22.09.2012: Wofür ist eine ausführliche Tagesplanung gut? Um sie komplett über den Haufen zu werfen…

Dunkle Wolken und ein leichter Nieselregen begrüßen uns in den Tag, doch wir stapfen ganz amiuntypisch zu dem gestern von der Hotelbesitzerin empfohlenen Früstücksrestaurant. OK, zugegeben, das ist keine 300 Meter weg. Das Frühstück dort kommt schneller als man darüber nachdenken kann, was man eigentlich gerade bestellt hat. Gigantische Dimensionen landen hier auf den Tellern. Das Beste überhaupt: Tom kann auch von der Nicht-Eier-Karte bestellen. Als er sich für eine Lobster Roll (mit Pommes, Krautsalat und Gurke) entscheidet schaut die Bedienung zwar etwas verdutzt, doch seit langem endlich mal wieder ein Männerfrühstück!

So gestärkt rollen wir erst zum Hotel zurück und dann über den gestern schon angetesteten Kancamagus Highway nach Westen. Es regnet immer noch leicht, doch bald blitzen erste Sonnenstrahlen durch den Regen – was das für eine Konsequenz hat ist klar: Regenbogen über den hier schon leicht roten und gelben Wäldern. Seeehr nett, wenn auch nur von kurzer Dauer, dann ist das Schauspiel wieder in Wolken verschwunden.

Wir sind noch nicht mal aus den weißen Bergen draußen, als sich unser kompletter Tagesablauf auf den Kopf stellt. Alles fängt an mit einem Polizisten der neben seinem Auto mit Blaulicht steht – oben die leuchtend gelbe Weste, unten einen wirklich adretten Rock trägt. Tres chic! Und wir stellen schnell fest, dass es sich hierbei nicht um eine Ausdrucksform von Geschlechterkampf handelt, sondern um einen Kilt. Genauer um Tausende von Kilts. Wir sind im Bergörtchen Loon in die größten Highland Games und Treffen schottischer Abkömmlinge (zumindest des Ostens) der USA gestolpert. Wir entscheiden uns spontan uns das näher anzuschauen, auch wenn es durchaus viel Eintritt kostet. Und wir sind nicht alleine. Diese Veranstaltung zieht Unmengen von Leuten an, erstaunlich viele mit schottischer Abstammung – und sie kommen aus der ganzen USA, aus Kanada und sogar ein Klan aus Schottland selbst. Woher wir das wissen? Durch die offizielle Vorstellung der Clans (Honor Roll). Wir sehen Rock-Dudelsack-Bands, Einzel-Dudelsackler, die offensichtlich bewertet werden (oder ist das eine Prüfung?), Kinder und Jugendliche, die in Tanzwettbewerben antreten, und Dudelsack-Musikgruppen über Musikgruppen. Die eigentlichen Highland Games sind erst morgen, doch wir sehen schon Vorrunden im Steinschleudern. Für den Baumstammhochwurf sind wir leider nicht lange genug da. Hier liegt wirklich Musik überall in der Luft und die Regenwolken sind längst schon einem strahlend blauen Himmel gewichen.

Doch das Highlight ist der Einmarsch aller Musikgruppen, die dann gemeinsam zwei Lieder spielen.

Ein tolles Erlebnis, doch leider sind wir sooo weit in unserem Plan zurück, dass wir irgendwann gehen müssen. Auch wenn wir fast alles heute schon aus unserer Planung geworfen haben, bleibt noch ein ganzes Stück Fahrerei.

Diese stellt sich auf den gewundenen Strässchen von New Hampshire und vor allem Vermont als tolle Fahrstrecke heraus, die aber unglaublich viel Zeit frisst und auch ermüdet. So bleiben als weitere Tagesplanungspunkte lediglich ein Stopp an den Texas Falls sowie die Fahrt über die Middlebury Gap. An dessen höchsten Punk kreuzt der Long Trail, eine über 300 Meilen lange Wanderroute durch Neuengland. Wir wandern diese ein ein kleines Stück den Berg hinauf, um dann zu den Silent Cliffs abzubiegen. Die ausgedruckte Wanderroute sagt: 45-90 Minuten einfach. Wir sind nach knapp 25 Minuten dort und die Klippen als Ziel machen nicht sooo viel her wie wir gehofft hatten. Und dicke Regenwolken sind schon wieder da. So wandern wir wieder zurück zum Auto und fahren das letzte Stück zu unserer Unterkunft. Diese liegt völlig vom Schuss ca. 5 Meilen außerhalb von Middlebury auf einem Hügel mit vermutlich tollem Blick. Was wir nicht sagen können, denn mittlerweile regnet es heftig und wir sehen kaum den Weg.

Umso freundlicher werden wir von zwei älteren Herrschaften begrüßt. Wir haben 2 Zimmer in einem Bed and Breakfast, dem Fair Hill, gebucht. Dieses ist ein B&B der ursprünglichen Art, also in einem Privathaus, dass das Obergeschoss zu vier Zimmern mit 2 Badezimmern als Gästequartiere umgebaut hat. Das Haus ist, wie wir am nächsten Tag erfahren 1820 erbaut, aber immer wieder an- und umgebaut sowie renoviert worden. Mit süßen Details wie schrägen Fenstern und Erkern. Das beste aber ist: Das Paar besitzt neben Schafen 4 Katzen und einen Hund. Der Hund ist besonders kontaktfreudig und lässt uns erst nach einigen Streicheleinheiten so richtig ins Häuschen. Wir lassen uns kurz die Zimmer zeigen und entscheiden uns dann, zum Dinner nach Middlebury zu fahren, der Hausherr hat uns dort ein Thai-Restaurant empfohlen. Dieses ist ein Volltreffer, wirklich jedes Gericht ist spitze, wenn auch Robert etwas schnauft, „medium hot“ (mittelscharf) ist halt Ansichtssache…. 😉

Zurück am B&B, besteht der Hausherr darauf, dass wir die anderen zwei Zimmer im Obergeschoss beziehen sollen, da Robert dort im 2. Zimmer mehr Platz hat. Wir fragen drei Mal nach, doch er bleibt dabei. Seltsam… Kurze Zeit später hören wir Stimmen und kriegen mit, dass er uns mit anderen Gästen verwechselt hat, die kurzfristig angerufen hatten und die nun nicht in die nur für 3 Gäste ausgelegten anderen Flügel passen. So müssen diese nach einiger Beratschlagung weiter ziehen. Besonders der Hausherrin ist das total peinlich und sie entschuldigt sich tausend Mal. Auch bei uns, obwohl es doch eher ihr Schaden ist… Gabi gesellt sich später noch etwas zu den beiden und sie erzählen von ihrem Aufenthalt in Deutschland (er war dort stationiert) und von ihren Kindern, die alle nicht in den USA leben. Dafür Katzen aus Asien anschleppen, die die beiden herzensguten Tierliebhaber dann aufpäppeln („Wer sonst soll sich um die kümmern?“) Gabi jedenfalls streichelt was das Zeug hält 😉

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