23.09.2012: Ein Fort und so fort ;-)

Der Regen trommelt fast die ganze Nacht auf das Dach und im Zimmer wird es richtig kalt. Als wir die Vorhänge am nächsten Morgen aufziehen stellen wir zwei Dinge fest: Wir haben strahlend blauen Himmel UND das Fenster war die ganze Nacht offen. Tom hatte es zwar nach oben hin geschlossen aber nicht gesehen, dass es auch nach unten hin offen war. Das Frühstück wird uns in der Küche des Hauses serviert, die von den Hausherren aus den Balken und Brettern eines alten Schuppens gebaut wurde. Der Flair ist unglaublich und die Küche kommt schon sehr nah an das heran, was Tom sich so als Ambiente für seine Küche in seinem Haus auf dem Land vorstellt…

Nachdem wir losgefahren (Gabi betont mehrfach wie schwer es ihr fällt die Streichelkatzen zurück zu lassen) und schon halb in Middlebury sind, müssen wir noch einmal zurück, weil eines von Toms Elektronikspielzeugen aus seiner Tasche gefallen war und von unseren Hausherren gefunden wurde. Danach fahren wir nach Westen mit einem kurzen Stop am Chimney Point, einer Ausgrabungsstätte und einem kleinen Museum wo die Fundstücke ausgestellt sind. Anders ausgedrückt: Die haben einfach jeden Mist, den sie aus der Erde gezogen haben in Schaukästen gepackt, inklusive einem (nicht allzu) alten Schuh, Kronkorken, einem Plastikspielzeugflugzeug usw. (Gabi: „Aber auch 6000 Jahre alte Pfeilspitzen“). Dann geht es über eine Brücke über den hier fast eher einem Fluss gleichenden Lake Champlain in den Upstate New York. Von unserem letzten Hausherren als „… not so rich“ bezeichnet, also „…nicht wirklich reich“. Wir fahren am Lake entlang bis zum rekonstruierten und wieder aufgebauten Fort Ticonderoga, das von den Franzosen gebaut hier im Unabhängigkeitskrieg eine strategische Rolle spielte – zu diesem Zeitpunkt von den Briten übernommen, war es das erste Angriffsziel der Amerikaner. Deshalb wird das Fort auch als „Amerikas Fort“ bezeichnet. Die Kanonen des Forts wurden dann verwendet um nach Boston zu ziehen. Wir kommen gerade rechtzeitig für eine Waffen-Demonstration zweier Männer, die nebst ihrer Kleidung auch mit den Waffen Soldaten um 1775 repräsentieren. Wir lernen wie damals Leute rekrutiert wurden, was sie an Ausbildung erhielten, wie man als Gruppe von Soldaten mit den Gewehren feuert ohne sich gegenseitig zu erschießen. Letztlich demonstrieren sie das Ganze dann auch mit Pulver und lassen es richtig krachen, rauchen und stinken. Eine wirklich gut gemachte Vorführung. Nachdem wir auch den Rest des Forts erkundet haben ziehen wir weiter in den zum Park gehörigen Kings Garden, damals eine wichtige Quelle für frisches Gemüse aber auch für Erholung und Entspannung. So entspannt nehmen wir die Fähre über den Lake Champlain, den kürzesten Weg zurück nach Vermont. Wir erreichen diese gerade als sie fertig beladen ist und schlüpfen gerade noch mit drauf, als wir auch schon unterwegs sind für die kurze Überfahrt.

