandern wir noch etwas durch die verschlafenen mit Backsteinhäusern gesäumten Straßen. Dann geht es weiter Richtung Cape Ann. Dies ist eine große Halbinsel. Wir haben nicht die Schnellstraße nach Rockport, dem Ziel unserer Erkundungstour gewählt, sondern fahren immer an der Küste entlang auf der Suche nach einem Leuchtturm. Dieser ist jedoch nur über eine Straße erreichbar, die mit einer Wache (die gerade mal nicht da ist) sowie Schildern gespickt versucht Leute fernzuhalten. „Ein geschlossener Club“ soll das sein und keiner dürfe hier durchfahren. Ein Mann, der seinen Hund Gassi führt meint: Das ist alles fake, solltet ihr Euch anschauen, ist wirklich nett. so fahren wir also mit mulmigem Gefühl auf das kleine Inselchen, vorbei an immer größeren Villen um schließlich ein weiteres Schild mit „Nur für Country Club Mitglieder“ zu ignorieren (Gabi zu Tom: „Willst Du jetzt den Schwanz einziehen“). Letztlich drehen wir aber am Leuchtturm um, der sich als mit Abstand weniger interessant herausstellt als die Straße versprochen hat. Ein kleiner Abstecher, der sehr nett ist, aber irgendwie auch gegen Toms Ordnungssinn verstößt.

So kommen wir in Rockport an und finden auch gleich einen Parkplatz. Letztlich fokussiert sich der Tourismus hier um eine Straße, die auf einer Landzunge nette Lädelchen aber auch eine der meist fotografierten Hütten Neuenglands aufweist. Hier mischen sich Tourismus und Fischfang. Bei den noch geringen Menschenmassen macht das Bummeln hier heute richtig Spaß. Tom ist ja immer noch nüchtern, in Salem hatte auch der Sand“witch“-Laden noch zu 😉 In einem Imbiss bestellen wir also ein frühes Mittagessen bzw. spätes Frühstück, bis Tom feststellt, dass sein Essen rohe Zwiebeln enthält. Jeder der schon mal mit Tom unterwegs war, weiß was folgt: Er bestellt das Essen ab und ist GAR NICHTS. Macht dann 2:0 für Gabi und Robert.

In Newburyport, einem zweiten Vorzeige-Küstenstädtchen bummeln wir nochmals los. Tom hat Lust auf Eis. Doch nachdem sich herausstellt, dass das bestellte Eis Kaffeegeschmack hat… ja, ihr wisst: 3:0. Gabi gönnt sich eine riesige „Kiddie“portion Kürbiseis und hat eine Riesenfreude ob der Absonderlichkeit. Lecker! Von Life-Musik angezogen, schauen wir auf einen kleinen Platz, wo tatsächlich die Harfe gezupft wird. Tom, der den Musikanten „Danke“ hat sagen hören, sagt dazu: „Ein Harfenspieler, der in Frauenkleidern spielt“. Stimmt das wirklich? Es wird für immer ein Rätsel bleiben. So oder so, nach diesem Erlebnis kann der folksingende Gitarrenspieler am Hafen dagegen abstinken. Schließlich findet Tom dann ausgerechnet in einem vegetarischen Sandwichladen mit einem Tomate-Mozarella-Basilikum-Panini das erste Essen (außer einem Apfel) des Tages. Robert stellt mit einem Tofu-Sandwich das 4:1 sicher. Kommentar von Robert zum Geschmack: „Interessant, muss ich nicht noch mal haben“.

Dadurch gestärkt, erreichen wir ratzfatz Portsmouth, das nächste malerische Küstenörtchen. Selbst Petrus meint es gut mit uns: Die Sonne strahlt was das Zeug hält doch die Sommerhitze scheint hier endgültig vorüber – die Temperaturen sind für Gabi „gerade richtig“. Wir steuern gleich Strawbery Bank an. Das ist ein Freilichtmuseum in dem alte Häuser, die hier früher um einen Hafen herum gebaut wurden, die Geschichte der letzten 400 Jahre erzählen. Als Teil der Geschichte wurde irgendwann auch das Hafenbecken zugeschüttet und so die Küstenlinie ein Stück weiter weg verlegt. Viele der Häuser weisen noch Teile der ursprünglichen Raumausstattung auf und Angestellte versuchen uns die Geschichte der Bewohner, der Häuser und der Zeit näher zu bringen. Wir wandern sehr entspannt über das große Areal bis uns der Hunger dazu treibt das als „bestes erschwingliches Fischrestaurant des Ortes“ beschriebene Jumping Jay’s Fish Cafe zu finden. Wir treffen dort noch auf verschlossene Türen, die aber wenige Minuten später aufgehen und wir in (leider nicht allzu billigem) Fisch schwelgen (Haddock, Cod und Monkfisch schmecken alle drei phantastisch).

Danach wenden wir uns einem der großen Probleme unserer Zeit zu. Tom hat die bereitgelegten Wanderhosen in den Koffer gepackt, die sich leider gestern schon als „für Robert“ herausgestellt haben. Das bedeutet mit anderen Worten, dass Toms Wanderhosen noch in Buffalo Grove im Schrank liegen. Wir finden am Ort einen Dick’s wo wir mit etwas Glück das Problem „Hose“ ausräumen und so den (hoffentlich) tollen Wanderungen in den nächsten Tagen nichts mehr im Wege steht.

Noch schnell Einkaufen und ab in unser Motel 6, wo wir den Abend abhängen, Football schauen, die Abrechnung auf Vordermann bringen und Tagebuch schreiben.

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