17.09.2012: Mainiak (oder: Maine, wir kommen)

Nach einem guten Frühstück to go in Portsmouther Panera Bread inkl. viiiieeeel Haselnusskaffee für Gabi finden wir mit Mühe trotz Umleitungen die richtige Route. Nicht, dass unser Navi versagt hätte, sondern das Problem liegt eher darin, dass hier auf der Karte vorhandene Brücken einfach nicht mehr existieren, dass Straßen in Sackgassen enden die durchgehen sollten und das auch ansonsten die Straßenführung eher einem verwurschdeltem Chaos ähnelt. Wir finden aber irgendwann hinaus und es geht weiter die Küstenstraße entlang Richtung Maine. Einmal die Route 1 gefunden halten wir stetig auf den Nubble Leuchtturm zu, der auf einer etwas vorgelagerten Insel ganz friedlich in der Morgensonne auf uns wartet (naja, eigentlich ist er nur mit einer Korbgondel für die Besitzer erreichbar) – bis ein Reisebus die Stille zerreißt als er auf den kleinen Parkplatz einbiegt und mit laufendem Motor Rudel an Plattfußtouristen ausspuckt. Wir haben zu diesem Zeitpunkt aber schon eine gehörige Portion Stille eingeatmet und fahren ein klein bisschen zurück, wo wir an einem breiten Sandstrand uns eine halbe Stunde Spaß gönnen. Dieser sieht für Gabi vor, sich im Wasser stehend beim Fotografieren der Wellen die Hosenbeine einnässen zu lassen. Robert und Tom werfen Disc Golf Frisbees den Strand rauf und runter bis der Arm schmerzt…

Heute müssen wir aber auch einiges an Route überbrücken, denn bis zum Acadia Nationalpark ist es noch weit. Unterwegs machen wir Halt in Camden, einem entzückenden Fischerdorf im südlichen Maine. Hier wäre es unglaublich friedvoll, wenn die nur eine Umgehungstraße für die Autos gebaut hätten. So ist es ein entzückendes Fischerdorf mit vieeel Verkehr. Wir wandern trotzdem erst zum Hafen, wo Robert ein weiteres Kapitel in seinem Lobster Roll Vergleichstest hinzufügt (für alle, die noch nie eine Lobster Roll gegessen haben: Das ist Lobsterfleisch auf einem meist ungetoasteten Stück Toast. Wenn sie dann noch „klassisch“ serviert wird, wie hier, gibt es dazu weder Soße, Majo, Gemüse, sondern einfach nur Lobsterfleisch). Gabi: „Das sind quasi die 3 im Weckla in Maine“. Robert meint „Na, da is kei Sempft dabei“. Weiter in dem Küstenort wandern wir entlang der Ladenstraße, wo Gabi mehrfach zuschlägt und Robert es später bereut den Teddybären im Lobsterkostüm nicht mitgenommen zu haben. DER war wirklich süß. So wandern in Gabis Einkaufstasche „lediglich“ Serviettenringe, zwei Halstücher sowie Servietten (wie wir später feststellen letztere „Made in Germany“).

Dann haben wir endlich den Eingang des Parks erreicht – oder das, was wir dafür halten, denn die Acadia Halbinsel ist ganz untypisch für amerikanische Nationalparks eine Mischung aus Privatgrund und Nationalpark. Es ist schon fortgeschrittener Nachmittag und so entscheiden wir uns für eine Wanderung zur Einstimmung, die Robert im breiten fränkisch als „Bubbels“ ankündigt. Die „Bubbles sind zwei Hügel („hald zwei Bubbel“) gleich Nebeneinander am Nordende des Long Ponds. Wir parken also unser Auto und sind eigentlich völlig unvorbereitet für eine Wanderung, so dass der Parkplatz erst zum Ausladen der Koffer und deren Inhalt genutzt wird und wir uns dann schnell umzuziehen.

Ein kurzer Einschub für alle die noch nicht hier in Maine und besonders im Acadia Nationalpark waren (sollte es solche noch geben). Der Park liegt auf einer mit Seen und Buchten durchzogenen Halbinsel und ist ansonsten hügelig, bewaldet und auch aufgrund des hier häufig nassen Wetters auch extrem grün. Durch den Park ziehen sich mehrere alte Kutschenwege (Carriage Roads), und Wanderwege. Sind die Carriage Roads eher mit fränkischen Waldwegen vergleichbar, sind die Wanderwege rauh, ungeschliffen und wild. Gäbe es nicht gelegentliche blaue Farbmarkierungen auf den moos- und flechtenüberzogenen Felsen könnten das auch ganz einfach Geröllhügel sein. Wandern heißt hier meist auf steilen Steinabhängen Höhenmeter bezwingen und auf der anderen Seite wieder herunter hüpfen. Gekrönt werden solche Aufstiege von tollen Blicken auf Seen, Hügel, schroffe Küstenlinien, Häfen und das Meer.

Genau das zeichnet die Bubbels aus. Wir also auf den ersten hoch, recht zügig, denn wir wissen nicht genau wie lange wir brauchen und der Nachmittag schon ziemlich fortgeschritten ist. Dort wieder runter und auf den nächsten rauf. Dieser hat als Hauptattraktion den „Bubble Rock“, ein auf der Kippe stehender überdimensionaler Findling, den auch Robert trotz größerer Anstrengungen („wie auch hundert Millionen vor ihm“) nicht bewegen kann. Wir entscheiden uns für einen Rundweg, besser als den Pfad den wir gekommen sind, zurück zu gehen. Die Alternativroute entpuppt sich als Klettertour, steil, manchmal fast senkrecht geht es bergab. Öfter auch mal am Abgrund entlang. Unten angekommen sind wir alle noch heile und wandern auf dem Zugpfad zurück zum Auto.

Danach checken wir in unser Inn, dem Kimball Terrace Inn im völlig verschlafenen Northest Harbor ein. Nachdem hier Montags der Hund noch töter ist wie der Rest der Woche und uns der Hunger schon wieder plagt, fahren wir noch ein gutes Stück bis zum Southwestharbor, das keine 2 km Luftlinie von unserem Hotel liegt, in Acadia aber dank der vielen Küsteneinschnitte eine längere Reise bedeutet. Wir entscheiden uns letztlich für ein auf der Route liegendes italienisches Fischrestaurant Top-of-the-Hill frei nach Toms Essenphilosophie „Wo viele Leute hingehen schmeckts auch“. Ob das hier richtig ist, oder wir einfach das einzig offene Restaurant gefunden haben ist uns nicht ganz klar. Wir essen Fishermans Platter, Calamari, Lobster Nudeln und denken uns danach „Passd scho“.

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