Vermont mag ja reicher sein als New York, aber hier hat sich das schlechtere Wetter wieder durchgesetzt und es regnet immer mal wieder mehr oder weniger heftig während wir die Meilen fressen zu unserer geplanten Wanderung auf dem Appalachian Trail. Dieser zieht sich von Georgia bis Maine auf über 2000 Meilen und wir können ihn zumindest ungefähr 90 Minuten lang erkunden. Auch wenn diese Wanderung kein „Ziel“ hat, macht sie richtig Spaß. Herbstliche Stimmung herrscht hier und der Weg ist die richtige Mischung von Steinen, Wurzeln, Bretterwegen und hin und wieder Überquerungen von Rinnsalen. Auch der Wald ist abwechslungsreich, mal dichter Bodenbewuchs, mal lichtdurchfluteter Hain – ein entspannter Abschluss unserer Wanderreihe. Das alles (bis auf einen kurzen Schauer der im Blätterdach hängen bleibt) ohne Regen und zum Ende hin sogar bei etwas Sonne.

Weiter über die Hügel fahren wir zum Dorf Weston, das von seinen beiden Country Stores dominiert wird in dem wir dann auch gleich mal verschwinden und Mühe haben eine ungenannt bleibende weibliche Dame unserer Reisegruppe wieder aus diesen heraus zu bekommen. Nach einem kleinen Spaziergang um das Village Green des Ortes herum fahren wir weiter. Letztes Ziel ist ein Ort namens Grafton. Er liegt eh auf dem Weg und wir vermuten dort etwas ähnliches wie in Weston, doch erstaunlicherweise endet irgendwann der Teerbelang unserer Landstraße und wir brettern über plattgewalzte ungeteerte Straßen durch den Wald. Wenn man vor Grafton nicht stark bremst ist man durch bevor man „ähhh, wie hieß der Ort noch mal“ sagen kann. Die paar Häuser hier sind zwar nett, aber keinen Umweg wert. So fahren wir schnell weiter zu unserer Unterkunft des Tages, dem Blue Heaven Guest House in Westminster, einem ebenfalls halbtoten Kaff am Ufer des Columbia Rivers gelegen.

Nur die Jungs haben sich heute nach dem Frühstück gegen Nachmittag in einer Tankstelle/Deli/Sandwich verpflegt (Robert: „Die zwei Stück Pizza liegen mir noch wie ein Stein im Magen“). Tom mit einem Sandwich auf dem neben einer Maulsperre voll Gemüse und Salat auch noch eine dicke Ladung Truthahnwurst landen. So holen sich Gabi und Tom nur bei einem Stand an unserem Zielort zwei Portionen BBQ. Nachdem diese Bude gerade schließen will, ist die Auswahl nicht mehr groß. Wir packen das Essen ein, fahren in das Guest House, in dem wir die einzigen Gäste sind. Das Haus ist 1830 erbaut und war bis 1929 als Schulhaus in Betrieb, mehrere Besitzer und Umbauten später ist es nun ein Inn geworden. Robert hat sein eigenes Zimmer, wir teilen uns aber ein (Mini)-Bad. Während die Zimmer relativ lieblos mit zusammengewürfelten alten Möbelstücken eingerichtet sind (bis auf Roberts rosa Himmelbett), ist das Gemeinschaftszimmer – im ältesten Teil des Gebäudes, mit toller Holzdecke – ein Traum. Neben Esstisch und gemütlich aussehender Sitzecke gibt es einen Kamin, Snacks, und am allerwichtigsten fuer die Männer: Einen riesigen Flachbildschirm-Fernseher. Die Rettung für Robert, der schon Angst hatte die Footballspiele am Sonntagabend zu verpassen. So mampfen wir unser BBQ vor dem Fernsehen und lassen den Abend bei Niederlagen für die von Tom und Robert favorisierten Mannschaften ausklingen. Robert versucht (vergeblich), Gabi einige der (aber auch wirklich echt komplizierten) Sonderregeln beizubringen, bis Gabi Müdigkeit vortäuscht und in ihr Bettchen abzieht 😉 Robert schwankt etwas später als letzter ins Bett (Robert: „Ich wollte das rosa Bett lieber nur grau sehen“) und verläuft sich auch noch auf dem Weg in seine Heia. Er merkt seinen Fehler aber noch aufgrund des Zimmerschnitts und findet den Weg in sein Prinzessinnenschlafzimmer 😉

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