30.09.2012: Saints @ Packers: Wettkampf der glücklosen Quaterback-Titanen

Immer wenn ich in irgendeiner Runde erzähle ich mag Football, korrigieren mich die Amis, ich meine wohl Soccer, das wäre ein typischer deutscher Versprecher. Nein, ich meine Football. American Football, das mit dem Ei. Ich bin kein Fan von Fußball. Letztlich habe ich als Kind Englisch auf dem Sky Channel mit den Notre Dame Fighting Irish gelernt. Robert und ich waren sogar schon mal auf einem Football-zentrierten Urlaub im Südwesten der USA unterwegs (anno 1999). So ist es klar, dass, wenn Robert schon da ist wir uns nach einem Football-Spiel umschauen. Da gibt es ja einige Möglichkeiten im Umkreis von 3 Stunden Autofahrt was NFL-Teams anbelangt: Chicago, Indianapolis, Detroit und Green Bay. Nachdem wir beide Saints-Fans sind, Drew Brees letztes Jahr unglaublich gut gespielt hat und ich auch noch Green Bay gerne spielen sehe ist die Wahl einfach: Saints @ Packers. Doch Karten zu kriegen ist da schon um Welten schwieriger, nachdem wir aber kaum zwei Tage nach Verkündung des Spielplans der Liga dran sind, gibt es noch Karten – wenn auch zu horrenden Preisen. Allerdings muss man dazu sagen, dass der kleine Ort Green Bay absolut footballverrückt ist und sich so die Preise in die Höhe schaukeln. Wir entscheiden uns trotzdem dafür das Spiel anzusehen und selbst Gabi will mit.
Das war vor etlichen Monaten. Heute ist endlich der Tag des Spiels und was damals als so tolle Idee erschien scheint jetzt nach näherer Betrachtung der Fahrzeit nicht mehr ganz so funny. Dreieinhalb Stunden hin, Dreieinhalb zurück. Ihr werde jetzt sagen „und das für ein 1-Stunden Spiel?“. Doch ganz so ist es ja auch nicht. So sind wir schon einige Stunden vorher in Green Bay…
Und werden gleich auf der Zufahrtsstraße mit Schildern „Parken $5“, etwas später „Parken $10“ usw. empfangen. Das sind nicht etwa Parkplätze sondern Anwohner, die ihre Rasenflächen und Vorgärten zu Geld machen. Auch wir schnappen uns einen dieser Parkplätze, wo wir in einem Vorgarten einparken…
Schon auf dem Weg zum Stadion aber vor allem auf dem offiziellen Parkplatz davor geht die Tailgate Party ab. D.h. die Autos auf dem Parkplatz werden zu Partyständen mit Grills, maskierte Fans essen Berge an Junkfood und es herrscht eine ausgelassene Partystimmung. Das gilt wohl für alle Vereine, aber für keinen anderen so wie für die Packers. Da ist es selbst für uns Pflicht, deutlich vor dem Spiel da zu sein und durch die Reihen an Fans zu wandern, die skurrilen Kostüme, Green-Bay Packers-Fan-Autos und die Mengen an Essen zu bestaunen.
Im Stadion gehen wir einmal durch die Katakomben, schauen uns die angebotenen Speisen und Verkaufsartikel an. Ein nicht genannt werden wollender R. aus F. probiert sich durch so sonderbare Kombinationen wie Hotdogs mit Macaroni und Käse (die Green Bay Packer-Fans werden auch als Cheeseheads (also Käseköpfe) bezeichnet.

Dann kommen die Mannschaften aufs Feld und wärmen sich auf, das will man ja auch nicht verpassen.

Danach kommt die ganze Pregame-Show mit Band, Cheerleadern, Nationalhymne, Überflug von Militärjets und dem Einlauf der Mannschaften. Normalerweise alles sehenswert. Doch diesmal sticht vor allem die Band heraus, die sich als Universitäts-Band der Wisconsin-Badgers (die in Madison angesiedelt ist) herausstellt. Wo andere Bands marschieren, stürmt diese Band, wo andere nette Choreographien zeigen, rockt die Band das Stadion. Die Saint Marching 100 sind ja schon toll, können aber verglichen mit dieser Performance einfach heimgehen und sich ausheulen. Ihr müsst Euch die Clips unbedingt anschauen!

Das Spiel ist schon im Vorfeld anders wie gedacht. In der letzten Saison haben beide Mannschaften um den Superbowl-Titel ganz weit oben mitgespielt, der Start in diese Saison ist beiden restlos misslungen. So treffen jetzt zwei Teams aufeinander, die 1:2 und 0:3 an Siegen dastehen. Doch das Spiel ist hochklassig, hoch dramatisch und bietet exzellente Unterhaltung. Das Drew Brees (zwar in letzter Sekunde das Spiel verliert) aber den längsten gehaltenen Rekord der Liga für aufeinander folgende Spiele mit jeweils mindestens einem Touchdown einstellt (vorher gehalten von der Legende Johnny Unitas) ist nur das Sahnehäubchen.
Wenn ihr Euch mal die Bilder zum Spiel anschaut. Ich hatte ja Bedenken, als Robert sein Saints Shirt anziehen wollte (was er dann auch gelassen hat), aber in einem Fußballspiel gäbe es in Europa hohe Mauern zwischen den Fanblöcken. Hier ist es ein Miteinander, was begeistert.
Die Badgers Band in der Halbzeitpause und vor allem ihre musikalische Party nach dem Spiel (da ist uns leider die Batterie der Kamera gestorben) waren so genial, dass selbst nach dem Spiel die Ränge der Zuschauer noch gut gefüllt waren.
Lediglich die Rückfahrt war dann nicht mehr so toll. Nicht nur, dass wir natürlich ziemlich lange im Stau standen bis wir erst mal Green Bay hinter uns gelassen haben, wir haben auch noch einen „Gold Package“-Spieltag erwischt. Das bedeutet, dass viele der Fans an diesem Spieltag aus Milwaukee angereist sind und zusammen mit uns einen mega Autokorso nach Süden bilden.
Und morgen früh soll ich also wieder ausgeruht im Geschäft sein? Haha, der Witz war gut!

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