19.09.2012: Fränkischer Märchenwald und alles wird Sonne

Dieser Morgen beginnt nass. Draußen regnet’s und es hängen dunkle Wolken in den Hügeln um unsere Bucht. Die Stimmung ist daher noch ziemlich schläfrig, als wir in Toms Lieblingscafé Little Noch Bakerz in Southwestharbor eintrudeln. Einen Kaffee und drei leckere Sandwiches später sieht die Welt schon besser aus. Wir packen noch den gestern bestellten Blaubeerkuchen für Nachmittag ein und los geht’s. Da es draußen immer noch regnet, entscheiden wir uns erst mal, auch diese Seite der Halbinsel zumindest mal komplett abzufahren. So landen wir am äußersten Ostzipfel an einem leider grad baustellenmäßig eingepackten Leuchtturm. Doch nichtsdestotrotz ist dieses Fleckchen Erde wunderschön, denn fette Wellen brechen hier an große Findlinge entlang der felsigen Küste. Wir klettern ein wenig auf den Felsen und schnuppern Seeluft, Tom tut was er immer tut, er fotografiert. Siehe da, schon hört es auch auf zu regnen. Also fahren wir weiter zu unserem Ausgangspunkt der heutigen Wanderung. Am Straßenrand dorthin nehmen wir noch ein Foto von zwei riesigen Rehen mit, die da friedlich vor sich hin grasen und sich nicht mal von Tom stören lassen, der sogar aussteigt um die beiden besser knipsen zu können.

Die von Robert ausgesuchte Wanderung soll auf den Norumbega-Gipfel führen. Das erinnert uns natürlich an Norumberga=Nürnberg. Da wollen wir hin, der Name verspricht ja dass es am Gipfel einen Bratwoschtstand gibt. Ihr könnt Euch vorstellen, wie oft wir beim Aufstieg von Drei im Weckla schwärmen…. Dazu kommt, dass diese Wanderung nur einen anstrengenden Aufstieg hat, der Abstieg aber gemächlich sein soll. Das ist heute wichtig. Nicht, dass wir aufgrund der alternden Männer in Gabis Gesellschaft jetzt die Seniorenstrecken laufen müssten. Nein: Die Wege bestehen ja aus Felsbrocken. Wenn diese nass sind, werden sie sofort gefährlich glitschig. Bergauf ist das noch eher einkalkulierbar als bergab und so erweist sich die Wanderung als ideal für uns.

Doch eigentlich ist sie mehr als ideal: Die regnerische Stimmung ist phantastisch: Dunst liegt zwischen den Bäumen. Der Boden des Nadelwalds ist herrlich bewachsen mit verschiedensten Moosarten, soviel unterschiedliches Grün dass es eine Freude ist. Dayu riecht es herrlich nach Herbst. Der Weg selbst ist technisch anspruchsvoll, hauptsächlich entlang Felsen, Findlingen und Wurzeln. Bei größeren Felsblöcken wird es besonders tricky, sprich rutschig. Doch wir kommen gut voran und der Wald weicht einem weitläufigen Gebirgsplateau. Dünn verstreute niedrige Nadelbäume haben sich im Felsboden festgekrallt. Diese sind aber auch schon der einzige Bewuchs und da wir auf einen der höheren Hügel geklettert sind (ca. 300 m), haben wir eine tolle Aussicht auf die Berge unter uns, in denen noch Nebelschwaden hängen. Plötzlich spitzt auch die Sonne durch die Wolken über uns, das macht diesen Moment einfach perfekt!. Wir folgen Steinpyramiden und den hier obligatorischen blauen Farbstrichlein, die uns den Weg zum Gipfelschild weisen. Einige Beweisfotos geschossen und weiter geht es. Nach jeder Kurve bietet sich eine bessere Aussicht, nun auch auf die verwinkelte Küste und viele kleine Inselchen vor ihr. All das haben wir ganz für uns allein. Wir treffen auf der ganzen Wanderung nicht eine Menschenseele. Traumhaft! Nicht ganz perfekt, weil wir die Bratwoschdbude einfach nicht finden.

So machen wir uns ungestärkt auf den etwas langwierigen Weg nach unten. Dieser führt wieder durch den unglaublich schönen Märchenwald. Der Waldboden ist so dick mit Moos bewachsen, dass er alle Konturen verschwimmen lässt. Hier könnte sich jeder Hobbit wohlfühlen! Der Weg ist wie versprochen, nicht steil und nicht zu felsig. Dafür aber ultra wurzelig, so dass man sich ziemlich konzentrieren muss. Dort, wo mal keine Wurzeln sind, spüren wir jedoch unglaublich federnden Waldboden unter unseren Füßen. Nach dem Abstieg laufen wir an einem Seeufer, einem kleinen Wasserfall und einem Bach mit glatt geschliffenem Felsenbett vorbei. Natürlich über noch mehr Wurzeln 😉 Am Auto angekommen warnt der fußballenschmerzgeplagte Robert, dass er heute KEINE Wurzel mehr sehen will!
Also fahren wir erst mal zurück zum Inn und genießen auf dem Balkon, bei Buchtblick, den leckeren Blaubeerkuchen. Gabi sogar noch mit Kaffee, den sie sich vorher im Dorf besorgt hat. Zum Cappuchino hat es nicht gereicht, die alte Garde im Buch-Gift-Coffee-Shop meinte dazu „Wir sind nicht das A-Team“. So muss Robert mit Cola spülen.

Danach entscheiden wir uns für eine Siesta und einen Touri-Nachmittag. Zur Abwechslung fahren wir mal mit dem Auto auf einen Gipfel, den des Cadillac-Berges. Hier zieht es aber fürchterlich – und selbst erstiegene Ausblicke sind sowieso tausend Mal schöner. Also wieder runter vom Berg! Im touristisch ausgeschlachteten Bar Harbor gönnen wir uns das laut Trip Advisor beste Essen des Ortes, im „Café this way“. Die Jungs geben sich wieder die Fischkante (roh als Tartar und fast roh als Thunfisch). Dazu noch in Speck gewickeltes Täubchen und ein Meeresfrüchteburgertrio. Gabi macht Pause vom Meer und isst mal wieder vegetarisch. Aber auch gut. Robert und Gabi stoßen mit Cocktails auf den tollen Tag an und Tom ist so guter Laune, dass er sogar noch das anschließende Shoppen überlebt, das Gabi im Tauschhandel gegen eine Oberschenkelmassage herausgeschlagen hat.

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