21.09.2012: In die weißen Berge ziehen wir…

Gerade haben wir noch sanft von den blauen Hügel der Blue Hills Peninsula geträumt – schon weckt uns Toms Wecker unsanft um 6! Uhr. Denn der Tag ist vollgepackt und so müssen wir Schlaf opfern um Natur zu erleben. Los geht es aber erst mal verschlafen mit einem Stück Autofahrt. Kalte Pizza und Apfel müssen als Frühstück dienen. Um uns herum herrscht Nebel und trübe Stimmung, was sich auf unsere Laune niederschlägt – wollen wir doch heute auf’n Berg! Bald liegt Maine hinter uns und wir fahren durch das typische Neuengland New Hampshires: Hügel, dichte Wälder und hübsche Häuschen weit verstreut. Näher und näher kommen wir dem Mount Washington. Dieser Berg ist der höchste im Osten der USA mit etwa 1.900 Höhenmetern. Bei klaren Tagen hat man eine unglaubliche Fernsicht… Uns schwant schon, dass es damit heute nichts wird.

Noch im letzten Tal, durch das wir fahren, hängt tief der Nebel, erst als wir sozusagen um die letzte Ecke biegen, eröffnet sich uns ein Blick auf einen – tatarata – völlig wolkenlosen Berg. Nachdem wir Wegezoll berappt haben (die Bergroute ist in Privatbesitz und die nehmen es von den Lebenden) und eine CD mit Erläuterungen in den CD-Player eingeworfen haben, geht es los. Immer schön bergauf. In den Tälern unter uns hängt noch der Nebel, doch wir fahren Richtung Sonne.
Man sagt, es kann zwischen Tal und Gipfel locker mal 20 Grad Fahrenheit Unterschied haben. Und das ist heute fast der Fall, nur dass es oben wärmer (ca. 15 Grad Celsius) ist als unser Thermometer noch im Tal angezeigt hat (fast 0 Grad Celsius). Und am Gipfel ist es windstill. Eine Chance für so ein Wetter am Mt. Washington ist minimal – ist er doch dafür bekannt, sein eigenes Wetter zu machen und meist kein Gutes. Hier wurden die höchsten Windgeschwindigkeiten des amerikanischen Kontinents gemessen – wie gesagt, wir merken nichts davon. Trotzdem genießen wir ein heißes Getränk zusammen mit dem erhabenen Ausblick.

Danach geht’s den Berg runter, immer schön mit Low Gear (niedrigem Gang). Doch der bremst nicht wirklich. Tom entdeckt kurz bevor wir wieder unten sind wie man die Gangschaltung runter schaltet (mit versteckten Wippen am Lenkrad). Dadurch braucht der Mietwagen nach uns dann doch keine neuen Bremsbeläge.

Weiter geht es und wir landen schnell beim nächsten Hauptthema des Tages: Wasserfälle. Die ersten sind die Glen Ellis Falls. Nach einer sehr kurzen Wanderung ergießt sich ein Bergbach fotogen einige Meter in die Tiefe. Doch wir halten uns nicht lang, denn jetzt geht es schon auf Mittag zu. Wir stoppen kurz an einer überdachten Brücke, der Honeymoon Bridge, in Jackson. Diese sind hier in Neuengland allgemeinen und bei Tom besonders beliebt. Gabi nutzt den Stopp um im süßen General Store nebenan zu stöbern 😉 Anmerkung Tom: Stöbern bedeutet bei Gabi, dass sie mit einer schweren Tüte voll Dinge aus dem Laden kommt.

Im nächsten General Store halten wir dann, um einen Lunch zu mampfen. Dieser Laden namens „Kringels“ hat wider Erwarten alles, was das Herz begehrt. Und das auf wenig Quadratmetern ist er neben Supermarkt und Diner auch anscheinend noch der Treffpunkt des Dorfes. Die Sandwiches sind super, die Meatballs klasse und sogar das vegetarische von Gabi hat richtig Geschmack! Am Tresen gibt es schon fertige Pizzas wo ein Stückchen davon in Toms Magen wandert. Wie wir später feststellen kostet dieses $1.69, übersetzt: Nahezu nischd. So gestärkt *Burp* fahren wir weiter. Die Wälder zeigen schon ein bisschen die bunte Farbenpracht, die mit Neuengland und Herbst in Verbindung gebracht werden („Indian Summer“). Leider nur teilweise, sind wir doch einfach 2 Wochen zu früh dran…

Unsere nächste Wanderung geht zu den Arethusa-Wasserfällen. 350 aaannnnnstrengende Höhenmeter, teils über Steintreppen, teils mit Holzbalken gesicherte Treppenstufen oder halt einfach Felsblöcke und Wurzelwerk. Nicht wirklich für kurze Gabi-Füße gemacht dieser Weg… Wir kämpfen uns in einem manischen Elchtempo den Berg hoch, werden am Ende aber mit einem wunderschön gefächerten Wasserfall belohnt, der in vielen Kaskaden 60 Meter in den Abgrund stürzt. Wunderschön! Allzu lange halten wir uns aber nicht auf, da wir alle durchgeschwitzt sind und im dichteren Wald kaum wärmende Sonne zu spüren ist. Wir zweigen am Rückweg nach ca. 2/3 des Weges ab, um 3 weitere Naturschauspiele mitzunehmen. Der „Weg“ nach unten ist hier aber extrem wurzelig – eigentlich ist es gar kein Weg sondern es sind nur Wurzeln an einem steilen Abhang, die wir mehr nach unten klettern denn wandern. Robert voran, der über Nacht nicht unbedingt zum Wurzelliebhaber geworden ist… Die 2 kleineren Wasserfälle und der Pool, die/den wir entdecken, sind ebenfalls sehr schön. Bei einem kann man toll die verschiedenen Gesteinsschichten bewundern. So kommen wir zufrieden zum Auto zurück. Leider sind wir schon so hinter dem Zeitplan (wer hat den nur gemacht?), dass wir dort einige weitere Highlights aus dem Tagesplan werfen und nach einem kurzen Abstecher zu einem weiteren Wasserfall am Kancamagus Highway (Sabbaday Falls, ganz nett) fahren wir nach Conway zu dem von Gabi gebuchten „Scenic Conway Inn“. Auf der netten Veranda vor unserem Haus genießen wir ein Stündchen die Abendsonne und schreiben Tagebuch, bevor wir uns für das Lieblingsrestaurant der Rezeptionsdame entscheiden – Das „Hole in the Wall“ (wörtlich: Loch in der Wand, aber eigentlich: Bruchbude). Dort ist es voll und aus der angekündigten halben Stunde Wartezeit wird fast eine ganze. Tom will gerade gehen, als wir doch noch zu einem netten Tisch in der Ecke des Barbereichs geleitet werden. Das Essen ist phantastisch, nur die frittierten grünen Bohnen in Toms Combo finden wir alle drei absonderlich (was Robert nicht davon abhält sie nebst den zwei Megahähnchenflügeln die Tom übrig lässt aufzuessen). So geht auch dieser Abend kulinarisch zu Ende und diesmal pennt Gabi als erste ein!

Abschlusslektion zum Merken: Das nächste Mal in dieser Gegend mindestens drei oder sogar mehr Tage einplanen. Wir haben nicht mal angerissen, was man hier sehen und erwandern kann. Besonders die Frankenstein-Klippen hätte Tom gerne noch erklommen.

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