25.09.2012: Der amerikanischen Vergangenheit auf der Spur

Dieser Tag beginnt gar nicht gut. Nicht für Gabi, denn die hat in ihrem jugendlichen Leichtsinn zugestimmt, dass frühstücken in der Stadt viel besser wäre. Nicht für Tom, denn der findet einfach keinen Parkplatz an der U-Bahn-Haltestelle. Da gibt es zwar ein paar größere, doch die sind alle voll. Genauso wie die Parkplätze an den Straßenrändern der umgebenden Wohngebiete. Oder es gibt Schilder, die das Parken verbieten. Kurz gesagt, wir kurven mit einem minütlich gereizter werdendem Tom und einer an der Übelkeit kratzenden hungrigen Gabi mehr als eine halbe Stunde durch Bostoner Vororte. Damit kommen wir auch schon zu Robert, der muss uns beide ertragen – und das an seinem Geburtstag;-)

Irgendwann haben wir dann doch in einem Parkhaus geparkt und sind in der Innenstadt gelandet. Nun übernehme ich wieder die Führung – habe ich doch was von leckerem Frühstück gelesen… Es ist zwar ein ganz schöner Umweg, doch ich führe meine Jungs zum Paramount Café – nach so einem Start in den Tag muss etwas Soulfood her. Dieses Cafe ist mehr ein Diner. Man bestellt direkt bei den Köchen, die die Omeletts und Kartoffeln vor unseren Augen brutzeln. Leider nicht für Tom, denn die ausgezeichneten Sandwiches, von denen im Reiseführer geschwärmt wird, gibt es erst mittags. So verweigert Tom mal wieder, doch Robert und ich lassen uns Omelette bzw. Frühstücksburrito schmecken. Wir spulen also zurück und lassen den Tag neu beginnen. Naja, zumindest 2 von uns….

Das heutige Programm ist deutlich geschichtslastig – aber wie sollte es in einer alten Stadt wie Boston auch anders sein? Die Bostoner haben das Beste daraus gemacht, einen roten Farbstreifen auf ihre Gehwege gemalt und das ganze „Friedenspfad“ genannt. ALLE Touris gehen ihn – also auch wir 😉 Schließlich führt er vorbei an 16 Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten, die z. T. in der Geschichte der amerikanischen Revolution  eine bedeutende Rolle gespielt haben. Boston war damals von den Rotröcken (also den Briten) besetzt. Brisanterweise startete aber quasi der Krieg auch hier, als im Hafen aus Protest gegen die von den Briten erhobene Teesteuer eine ganze Frachtladung in den Ozean gekippt wurde. Vorbei an alten Friedhöfen, Denkmälern, Kirchen und Versammlungshäuser laufen wir in Richtung des alten Regierungsgebäudes, von dessen Balkon 1776 die Unabhängigkeitserklärung verlesen wurde. So nebenbei warfen die Bostoner auch noch Einhorn und Löwe von ihrem Dachsims – Symbole der Engländer….

Naja, wir können jetzt Replika bewundern, bevor wir zur Faneuil Hall weiter schlendern, wo wir ein paar Mitbringsel erstehen bevor wir wieder auf den roten Strich gehen 😉

Ich gönne mir ein Eis und so spazieren wir bei strahlendem Sonnenschein durch den verträumten Stadtteil North End, wo wir eines der ältesten noch stehenden Holzhäuser bewundern, gebaut 1680. Weiter über die Paul Revere Mall, eine Art breiter Fußgängerzone mit Allee. Dort spielt sich ein Gitarrenspieler die Finger wund und wir ruhen aus und lauschen. Ausgeruht geht´s in die Old North Church, die statt Bänken kleine abgegrenzte, Sitzgelegenheiten hat. Diese musste man früher anmieten, jetzt darf man sich setzen UND noch der spannenden Geschichte zuhören… Wie die amerikanischen Soldaten von den Bostoner Bürgern trotz der Bostoner Besetzung gewarnt werden…

Unser letztes Ziel für diese Tour ist die USS Constitution, ein ehemaliges Kriegs- und Lehr-Segelschiff, das im Militärhafen vor Anker liegt. 1797 vom Stapel gelassen, ist es das älteste Schiff das wir je betreten haben und dafür noch top in Schuss.

Nun ist es aber noch nicht mal drei Uhr Nachmittags, und so beschließen wir, meine dritte vorher ausgesuchte Tour noch in Angriff zu nehmen. Im Schweiße unseres Angesichts wandern wir also zurück zur U-Bahn und fahren nach Cambridge. Boston und Cambridge sind wie Nürnberg und Fürth zusammen gebaut, getrennt nur durch den breiten Charles River.

Anders als Fürth jedoch hat Cambridge etwas weltberühmtes: Die Uni  „Harvard“. Wir schlendern durch den Campus und genießen die relaxte, aber geschäftige Stimmung. Auch wenn eher einfachere Backsteinhäuser dominieren, gibt es ein paar schmucke, riesige Prachthäuser. Das eine, ein Konzert- und Versammlungshaus, hat wunderbare riesige bunte Glasfenster, die wir uns näher (vom inneren des Gebäudes aus) betrachten. Immer wieder schnappen wir deutsche Sprachfetzen von Passanten auf. Wir entdecken auch Werbung für einen deutschen Stammtisch – es scheint als ob die Elite-Uni nicht wenige Deutsche anlockt…

Mit schmerzenden, müden Füßen landen wir nach einiger Diskussion zum Abendessen beim Inder, wo Robert und ich ausgezeichnete indische Gerichte probieren und uns über die wirklich mini-kleinen Toiletten amüsieren. Während Tom schon pennt, lassen wir bei meiner derzeitigen Lieblings-Sitcom „Big Bang Theorie“ den Abend (und somit auch den Urlaub) mit vielen guten Lachern ausklingen. Schee wars!

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